Baltic Dry Index

Was taugt der BDI?
Von Henrik Voigt | 30. Januar 2012 | Artikelbewertungen
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gestern hatten wir uns den Baltic Dry Index angeschaut und festgestellt, dass dieser Frühindikator für die Weltwirtschaft seit einigen Wochen einen freien Fall aufs Parkett legt. Nein, das will so gar nicht zur allgemeinen Jubelstimmung an den Börsen passen. Vielleicht taugt der Indikator nichts?


 

Nun sicher, es gibt noch andere Einflussfaktoren auf die Frachtraten als nur den Welthandel selbst. Als gravierender Faktor wird ein Überangebot an Frachtschiffen diskutiert, was die Preise unter Druck setzt. Vor der Finanzkrise 2008 gab es einen Mangel an Frachtschiffen. Damals wurden deshalb viele Schiffe in Auftrag gegeben, was seine Zeit dauert bis zur Auslieferung. Jetzt, ein paar Jahre später, sind die in besseren Zeiten in Auftrag gegebenen Schiffe fertig. Aber inzwischen gibt es zu viele davon. Wir haben also eine Art „Schweinezyklus" in diesem Bereich, ein Überangebot, das auf die Preise für Frachten drückt. Und nur deshalb fällt der Baltic Dry?

 

So einfach ist es nun auch wieder nicht. Der Einbruch des BDI - immerhin eine Drittelung seit dem Zwischenhoch Mitte Oktober -  kann in dieser Schärfe nicht nur einem Überangebot angelastet werden. Ein boomender Welthandel würde dieses Überangebot zumindest teilweise aufsaugen und nicht zu solch gravierenden Preisverfällen in so kurzer Zeit führen. Schaut man alternativ auf die Tonnagepreise der größeren Reedereien, so zeigt sich, dass die Gebühren für die Verschiffungstonnagen pro Tag derzeit unterhalb den Betriebskosten liegen. Die Reeder fahren also mit Verlust. Und das ist ein weiteres Indiz für eine Abkühlung der Weltwirtschaft.

 

Der große Vorteil des Baltic Dry Index ist der, dass der Index selbst nicht an der Baltic Exchange gehandelt wird. Anders als die Aktienbörsen oder Rohstoffpreise ist der BDI damit frei von Spekulation. Die Frachtraten werden ausschließlich aus den Angaben von Schiffsmaklern, Reedern und Charterern ermittelt. In den Preis fließen nur reale Nachfrage und reales Angebot für den Transport von Rohstoffen auf Standardrouten ein. Im Gegensatz zu den von diversen Instituten ermittelten Wirtschaftsdaten unterliegen die Daten des BDI keinen nachträglichen Änderungen. Mit der Methode, wie der Baltic Dry Index ermittelt wird, sind Manipulationen nicht möglich. Der Indikator ist also - abgesehen von möglichen „Hintergrundvariablen" (wie das angesprochene Überangebot) - sehr unbestechlich und frei von kurzfristigen Stimmungen.

 

Charttechnisch lässt er sich aber genauso gut analysieren wie jeder andere Index.

 Baltic Dry Index im Wochenchart

 

Und da sehen wir einen intakten langfristigen Abwärtstrend seit dem Doppelhoch im Jahr 2007/2008. Daran änderte auch die größere Zwischenerholung in den Jahren 2009/2010 nichts (bezeichnenderweise in Form eines bärischen Keils). Schwache Unterstützung bietet nun bald das Tief aus dem Jahr 2008 - dem Höhepunkt der Finanzkrise. Darunter wäre dann „Polen offen". Die Aussichten für die Frachtraten sind also sehr bedrückend. Auf den Welthandel lässt sich diese Aussage wegen der Überkapazitäten im Frachtbereich nur eingeschränkt übertragen. Aber gilt das auch für die Aktienbörsen, die ja eigentlich auch konjunkturelle Entwicklungen vorwegnehmen (müssten)? Das analysiere ich morgen für Sie.

 


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