Bau-Anleitung: Wie Sie einen Pair-Trade bauen
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 6. Juli 2009, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
schon öfters sprach ich hier bei Investoren Wissen das Thema Pair Trades an. Gerade in der aktuellen Marktlage, in der nicht ganz klar ist, ob sich die Bärenmarktrallye in einer Art zweiten Runde fortsetzen wird oder wir nun wieder eine Abwärtsbewegung sehen werden, können Sie mit dieser Strategie nicht viel falsch machen.
Was es mit Pair Trades auf sich hat, können Sie durch den oben verlinkten Artikel erfahren. Heute möchte ich Ihnen einmal zur Abwechslung zeigen, wie solch ein Pair Trade in der Praxis aussehen kann.
Pair Trading innerhalb eines Wirtschaftssektors: Nur die relative Stärke gegen die Vergleichsgruppe zählt
Wie Sie aus meinen vorherigen Artikeln bereits wissen dürften, geht es bei Pair Trades darum, von der Outperformance eines Wertes gegenüber dem anderen Wert zu profitieren.
Welche Kriterien sind also wichtig?
Die Antwort hierauf ist relativ einfach: Wir brauchen einerseits eine Aktie, die in möglichst jeder Hinsicht sehr stark ist, andererseits eine Aktie, welche durch die Bank betrachtet schwache Merkmale aufweist. In guten Marktzeiten wird die starke Aktie dank ihrer relativen Stärke weitaus mehr steigen als die schlechte; in schlechten Zeiten wird sich die gute Aktie besser halten als das schlechte Papier.
In anderen Worten: Der relative Abstand zwischen den beiden Werten weitet sich. Sie profitieren.
Ich selbst setze Pair Trades in der Regel in meinem konservativen Portfolio ein (auch in der aktuellen Marktlage). Für den routinierten "Zocker" mögen solche Dinge eher langweilig erscheinen, aber sie brachten mir die letzten Monate "langweilig" solide und konstante Renditen. Um mehr geht es mir in den Finanzmärkten nicht. Geld verdienen, möglichst ohne Stress und emotionale Achterbahnfahrten.
Nun aber zurück dazu, wie Sie sich selbst einen Pair Trade bauen können. Ich schildere Ihnen dazu einfach einmal meine grobe Vorgehensweise:
- Ich betrachte mir einen wirtschaftlichen Sektor, in dem es sowohl sehr gesunde als auch sehr kranke Unternehmen gibt. Generell greife ich hierbei eher zu etwas weniger volatileren Sektoren (also keinen Ölservice- oder Stahlsektor... um nur zwei Beispiele zu nennen).
- Innerhalb dieses Sektors stelle ich eine sehr hohe Anzahl an Vergleichen zur relativen Stärke der einzelnen Papiere gegeneinander an. Dies erfolgt mittels der Point & Figure Methodik. Parallel dazu beachte ich, dass die entstehenden Ergebnisse sich auch mit den fundamentalen Realitäten hinter den zwei Aktien decken.
- Idealerweise notiert die schwache Aktie unterhalb der bärischen Widerstandslinie und die starke Aktie über ihr. Je länger die beiden Linien sind, desto solider sind diese in der Regel und desto besser lässt sich der Trade managen.
- Ich achte darauf, dass sich die bärische Aktie in der Nähe eines ernsten Widerstands befindet und dass die bullische Aktie kurz vor einem Ausbruch steht bzw. massive Unterstützung hat
- Ich kaufe die bullische Aktie und verkaufe für den gleichen Betrag die bärische Aktie leer.
- Wenn es sich anbietet, "würze" ich den ganzen Deal noch durch zusätzliche, konservative Optionsstrategien, welche ich mit dem Trade kombiniere.
Ein eindeutiger Vorteil von Pair Trades besteht darin, dass sie bei richtiger Ausführung relativ sicher und praktisch unabhängig vom breiten Markt sind. Ein Nachteil ist, dass der benötigte Kapitalaufwand im Vergleich zu "normalem", direktionalem Trading (also Wetten, bei denen Sie nur auf eine Richtung setzen - etwa long oder short) nicht selten höher ausfällt. Wenn Sie diesen Trade allerdings gut konstruieren und noch Zusatzrendite durch die Anwendung von Optionen generieren, passt das unter dem Strich betrachtet sicherlich, was das Ergebnis angeht. Übrigens sind die Volatilitäten von geschickt gebauten Pair Trades meist auch erfreulich gering. Diese Trades sind also relativ stressfrei, auch wenn es den breiten Markt wieder einmal brutal zerlegen sollte.
Welche Voraussetzungen Sie brauchen, um selbst Pair Trades durchführen zu können
Zugegeben, die wenigsten "Standard-Broker" dürften Ihnen das nötige Werkzeug für Pair-Trades an die Hand geben, da dies eine Strategie ist, die eher im professionellen Bereich bzw. bei Hedgefonds schwerpunktmäßig eingesetzt wird.
Grundsätzlich einmal gilt, dass Sie bei Ihrem Broker long und short gehen können müssen - ohne hierbei aber in einer Gebührenfalle zu landen (Lassen Sie sich hier bitte nichts von Ihrem Broker vormachen. Es gibt professionelle Broker, die Sie bereits für ein bis zwei US-Dollar an Gebühren pro Trade entsprechend handeln lassen.)
Ich nutze für Pair Trades meist den US-Raum, da dort Short-Selling viel weiter verbreitet ist als hier in Deutschland. Möglich ist dies z.B. über US-Broker wie Interactive Brokers, E-Trade, Cortal Consors: Penson und viele mehr.
In einigen Fällen ist vor der Short-Fähigkeit auch die Unterzeichnung einer Belehrung zu Leerverkäufen erforderlich (ähnliche Papiervorgang wie bei der Terminmarktfähigkeit - mehr hierzu erfahren Sie bei Ihrem Broker).
Alles weitere ist Übungssache. Ich möchte Pair Trades jedoch keinesfalls missen, denn diese haben mir schon in mancher turbulenten Börsenphase eine ruhige und konstant profitable Fahrt ermöglicht.
Es zahlt sich m.E. mehr als aus, sich diese Technik anzueignen, auch wenn es anfangs vielleicht etwas umständlich klingen mag. Im Grunde genommen ist es gar nicht so schwer und kann sehr Spaß machen.
Beste Grüße
Alexander Hahn