Bananenrepublik – Ein Wort geht um die Welt!
Markus Miller in Kapital & Steuern Global zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Juli 2008, 16:00 Uhr
Als "Bananenrepublik" werden Länder bezeichnet, in denen Korruption und Bestechlichkeit beziehungsweise eine allgemeine staatliche Willkür vorherrschen oder denen diese Eigenschaften zugeschrieben werden.
Wie entstand dieser Begriff?
Anfangs wurden einzig solche Länder so bezeichnet, die nur oder vorwiegend Bananen exportierten bzw. produzierten. Der Begriff geht dabei vor allem auf die mittelamerikanischen Staaten wie etwa Honduras, Nicaragua oder Panama zurück, deren Politik und Staatsgeschäfte über Jahrzehnte durch den Einfluss der großen Südfruchtexporteure United Fruit Company (Chiquita) und Standard Fruit Company (Dole) bestimmt wurde. Die wirtschaftliche Macht dieser US-amerikanischen Unternehmen war weitaus größer als die politische Macht der Regierungen oder gar der Bevölkerung dieser Länder. Ein früher US-amerikanischer PR-Berater, Edward L. Bernays, war dabei unter anderem zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der United Fruit Company.
Der Begriff Bananenrepublik geht vermutlich auf den US-amerikanischen Schriftsteller William Sydney Porter zurück, welcher in einer 1904 erschienenen Novelle erstmals dieses Wort verwandte im Zusammenhang mit Honduras.
Ein Wort geht um die Welt
Heute wird Bananenrepublik abwertend für Länder in der so genannten Dritten Welt verwendet, in denen durch erhebliche Einflussnahme von ausländischen Unternehmen Korruption, Verbrechen, mafiöse Tätigkeiten, Vetternwirtschaft, persönliche Bereicherung auf Staatskosten und zweifelhafte Wahlen gefördert wurden. 1984 wurde das Wort Bananenrepublik in Deutschland zum Wort des Jahres nominiert.
Generell wird heute der Begriff Bananenrepublik als unscharfer Kampfbegriff gegen Staaten in Stellung gebracht, deren politische Kultur mit Korruption und Willkür in Zusammenhang gebracht wird. Deshalb wird dieser Begriff abwertend auch in politischen Diskussionen und Polemiken über Industrieländer wie beispielsweise die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Österreich oder Italien verwendet, wenn man ähnliche Praktiken (die teilweise verdeckt oder beschönigt werden) unterstellt oder anprangert.
Was kann man gegen Korruption unternehmen?
Auf dem Weltwirtschaftsforum am 31.1.1999 in Davos (Schweiz), forderte der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, die Spitzenvertreter der weltweit führenden Wirtschaftsunternehmen auf, einen "Globalpakt" einzugehen, um die Grundsätze aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsstandards und Umweltschutz (2004 kam der Bereich Antikorruption dazu) als Minimalstandard in ihren Mitgliedsunternehmen zu verankern und auch weltweit voranzutreiben.
Die zehn Antikorruptionsprinzipien
Am 24. Juni 2004 wurde ein zehntes Prinzip, das Antikorruptionsprinzip, von Kofi Annan eingeführt. Die zehn Prinzipien, um deren Einhaltung der UN-Generalsekretär bat lauten:
Menschenrechte
1. Die Wirtschaft möge den Schutz der international verkündeten Menschenrechte unterstützen und achten und
2. möge sicherstellen, dass ihre eigene Gesellschaft sich nicht an Menschenrechtsverletzungen beteiligt.
Arbeitsstandards
3. Die Wirtschaft möge die Vereinigungsfreiheit und die wirksame Anerkennung des Rechts auf Tarifverhandlungen wahren sowie
4. für die Beseitigung aller Formen der Zwangs- und Pflichtarbeit,
5. die tatsächliche Abschaffung der Kinderarbeit und
6. die Beseitigung von Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf eintreten.
Umweltschutz
7. Die Wirtschaft möge umsichtig mit ökologischen Herausforderungen umgehen,
8. Initiativen zur Förderung eines verantwortlichen Umgangs mit der Umwelt durchführen und
9. sich für die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien einsetzen.
Antikorruption
10. Die Wirtschaft möge gegen alle Formen der Korruption vorgehen, einschließlich Erpressung und Bestechung.
Ihr
Markus Miller
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