Bankenstresstest
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 26. Juli 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
seit Freitag ist es amtlich: Die meisten europäischen Banken haben den Stresstest bestanden. Deutliche negative Überraschungen blieben glücklicherweise aus, neue Erkenntnisse allerdings auch. Sieben Institute fielen durch, darunter wenig überraschend die deutsche Hypo Real Estate (zu 100 Prozent in Staatsbesitz), die spanischen Sparkassen Diada, Cajasur, Espiga, Unnim und Civica sowie die griechische ATE Bank. Postbank und NordLB bestanden den Test nur knapp. Insgesamt ergab der Test einen Kapitalbedarf von 3,5 Milliarden Euro für die durchgefallenen Banken - deutlich weniger als von Experten erwartet. Allein die HRE braucht weitere zwei Milliarden Euro.
Wo ist Ihr Geld aber am sichersten? Hier die Banken, die gemäß dem Stresstest am besten abschnitten: die Landesbank Berlin, die Deutsche Bank und die HSH Nordbank. Auch die DZ Bank, die DekaBank, die Bayern LB und die Landesbank Baden-Württemberg kommen auf eine Kernkapitalquote von mehr als acht Prozent und schneiden damit überdurchschnittlich gut ab. Je höher der Wert der Kernkapitalquote, desto höher ist der Puffer in Krisenzeiten. Als bestanden gilt der Stresstest, wenn die Quote in den einzelnen Szenarien nicht unter sechs Prozent rutscht.
Alle durchgefallenen Institute müssen sich nun frisches Kapital besorgen, etwa durch Ausgabe neuer Aktien (Kapitalerhöhung). Da dies jedoch ein schwieriges Unterfangen sein dürfte, werden wahrscheinlich die Rettungsfonds der einzelnen Staaten eingreifen müssen. Im deutschen Rettungsfonds Soffin stehen noch rund 50 von insgesamt 80 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der Banken bereit - die Mittel sind derzeit also bei weitem ausreichend. Allerdings gibt es nach wie vor Kritik an den zu laschen Testkriterien. Die Tests schließen etwa den Bankrott eines Landes nicht mit ein. In einem solchen worst-case-Szenario, dessen Eintritt alles andere als unmöglich ist, kämen deutlich mehr Institute an ihre Grenzen und die Mittel der Rettungsfonds würden vermutlich schnell erschöpft sein. Hoffen wir, dass ein solcher Fall nie eintritt. Und dass die Bankhäuser zügig in den Rettungsfond einzahlen, damit sie im Fall der Fälle nicht wieder dem Steuerzahler auf der Tasche liegen.