Bank of Japan interveniert am Markt – und wird scheitern!
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 1. November 2011, 08:30 Uhr
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Am gestrigen Montag intervenierte die Bank of Japan überraschend am Devisenmarkt. Ziel war eine Schwächung des stark überbewerteten Yen. Zu diesem Zweck verkaufte die Notenbank in etwa einer Stunde Yen im Wert von knappen 50 Milliarden Euro. Genutzt hat es wenig - und das war auch bei allen vorhergehenden Markteingriffen nicht anders. Erfolgreicher ist die Schweiz.
Der Yen wertet seit 40 Jahren auf!
Nicht erst seit dem Ausbruch der Finanzkrise befindet sich der Yen im Steigflug. Seit den 70er Jahren wertete der US-Dollar von 300 Yen auf nur noch rund 100 Yen bis Anfang 2000 ab. Ein Rückgang von 300 auf 100 Yen stellt eine Aufwertung des Yens dar. Denn je weniger Yen für einen US-Dollar bezahlt werden müssen, desto höher ist der Wert des Yens.
Nach dem Jahr 2000 zeichnete sich eine Entspannung ab. Der US-Dollar pendelte seit dem Jahr 2000 zwischen 100 und 135 Yen. Seit Ausbruch der Finanzkrise kennt der Markt jedoch keine Gnade mehr. In zwei Schritten wertete der US-Dollar wieder ab. Erst auf 90 Yen, dann auf nur noch 75. 75 Yen wurden heute Morgen erreicht und stellten ein neues Extrem seit Ende des 2. Weltkrieges dar. Noch nie war ein Yen so wertvoll.
Bei gleich bleibenden Verkaufspreisen sanken Exporterlöse um 44%
Für die Exportnation Japan stellt der hohe Wert des Yens ein Problem dar.
Ein Auto, das im Jahr 2002 für 20.000 US-Dollar in den USA verkauft wurde, brachte Toyota 2.700.000 Yen Umsatz. Heute Morgen brachte ein für 20.000 US-Dollar verkauftes Auto nur noch 1.500.000 Yen Umsatz. Ein Rückgang von 44% bei gleich bleibenden Verkaufspreisen.
Firmen wie Sony, Nintendo oder Toyota verzeichnen daher rein auf Wechselkursverlusten beruhende Umsatz- und Gewinnrückgänge.
Die Aufwertung scheint nicht zu stoppen zu sein
Um die Aufwertung zu stoppen, verkauft die japanische Zentralbank immer wieder Billionen von Yen. Das verschafft dem Yen jedoch nur für wenige Tage Luft. Stets wertet der Yen nur wenige Tage nach der Intervention wieder auf und erreicht sogar höhere Kurse als vor der Intervention. Das wird auch bei der jüngsten Intervention nicht anders sein.
Die Schweizer Nationalbank stand vor dem gleichen Problem wie die japanische Zentralbank. Auch die Schweizer verkauften immer wieder erfolglos Franken, um die Aufwertung zu stoppen. Um das Problem ein für alle Mal zu beseitigen, koppelten die Schweizer kürzlich den Franken an den Euro. Die Notenbank garantiert seitdem, dass der Euro stets mindestens 1,20 Franken kostet. Diese Garantie wurde bis heute gehalten.
Das gleiche könnten auch die Japaner versuchen. Prinzipiell ist es für Japan leicht, den Yen z.B. an den Dollar zu koppeln. Die Japaner müssen einfach nur so viele Yen verkaufen, bis der gewünschte Kurs erreicht ist. Anders machen es die Schweizer auch nicht. Problem dabei: der Yen ist auf dem Weltmarkt viel wichtiger als der Franken. Vermutlich müsste Japan Dollar in Billionenhöhe kaufen, um den Wunschkurs zu erreichen. Es ist vor allem ein politisches Problem, den Ankauf so großer Mengen Devisen zu rechtfertigen.