Banken, Banken und noch mehr Banken
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 24. November 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Im Moment ist das Tagesthema: Banken. Da sind einerseits die Landesbanken. Hier geht es um die Einstufung der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) für die Landesbanken, wenn die Staatsgarantien 2005 wegfallen. Im Vorfeld gab es einiges an Verwirrung und Unfrieden. Natürlich steht zu befürchten, dass das Rating der Landesbanken ohne Staatsgarantien deutlich niedriger ausfallen wird.
Noch profitieren die Landesbanken von den staatlichen Haftungsgarantien. Dadurch notieren ihre Bonitätsnoten in der Nähe der Bestnoten, die in etwa der Bonität des Bundes entspricht. Die Landesbanken haben damit gegenüber den Privatbanken bei der Refinanzierung einen deutlichen Wettbewerbsvorteil, weil sie weniger Zinsen für ihre Schulden zahlen müssen.
Falls Sie nicht wissen sollten, was die Buchstaben der Ratings bedeuten, habe ich Ihnen hierzu einmal eine Auflistung zusammengestellt. Das Grundrating ist aufgeteilt in die Buchstaben A-D, wobei A das höchste Rating darstellt. Innerhalb der Buchstaben wird noch einmal unterteilt: Dreimal A, also AAA ist ein Rating höchster Qualität, AA hoher Qualität, A gehobener mittlere Qualität. BBB lautet das Rating für mittlere Qualität.
Bis hierhin bezeichnet man das Rating als "investment grade". Ab BB nennt man das Rating "speculative grade". Bestimmte Fonds dürfen zum Beispiel nur in "investment grade" eingestufte Papiere investieren.
BB ist deswegen auch als "ungewisser Status" definiert, dann B als spekulativ, C geringes Standing und D notleidend.
Die Rating Agentur S&P hat auf die Befürchtungen der Bundesbank und der Bankenaufsicht reagiert und ihre genauen Ratings auf Juli 2004 verschoben. Gleichzeitig hat sie aber eine Bandbreite bekannt gegeben in der die Ratings liegen werden. Die Bandbreite beläuft sich zwischen A+ und BBB (Das + ist ein weitere Unterteilung im Rating, das sozusagen eine "Aussicht" oder Tendenz darstellt)
Mit anderen Worten: Die Landesbanken werden auf jeden Fall im "sicheren" Bereich angesiedelt. Natürlich werden die Landesbanken ein Rating im A Bereich anstreben. Ich denke, dass dieses Theater in den letzten Tagen zumindest dazu führt, dass die Landesbanken etwas "geschockt" alles versuchen werden, um sich für 2005 und im Hinblick auf das Rating entsprechend auszurichten.
Etwas "verunsichert" bin ich, nachdem bekannt wurde, das Finanzminister Eichel auf eine Fusionen in der Deutschen Banken Welt "gedrängt" hat. Der Spiegel hatte in seiner Samstagsausgabe einen Artikel veröffentlicht, nach dem Eichel bei einem Gespräch mit Vorstandschefs Josef Ackermann (Deutsche Bank), Klaus-Peter Müller (Commerzbank), Herbert Walter (Dresdner Bank) und Dieter Rampl (HypoVereinsbank) die Banken zu innerdeutschen Fusionen "gedrängt" habe. Eichel hätte sich in großer Sorge darüber gezeigt, dass ausländische Konkurrenten deutsche Großbanken übernehmen könnten. Ein weiterer Grund soll gewesen sein, dass die Banken im Moment die mittelständischen Unternehmen nicht mit ausreichenden Krediten versorgen kann.
Aus Branchenkreisen kamen nun Stimmen, dass solche Fusionen oder gar zu eine Fusion zu einer "Megabank" völlig abwegig seien. Allein die Kosten einer solchen Fusion wären derart hoch, dass sie sämtliche positive Effekte auf Jahre zunichte gemacht würden. Sie müssen sich nur vorstellen, wie viele "Überschneidungen" es geben würde.
Trotzdem scheint die Gefahr der Übernahmen zumindest nicht völlig unrealistisch. Was mich etwas verunsichert, sind die Nachrichten als Ganzes. Eigentlich müsste es den Banken und Versicherungen nach der Rallye in diesem Jahr wesentlich besser gehen. Doch dann kam das Steuergeschenk an die Versicherungen, jetzt Fusionswünsche der Politik – in meinen Ohren klingen da Warnglocken ... wenn auch noch nicht sehr laut. Ich habe allerdings auch immer noch die alte Regel im Kopf: Eine große Baisse ist erst nach dem Bankencrash, in deren Folge mindestens eine der großen Banken insolvent wird, beendet. Es bleiben Fragezeichen.
Dann wurde noch bekannt, dass die Deutsche Bank ein milliardenschweres Immobilien-Paket an die US Beteiligungsgesellschaft Blackstone veräußert hat. Dadurch wird zwar ein Buchverlust von 100 Mio. Euro realisiert, gleichzeitig wird jedoch Eigenkapital freigesetzt und die Bilanz wird von Randaktivitäten entlastet.
Der Hintergrund, die Immobilien werden verkauft und von der Deutschen Bank gemietet (sale and lease back). Dadurch stehen die Immobilien einerseits nicht mehr in den Bilanzen des Bankhauses, andererseits ist damit auch weniger Kapital "gebunden". Immerhin bringt der Verkauf 1,04 Mrd. Euro.
Kurz zur Börse. Wie am Freitag prognostiziert steigen heute die Märkte. Es wird auf das wahrscheinlich besser ausfallende Beige Book, das am Mittwoch veröffentlicht wird, spekuliert. Eventuell kann es am Mittwoch im späteren Handel wieder zu schwächeren Kursen kommen. Am Donnerstag ist Truthahn Day in Amerika und am Freitag ist die Handelszeit in den USA eingeschränkt. Deshalb werden einige Anleger aufgrund der immer noch akuten Terrorgefahr ihre Positionen lieber glatt stellen.