Banken: Die Briten haben begriffen-Ackermann nicht!
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 4. November 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
Das Thema Banken ist wieder in den Schlagzeilen. Nachdem der US-Mittelstandfinanzierer CIT Insolvenz anmelden musste und die Regierung damit Steuergelder von 2,3 Milliarden US-Dollar abschreiben kann, beschleicht die Märkte wieder eine latente Unsicherheit. Im Unterschied zur Lehman-Pleite von vor einem Jahr kam diese Insolvenz aber nicht unvorbereitet. Heute gehen in den USA in der Woche im Schnitt zwei kleinere Banken Pleite. Die Marktbereinigung schreitet also voran, in ihr steckt der Keim für eine Neuorganisation den US-Bankensystems. Das Ausschalten von Risiken, wie es sich Anleger und US-Kongressabgeordnete wünschen, ist dabei aber nicht möglich. Alle Behauptungen, es sei ein risikosicheres System erschaffbar, gehen an der Realität vorbei. Der Wechsel von verschiedenen Strategien, die einmal „globale Player" und im anderen Fall Spezialbanken mit beschränkten Geschäftsbereichen hervorbringen, kann als normales Nebenprodukt auf der Suche nach der goldenen Ananas bilanziert werden.
Alternativen zu den Großbanken gefragt
Wurden von den Regierungen im letzten Jahrzehnt selbst noch „nationale und internationale Champions" gefördert, will man diese verfehlte Politik in Zeiten guter Konjunktur mit höheren Eigenkapitalanforderungen und gestutzten Vergütungssystemen relativieren. Der Ansatz, große Banken so stark zu regulieren, dass sie kaum noch Risiken am Kapitalmarkt eingehen, schlägt aber auch fehl. Denn in diesem Fall sollten für Unternehmen und Privatkunden Alternativen bestehen, die weit und breit nicht zu erkennen sind.
Als Beispiel wäre zu nennen, dass es einfacher sein müsste, kleinere Privatbanken zu gründen, die erst ab einer bestimmten Bilanzsumme einer stärkeren, in Stufen unterteilten schärferen Regulierung unterworfen wären. Das Risiko dieser kleinen Banken wäre dann auf ihr Kerngeschäft, Kredit-, Einlagen-oder Wertpapiergeschäft begrenzt. Eine solche Bankenlandschaft mit vielen kleinen Privatbanken hat es in Deutschland bereits von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende der zwanziger Jahre des 20.Jahrhunderts gegeben. Der Erfolg lässt sich an der Vielzahl der Unternehmensgründungen innerhalb dieser Zeitspanne ablesen.
Briten drehen das Rad zurück
Zu den Ländern, die am heftigsten von der Bankenkrise getroffen wurden, gehört Großbritannien, dessen Wirtschaftsentwicklung zu einem großen Teil von den Ergebnissen der Banken abhängt. Die Regierung hat ehemalige „Global Player" wie die schottische Royal Bank of Scotland mit der Verstaatlichung vor dem Bankrott retten müssen. Nun will man die Konsequenz aus der Überdimensionierung dieser Institute ziehen und plant mehrere kleine neu zu gründen. Dabei sollen vor allem die Bereiche des Privatkundengeschäfts und der Immobilienfinanzierung gestärkt werden. Dem kann man nur Zustimmung, auch die Unternehmensfinanzierung müsste mehr Gewicht bekommen. Die Briten gehen damit den richtigen Weg.
Ganz anderes dagegen träumt noch Herr Ackermann von der Deutschen Bank. Er bevorzugt die marktbeherrschende Variante, eine Einstellung die ich aus seiner Sicht teilen würde. Die Behauptung, nur große Banken könnten die Herausforderungen der Globalisierung schultern, verkennt aber die Tatsache, dass bereits im 19.Jahrhundert eine ähnliche Wirtschaftsentwicklung zu verzeichnen war. Damals gab es in Deutschland wesentlich mehr Unternehmensgründungen und anschließenden internationalen Finanzierungsbedarf. Geschultert wurde er von hunderten von kleinen Privatbanken, zum Wohle der Bank und des Unternehmens. Das ist der Unterschied zu heute. Mehr Wettbewerb tut also dringend Not! 
Schwankungen zwischen 150 und 200 Punkten
In der letzten Analyse Anfang Oktober war im Bezug auf den S&P 500 Financial Sector von einem Kursziel bei 244 Punkten die Rede. Dieses Niveau stellt die 38,2prozentige Erholung des Fibonacci-Retracements des zuvor vollzogenen Absturzes von 508 auf 78 Punkte dar. Die Fortsetzung der Banken-Pleiteserie in den USA erschwerte den Bullen aber eine größeres Fortkommen über 206 Punkte hinaus. Die damals angekündigte Konsolidierung nimmt daher bereits jetzt Formen an.
Im Original der Analyse hieß es: „Im Anschluss an die finale Aufwärtsbewegung ist dann allerdings mit einer stärkeren Korrektur zu rechnen, weil sich bereits jetzt andeutet, dass es einen nochmaligen Rückfall im Konjunkturverlauf geben wird. Auch die technischen Trendindikatoren deuten auf Monatsbasis ein solches Szenario an. Mit Sicherheit wird es dann zu einem Test der 200-Tage-Durchschnittslinie kommen, die im Bereich um 150 Punkte notiert. Verläuft der Test erfolgreich, dürften auf Sicht von 12 Monaten durchaus 300 Punkte erreicht werden können."
Der zeitliche Ablauf deutet an, da es nun verstärkt zu heftigen Schwankungen zwischen 150 und 200 Punkten kommen wird. Diese Seitwärtsbewegung wird sich wohl bis zum Abschluss des Frühjahres 2010 erstrecken. Erst danach sollten die Bullen dann genügend Kraft für einen weiteren Anstieg bis zum nächsten Widerstand bei 244 Punkten gesammelt haben. Fällt der S&P Financial Sector deutlich unter 150 Punkte zurück, ist das Szenario hinfällig und die Bären bestimmen für einige Zeit wieder die Richtung an den Aktienmärkten.
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Michael Kohl (04.11. 2009 09:17 Uhr):
n.m.A. ist der Artikel ueber Ackermann voellig daneben. Die Schaffung kleiner flexibler Banken mach zwar fuer die Raeume Ochsenfurt, Kleinlangheim oder Hude sinnvoll sein (wenns da nicht schon Raiffeisen,Voba und Sparkassen gaebe). In einer globalen Wirtschaft mit einem Riesenbedarf an sprachlichen, rechtlichen, steuerlichen wirtschaftlichen, technischen, branchenspezifischen,laender -kundlichen ........know how gehts eben nur "big". Unreflektierte Vergleiche mit dem Mittelalter sind zu duerftig Viele Gruesse M.Kohl
Antworten - Kommentar von Lützenrath (05.11. 2009 17:16 Uhr):
die Summe der großen Zahl geplatzter vieler Kleinkredite hat die Krise ausgelöst. Da konnte man in Bankenkreisen zuerst auch annehmen: ein paar kleine Insolvenzen machen nichts aus (Peanuts)! Aber dabei blieb es nicht. Ackermann hat Recht: wir hätten jetzt eine hohe Zahl insolventer Privatbanken. Ich erinnere mich an Herrn Iwan Herstatt und Dany Dattel in Köln. Wie regte man sich damals auf. Und das war doch auch nur eine "kleine Privat-Bank" ! Und, hat Herr Ackermann Staatshilfe beantragt?!?! -Lü-
Antworten