Bear Call Spreads: Wie der Zeitwert vom Feind zum Freund wird
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 16. Januar 2009, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
nachdem die letzten beiden Ausgaben etwas kürzer ausfallen mussten, greife ich heute u.a. die Themen "Optionen" und "Vermögenssicherung" wieder auf. Darüber hinaus gibt es den zweiten Teil des Gastbeitrags von Herrn Basenese.
Bear Call Spreads: Wie der Zeitwert vom Feind zum Freund wird
Aus verschiedenen Zuschriften von Ihnen weiß ich, dass viele von Ihnen gespannt auf die weiteren Artikel zum Thema Optionen gewartet haben. Das Warten soll sich gelohnt haben; heute möchte ich Ihnen etwas zum Thema Bear Call Spreads erläutern. Beginnen wir mit dem grundsätzlichen Gedanken hinter der Bear Call Spread Strategie:
Hinter dem Bear Call Spread verbirgt sich eine bärische Grundhaltung, die ggf. auch bis ins Neutrale reichen kann, je nachdem, wie der Spread aufgebaut wird. Alternative Namen für diese Strategie sind u.a. "Short Call Spread" oder "Vertical Spread"
Der Bear Call Spread sollte nur von Anlegern bzw. Tradern genutzt werden, die über mindestens eine gewisse Grunderfahrung im Optionsbereich verfügen. Die Strategie empfehle ich nicht für absolute Anfänger (höchstens zur Übung als Paper-Trades!)
Aufgebaut wird ein Bear Call Spread, indem ein Call mit Strike Preis A verkauft und ein Call mit Strike Preis B gekauft wird.
Am einfachsten wird es, wenn wir uns einmal ein entsprechendes Beispiel ansehen (keine Trading-Empfehlung!). Betrachten wie hierzu zunächst den Chart der entsprechenden Aktie, denn Sie sollten niemals die eiserne Regel verletzten, dass Derivatestrategien immer nur so gut sein können, wie die Analyse des zugrundeliegenden Basiswerts. Das mag für viele von Ihnen trivial klingen, Sie würden aber lachen, wie viele "Zocker" (leider meist Amateure) mit Derivaten geradezu "um sich werfen", ohne vernünftig Basiswerte analysieren zu können. Machen Sie daher bitte nicht denselben Fehler, nur weil Sie vielleicht jetzt interessante und neue Strategien lernen mögen und darauf brennen, diese zu testen!. Ich bitte dies auch nicht als herablassend meinerseits zu sehen. Viel mehr möchte ich Sie vor Fehlern, die aus zu großem Enthusiasmus entstehen können, warnen.
Zurück aber zum Basiswert:
Sie sehen es bereits am Chart: Unser Beispiel ist Goldman Sachs. Dieses Aktie hat kürzlich ein weiteres Verkaufssignal generiert und sieht schwach aus (nur nochmals zur Sicherheit: Dies ist keine Trading-Empfehlung!). Angesichts des Gesamtmarktes und weiterhin stark fallendem NYSE BPI lässt sich auf weitere Schwäche setzen (stark vereinfachte Logik, hier nur zur Illustration des Beispiels).
Wir stellen uns nun vor, wir seien ein Anleger, der davon ausgeht, dass Goldman Sachs bis zum Options-Verfallstag im Februar 2009 die 80 Dollar im Kurs nicht mehr sehen wird oder nur sehr geringfügig und kurz überschreiten wird. Die Situation ist also aus unserer Sicht derart, dass wir einen Bear Call Spread bauen möchten.
Hierzu werfen wir einen Blick auf die Februar 2009 "Options Chain" für Goldman Sachs:
(mit freundlicher Genehmigung von www.bigcharts.com)
Nehmen wir nun an, uns interessieren die Optionen mit Strike Preis 80 und mit Strike Preis 85. Ein Bear Call Spread würde nun wie folgt gebaut:
Wir gehen long (d.h. wir kaufen) (der Einfachheit halber für dieses Beispiel) eine Option mit Strike Preis 85 (Tickersymbol GSBQ, Bid/Ask 3.30 vs. 3.40) und verkaufen eine Option leer (d.h. wir gehen short) mit Strike Preis 80 (Tickersymbol GSBP, Bid/Ask 5.20 vs. 5.30). Das Resultat ist, dass wir jemandem das Recht verkaufen, von uns 100 Goldman Sachs Aktien zum Preis von 80 Dollar zu kaufen und wir gleichzeitig das Recht einkaufen, 100 Goldman Sachs Aktien zum Wert von 85 Dollar zu kaufen. Somit kann unser maximaler Verlust nur bei der Differenz zwischen den Strike-Preisen (in dem Fall also 500 US Dollar) minus des Netto-Plus, was wir direkt aus der Transaktion erhalten, liegen.
Wenn wir die Transaktion durchführen, also den Spread bauen, entsteht folgende Situation:
Aus dem Verkauf der Option erhalten wir bei o.g. Bid/Ask Spanne 520 USD, während wir für den Kauf 340 USD ausgeben müssen. Wir erwirtschaften also aus dem Stand ein Plus von 180 USD direkt durch Eingehen der Transaktionen. In unserem Optionsportfolio haben wir nun eine Longposition (auf den 85er Call) und eine Shortposition (auf den 80er Call).
Von jetzt an läuft die Zeit für uns, denn mit jedem Tag verlieren beide Optionen zusätzlich an Wert durch Zeitwertverlust. Ebenfalls verlieren beide Optionen an Wert, wenn Goldman Sachs noch weiter fallen sollte, weil dann beide Calls natürlich weiter aus dem Geld sind. Hierbei ist es auch nicht schlimm, dass unsere Long-Position ebenfalls verliert, denn letztlich erwirtschaftet sich der Gewinn ja aus der Stabilität des Spreads, also daraus, dass unser Netto-Plus, was wir mit Eröffnung der Position erhalten, nicht durch ungewünschte Bewegungen im Basiswert zerstört wird.
Die Strategie verläuft perfekt, wenn Goldman Sachs bis zum Fälligkeitsdatum der beiden Optionen (Mitte Februar) die 80 nicht mehr überschreitet. Wenn Goldman Sachs geringfügig über 80 notiert, so dass wir aus unserem anfänglich erwirtschafteten Plus immernoch Gewinne ziehen können, ist das ebenfalls noch in Ordnung. Nur wenn Goldman Sachs derart weit steigt, dass unser Nettoplus von Anfang an überschritten wird, entsteht ein Verlust. Dieser ist jedoch gedeckelt durch unsere Call Option mit Strike Preis 85, welche wir im Depot halten. Ansonsten hätten wir einen "nackten" Short, was äußerst gefährlich ist, da hier das Verlustrisiko theoretisch unbegrenzt ist!
Am liebsten setze ich diese Strategie in seitwärts bzw. leicht fallenden Märkten ein, bei denen nicht ganz klar absehbar ist, wie weit bestimmte Werte fallen. Damit erspare ich mir, auf genau Strike-Schwellen nach unten setzen zu müssen, um mit Optionen oder Optionsscheinen wirklich stark profitabel zu werden.
So viel zunächst einmal zu den theoretischen Punkten dieser Strategie. Ich bin mir sicher, es wird hier Ihrerseits noch die ein oder andere Frage geben. Am Montag werde ich hierauf näher eingehen und Ihnen auch noch ein paar Tipps und Tricks zu dieser Strategie mit auf den Weg geben. Wie bei allen Optionsstrategien ist der erste Schritt, dass Sie das Grundprinzip und die Denkweise dahinter verstehen. Danach geht es um die Details bei der Ausführung und mögliche Fehler.
Ich wünsche Ihnen bereits an dieser Stelle ein schönes Wochenende.
Beste Grüße,
Alexander Hahn
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