Bankenreform
Henrik Voigt (Gastbeitrag) in Investors Daily
vom 30. Juni 2010, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
der G20-Gipfel am vergangenen Wochenende brachte nicht den großen Wurf bei der weltweiten Reform der Finanzmärkte. Mehr als große Worte und ein bisschen pompöse Show kamen nicht bei dem Treffen heraus. Die Aktienindizes reagieren zu Beginn der Woche zunächst erleichtert darauf, denn zuviel Kontrolle oder neue Steuern wie etwa eine Finanztransaktionssteuer mögen die Anleger nicht. Allerdings bleibt so auch die immer noch schwelende Finanzkrise ungelöst und eine nach wie vor bestehende, latente Gefahr für die Stabilität der Märkte und der Konjunktur.
G20-Gipfel ohne greifbare Ergebnisse
Erst gestern warnte nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eindringlich vor einer neuen Finanz- und Wirtschaftskrise. "Verbleibende Schwächen des Finanzsystems zusammen mit den Nebenwirkungen der anhaltenden Intensivbehandlung drohen einen Rückfall des Patienten zu verursachen und die Reformbestrebungen zu untergraben", schreibt das Institut in seinem aktuellen Jahresbericht. Die kurzfristigen Gegenmittel von Regierungen und Notenbanken seien mittlerweile erschöpft. Es sei nun notwendig, das Problem an der Wurzel zu packen. Große Risiken gebe es weiterhin im Finanzsystem. Die Erholung sei noch unvollständig und fragil, so die BIZ. So sei die Nachhaltigkeit der Gewinnsituation vieler Banken zweifelhaft.
So sieht die US-Bankenreform aus
Während man sich offensichtlich nicht auf ein weltweit abgestimmtes Vorgehen einigen kann, bevorzugen einzelne Staaten nationale Lösungen. Die USA haben inzwischen ihre eigene Finanzmarktreform angeschoben.
Hier die wichtigsten Eckpunkte für Sie:
*Ein Großteil des Derivate-Handels muss künftig über Clearingstellen oder Börsen abgewickelt werden und wird so stärker kontrolliert.
*Die US-Großbanken, die den Derivate-Handel dominieren, müssen einen kleinen Teil dieses lukrativen Geschäfts (Kontrakte auf landwirtschaftliche Produkte, Energie oder Metalle) abspalten.
*Privatinvestoren und Hedgefonds müssen sich bei Aufsichtsbehörden registrieren lassen und ihre Geschäftsbücher offen legen.
*Die Krisen-Hilfen der US-Notenbank werden einer externen Überprüfung unterzogen, nicht aber ihre Zinspolitik.
Und wichtiger:
*Es wird ein Insolvenzverfahren für Finanzkonzerne eingeführt, das eine
ordentliche Abwicklung in Fällen wie der Lehman-Pleite ermöglicht.
*Der Handel mit Finanzprodukten auf eigene Rechnung ohne Kundenauftrag - der Eigenhandel - wird den Banken verboten. Die Vorgabe schränkt die Risiken der Institute ein, die den Staat in der Krise allein durch ihre Größe zum Eingreifen gezwungen haben.
*Banken müssen für Krisen mehr Eigenkapital vorhalten.
Die Auswirkungen auf den Aktienmarkt
Prinzipiell dürften die Maßnahmen die Gewinnaussichten der US-Banken und in geringerem Maße auch den Gesamtmarkt in den nächsten Monaten belasten, aber dafür längerfristig für ein klein wenig mehr Finanzmarktstabilität sorgen. Der große Wurf ist aber auch das bei weitem nicht geworden, zumal wenn Sie US-Präsident Obamas vollmundige Ankündigungen in dieser Sache mit dem tatsächlichen Ergebnis vergleichen. Dass es auch besser geht, zeigt die Schweiz, wo eine Aufspaltung großer Finanzkonzerne in kleine Teileinheiten geplant ist, um die „too big to fail"-Problematik auszuschalten. Kleinere Finanzinstitute kann man bei Missmanagement ohne weiteres Pleite gehen lassen, ohne dass jedes Mal der Steuerzahler einspringen muss, damit das Gesamtsystem nicht untergeht. Auch dieser Weg ist nicht unumstritten, aber sicher besser und mutiger als alles andere, was derzeit in dieser Richtung diskutiert wird und hoffentlich auch ein Richtungsweiser für eine mögliche deutsche Bankenreform.
Während die Bankenreform und die wieder schwächer tendierenden Konjunkturdaten eher kursbelastend wirken, dürften die Hoffnung auf eine gute Berichtssaison ab 20. Juli und das übliche „Window Dressing" zum Quartalswechsel die Kurse beflügeln. Sommerbedingt nehmen allerdings die Börsenumsätze bereits jetzt deutlich ab und die Bewegungen werden insgesamt schwächer. Auch an der Börse kehrt langsam Urlaubszeit ein.
Wie die Börsen derzeit aus charttechnischer Sicht dastehen, das zeige ich Ihnen in DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.
Viel Erfolg und herzliche Grüße
Ihr
Henrik Voigt
HINWEIS: Mehr Informationen zu Henrik Voigt und seinem erfolgreichen Börsendienst finden Sie hier: Dax Profits