Bauaktien: Reanimation für die Branche
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 20. Januar 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
Krise, Konjunkturschwäche, sinkende Nachfrage- alle diese Begriffe sind für sich genommen auch Misstöne für die Baubranche. Profitierte der Sektor in den vergangenen Jahren vor allem von dem Bauboom in Südeuropa und Großbritannien, traten die Anbieter in Deutschland wegen der steigenden Kosten und der vielen gesetzlichen Regularien nahezu auf der Stelle. Geläutert von der Krise nach dem Wiedervereinigungsboom ab Mitte der Neunziger Jahre haben die Unternehmen aber einen intensiven Lern- und Konsolidierungsprozess durchgemacht. Die internationale Ausrichtung wurde verstärkt, das Flexibilisierung in den Zulieferbetrieben erhöht und der Einsatz von Zeitarbeitskräften ausgebaut. Das internationale Desaster an den Immobilienmärkten trifft deutsche Unternehmen deshalb weitaus weniger als zum Beispiel amerikanische, Britische oder Spanische. Der breite Ausfall der privaten Nachfrage in fast allen Wirtschaftsbereichen nötigt viele Staaten dazu, Konjunkturprogramme aufzulegen, um ein völligen Stillstand der privaten Wirtschaft zu vermeiden.
Erste Zielbereiche für staatliche Investitionen sind Infrastrukturprogramme, die das Vorziehen von staatlichen Bau-und Instandsetzungsmaßnahmen beabsichtigen. Nach Schätzungen der Weltbank fällt alleine in den USA ein Investitionsbedarf von 1,6 Billionen US-Dollar in den nächsten fünf Jahren an. Auch China plant einen großen Teil eines 600 Milliarden US-Dollar schweren Konjunkturpakets zum größten Teil in die Verbesserung seiner Infrastruktur zu stecken. Die aufziehende Schwächeperiode im Hinblick auf die Nachfrage aus der Privatwirtschaft können die international tätigen Baukonzerne damit sehr wahrscheinlich zum großen Teil ausgleichen. Schwieriger wird es für die allein regional tätigen Unternehmen werden. Sie müssen sich einem erneuten Konsolidierungsprozess aussetzen, der sicher nicht ohne den wesentlichen Einfluss der Großen ablaufen wird. Vergleichbare Entwicklungen sind bereits in der Automobilindustrie zu beobachten. Anders als bei den Banken wird sich die staatliche Intervention bei den Bauaktien dann auch überwiegend positiv bemerkbar machen. Während der Gesamtmarkt noch einige Zeit brauchen wird, um sich zu regenerieren, erlebt der Bausektor demnächst einen vorgezogenen Frühling. IM Umkehrschluss gilt dann natürlich auch, dass die Aufschwung-Phase bei diesen Titeln fast schon zu Ende sein wird, wenn der Gesamtmarkt aus seinem Dornrösschenschlaf erwacht ist.
Der Dow Jones Euro Stoxx Bau und Materialien legte von seinem Baisse-Tief Ende November bei rund 185 Punkte bis zur Mitte der vergangenen Woche um knapp 37 Prozent auf 254 Punkte zu. Die laufende Konsolidierung muss infolgedessen als normale Reaktion auf diesen Zugewinn eingeordnet werden. Bei einzelnen Aktien wie Hochtief, Bilfinger und Berger, Ferrovial oder Bouygues lagen die Schwankungen noch höher. Da viele Regierungen angekündigt haben, die Ausschreibungen der Aufträge möglichst rasch umsetzen zu wollen, dürfte schon in den nächsten Wochen eine weitere Aufwärtswelle den Sektor erfassen. Das noch gültige Verkaufssignal im MACD wird von einer steigenden 38-Tage-Linie konterkariert, eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung erscheint auch gemessen an den derzeit fallenden Umsätzen bei fallenden Kursen wahrscheinlicher. Zielbereich ist die Widerstandszone um 280 Punkte, rund 30 Prozent über dem aktuellen Kursniveau.
