Banken-Stresstest: deutsche Banken auf Kurs
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Dax 30
vom 27. Januar 2012, 08:30 Uhr
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Als im Dezember vergangenen Jahres die Ergebnisse des Banken-Stresstests verkündet wurden, ging ein Aufschrei durch Europas Bankenwelt. Die EU-Bankenaufsicht EBA hatte festgestellt, dass 31 Banken eine Kapitallücke aufweisen, die sie zur Bewältigung der Schuldenkrise schließen müssten.
Seitdem wurde eifrig an Plänen geschmiedet, um die insgesamt 115 Milliarden Euro aufzutreiben. Wie die einzelnen Banken ihre Kapitallücken schließen, hängt dabei von der kurz- bis mittelfristigen Strategie ab. Denn im Wesentlichen stehen den Banken zwei Möglichkeiten offen. Zum einen können sie eine Kapitalerhöhung durchführen, zum anderen können sie sich einen Schrumpfkurs verordnen. Denn bei gleich bleibender Eigenkapitalsumme steigt die Eigenkapitalquote ganz automatisch, wenn die Banken Risiken abbauen.
Die meisten Banken haben sich für letztere Alternative entschieden. Der Schrumpfkurs sieht eine Verkleinerung der Bilanzsumme, das Einbehalten von Gewinnen und den Verkauf von Vermögenswerten vor. Die Pläne liegen inzwischen den nationalen Behörden vor und werden ab Februar nochmals von der EBA auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüft. Die Frist läuft Ende Juni aus. Bis dahin müssen alle vom Banken-Stresstest identifizierten Geldhäuser ihre Pläne umgesetzt haben.
Sechs deutsche Banken betroffen
Deutschlands Banken benötigen insgesamt 13,1 Milliarden Euro, die sich auf sechs Institute verteilen. Der Löwenanteil entfällt mit 5,3 Milliarden Euro auf die Commerzbank, die im Zuge der Lehmann-Pleite Staatshilfen in Anspruch nehmen musste. Die nunmehr halbstaatliche Commerzbank veröffentlichte ein von Analysten als überzeugend eingestuftes Maßnahmenpaket. Demnach sollen bereits drei Milliarden Euro Kernkapital bis Ende 2011 erreicht worden sein. Weitere 3,3 Milliarden Euro sollen bis Juni 2012 folgen. Nach der Bekanntgabe der Pläne schoss der Aktienkurs der Commerzbank zweistellig in die Höhe. Vor allem die Ankündigung, dass man auf weitere Staatshilfen verzichten wolle, beflügelte das Kursfeuerwerk.
Commerzbank-Pläne nicht ohne Risiko
Allerdings bergen die Pläne von Commerzbank-Chef Blessing auch Risiken. Beispielsweise schrieb die Bank ihre Griechenland-Anleihen um 52 Prozent ab. Die Verhandlungen um einen Schuldenerlass Griechenlands gehen aber von einem Wertverlust von bis zu 70 Prozent aus. Die Differenz würde das Eigenkapital wieder belasten. Außerdem könnte der Erlös aus dem Verkauf von Unternehmensanteilen unter dem Buchwert liegen.
Einbehaltene Gewinne sollen Kernkapital erhöhen
Die Deutsche Bank benötigt im Gegensatz dazu 3,2 Milliarden Euro. Diese Summe will Deutschlands größte Bank durch einbehaltene Gewinne und den Abbau von Bilanzrisiken erzielen. Der Schritt ist schmerzhaft. Denn die Deutsche Bank hatte stets den Anspruch, ihre Aktionäre durch satte Dividendenzahlungen positiv zu stimmen. Die Erhöhung des Kernkapitals wird zweifelsohne den Ausschüttungsbetrag reduzieren.
Eigentümer der Landesbanken springen in die Bresche
Die DZ Bank, die als viertgrößte Bank Deutschlands zum Genossenschaftsverbund zählt, muss 353 Millionen Euro aufbringen. Vorstandschef Kirsch hofft auf gute Gewinne, die wie bei der Deutschen Bank einbehalten werden sollen.
Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) benötigte rund 1,5 Milliarden Euro. Die beiden Bundesländer haben die Kapitallücke bereits geschlossen, indem sie stille Einlagen in hartes Kernkapital mit voller Verlustbeteiligung umgewandelt haben. Den gleichen Pfad beschreitet die Nord/LB, die 500 Millionen Euro Zuschuss aus Niedersachsen erhält und zudem 800 Millionen Euro aus Gewinnen und Vermögensveräußerungen generieren muss.
Eine erneute Staatsbeteiligung ist nach derzeitigen Plänen also bei keiner deutschen Bank nötig.