Bayer trickreich, noch abwarten
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 12. November 2002 18:00 Uhr
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Heute vermeldete Bayer (WKN 575200) seine Zahlen für das dritte Quartal, die unter dem Schnitt der Erwartungen der Analysten gelegen haben. Ich will ja keine böse Absicht unterstellen, aber es ist schon gerissen, gleichzeitig zu verkünden, dass für Bayer nun bei der Pharma-Partnersuche eine Mehrheit nicht mehr zwingend notwendig sei. Das hatten Analysten schon seit längerem gefordert.
Der Hintergrund ist der: Bayer hat große Probleme in der Pharmasparte. Immerhin ist der Umsatz dort um ca. 5 % auf 2,3 Mrd Euro gesunken. Verursacht wurde der Rückgang durch Umsatzrückgänge bei Adalat und Ciprobay. Aber auch der Cholesterinsenker Lipobay wurde vom Markt genommen und damit sind die Ausgaben und die erhofften Umsatze natürlich dahin. Bayer wollte deswegen einen starken Partner für die Pharmasparte finden, aber unter der Bedingung, dass sie die Mehrheit und damit das Sagen habe.
Bisher hatte sich jedoch kein Partner zu diesen Bedingungen gefunden und wahrscheinlich in Anbetracht der jüngsten Zahlen hat sich Bayer nun etwas zugänglicher zeigen müssen. Denn ohne diese Mitteilung sähe der Kurs von Bayer heute sicherlich anders aus. Trotzdem hagelt es Kaufempfehlungen. Das hat auch mit der charttechnisch guten Situation zu tun. Fundamental wäre hier ein wenig Gelassenheit erforderlich. Die Zahlen sind nicht wirklich aussagekräftig genug. Noch steckt Bayer in einer Umstrukturierung und die Anzeichen sind noch zu gering, um hier von deutlichen Erfolgen zu sprechen. Sollte sich ein starker Partner finden und sich das Ergebnis von Bayer deutlich verbessern, dürfte immer noch genug Zeit sein einzusteigen. Zudem können immer noch Nachrichten bezüglich der Klagewelle den Kurs belasten.
Im dritten Quartal erzielte Bayer ein operatives Ergebnis im fortlaufenden Geschäft vor Sonderposten von 54 Mio €, nach 39 Mio € im Vorjahreszeitraum. Erwartet wurden im Schnitt 97 Mio €. Auch der Umsatz konnte um 8 % von 6,71 Mrd auf 7,25 Mrd € gesteigert werden, aber auch hier wurde ein höherer Umsatz von 7,52 Mrd € erwartet.
Die Kostensenkungsprogramme sollen nach Angaben Bayers gut im Plan liegen und weiter ausgebaut werden. Geplant seien Einsparungen bis 2005 von bis zu 2,2 Mrd €. Das ist eine Mrd € mehr als bisher vorgesehen. Allerdings wurden keine Einzelheiten zu den Kostensenkungsprogrammen genannt. Bekannt ist allerdings, dass Bayer bis 2005 insgesamt 15.000 Stellen streichen will.
Bayer konnte heute um über 7 % auf 21 € zulegen. Charttechnisch zeigt sich ein deutlicher Widerstand bei 22 €. Der primäre Abwärtstrend (ein primärer Abwärtstrend ist der oberste Abwärtstrend, dessen Bruch ein Anzeichen für das Ende einer gesamten Abwärtsbewegung anzeigt) liegt etwas höher, zur Zeit ungefähr bei 25 €. Wenn Sie langfristig orientiert sind, sollten sie zumindest den Bruch dieses Trends abwarten. Kurzfristig ist der Bruch des 22 € Widerstandsbereichs interessant. Also noch etwas Ruhe bewahren.
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