Baltic Dry Index

Baltic Dry Index: Zweite Stufe der Erholung läuft

Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Baltic Dry Index
vom


Liebe DaxDaily Leser,

als zu Beginn des Jahres nach ersten Hoffnungszeichen für ein Ende der Abwärtsbewegung der Weltwirtschaft gesucht wurde, gehörte der Baltic Dry Index zu den ersten Barometern, die eine Entspannung versprachen. Das weltweite Maß für Frachtraten von Massengutfrachtern fiel von seinem Rekordstand im Juli 2008 bei 11.793 Punkten auf knapp 600 Punkte im Oktober zurück. Bis Anfang Februar stieg der Index dann bis auf 2.200 Punkte.  Ursache für den Erholungsimpuls war vor allem das chinesische Konjunkturpaket in Höhe von 780 Milliarden US-Dollar. Viele Reeder hofften auf eine schnelle Wirkung der Hilfsmaßnahmen, mussten aber erkennen, dass die Überkapazitäten auf dem Containermarkt durch den Boom beim Frachtschiffbau in den vergangenen fünf Jahren wesentlich höher sind als bisher angenommen. Nicht nur die transatlantischen und asiatischen Verbindungen sind betroffen, auch ein Blick auf Rhein, Main und Donau verrät, welch einen Absturz die Transportbranche gerade durchmacht.  Der Anstieg des Baltic Dry Index verzeichnete aus diesem Grunde eine Atempause, Gewinnmitnahmen bis 1.400 Punkte sorgten bei den Marktteilnehmern für Ernüchterung. Vor allem die düsteren Szenarien in der US-Automobilindustrie und die damit wenig erbauenden Perspektiven für den Ölpreis trübten die Stimmung. Viele Unternehmer hatten aus der Not eine Tugend gemacht und einige ihrer schwimmenden Transporter als Rohstofflager genutzt. Doch die ersten Lebenszeichen von der US-Konjunktur versprechen die Beseitigung der größten Not, denn neben den Aktienmärkten profitierte davon auch der Ölpreis. Vor einer Bereinigung des Marktes schützt das die Transporteure dennoch nicht.  



Notverkäufe sollen verhindert werden

Viele schwimmende Investments sind derzeit reine Verlustgeschäfte. Nachdem die Charterrate für ein Schiff mit 1.000 Containereinheiten um mehr als die Hälfte eingebrochen ist, decken die Einnahmen kaum die Kosten. Rund 430 Schiffe liegen weltweit ohne Aufträge beschäftigungslos in den Häfen. Für die Geldgeber könnte es daher knapp werden, denn viele Neubauten sind kreditfinanziert. Zwischen 60 und 80 Prozent der Produktionskosten sind geliehen, während der tatsächliche Marktpreis der neuen Schiffe schon längst stark gesunken ist. Institutionelle Investoren wie Fonds könnten sich deshalb gezwungen sehen, die Schiffe zu deutlich niedrigeren Preis  los zu werden. Allerdings funktioniert der Schiffsmarkt nicht wie ein Gebrauchtwagenhandel. Angesichts der hohen Summen, um die es beim Verkauf geht, versuchen die Banken die Schaffung eines weiteren Krisenherdes in ihrem Portfolio zu vermeiden. Zwar werden den Schuldnern alle möglichen Opfer von der Sicherungsabtretung über Kostensenkungsmaßnahmen bis hin zu Nachschusspflichten der Gesellschafter abverlangt.  Den Kollaps des Marktes durch einen sprunghaften Anstieg der Notverkäufe wie im Immobilienmarkt versuchen die Verantwortlichen aber zu verhindern.  

Verschiebung von Neubauten baut Druck ab

Ähnlich wie bei den Luftfahrtgesellschaften versuchen die Auftraggeber der Reedereien durch eine Verschiebung von Aufträgen und die Verzögerung von Auslieferungen den Druck aus dem Markt zu nehmen. Das scheint in Grenzen zu gelingen. Dort wo allerdings Notverkäufe doch durchgeführt werden müssen, kann der neue Investor mit Preisnachlässen von rund 50 Prozent rechnen. Allerdings muss er die fehlenden Frachtraten sowie die Liegekosten für die kommenden Monate gleich mit einrechnen. Angesichts der sich abzeichnenden Erholung der Weltwirtschaft liegt das Risiko für ein Investment  einer Fondsgesellschaft heute aber wesentlich niedriger als noch vor drei Monaten. Investoren, die über eine ausreichende Kapitalbasis verfügen, dürften deshalb bei einem entsprechend langen Atem von zwei bis drei Jahren durchaus auskömmliche Renditen beim Handel mit ungenutzten Schiffen erzielen.  Vor allem der asiatische Markt könnte recht kurzfristig wieder einen höheren Bedarf anmelden. Immerhin sind die Chinesen dabei, weltweit ihre Beteiligungen am Rohstoffmarkt deutlich zu erhöhen. Um für den nächsten Aufschwung gerüstet zu sein, füllen sie deshalb ihre Läger weiter auf.  Das garantiert zwar keine schnelle Rückkehr zu den Boom-Zeiten der vergangenen zwei Jahre,  dürfte aber die Leerstandsrate  von 12 Prozent der Weltflotte aber auch nicht mehr wesentlich weiter ansteigen lassen.  

 

Weitere Verdoppelung ist möglich

Die vorübergehende Konsolidierung des Baltic Dry Index scheint beendet zu sein. Das Marktbarometer kratzt bereits wieder an seinen Hochpunkten dieses Jahres von Mitte März. Der Anstieg der Aktienmärkte und die deutliche Erholung zahlreicher Rohstoffpreise dürften Vorboten einer zweiten Stufe der Erholung bei den Frachtraten sein. In deren Verlauf wäre eine weitere Verdoppelung des Preisniveaus bis in den Bereich um 4.000 US-Dollar in den kommenden drei Monaten denkbar. Die heftigen Sprünge im Preisgefüge lassen sich mit der ausgeprägten Zyklik des Geschäftes erklären. Eine schrittweise Steigerung der Nachfrage innerhalb des Marktes ist selten, da viele Exporteure die parallele Ausrichtung der Kunden durchschlagend zu spüren bekommen. Der plötzliche starke Einbruch in der Automobilindustrie seit Herbst vergangenen Jahres dürfte hierzu als Beispiel dienen. Die Ausbreitung der Abwrackprämie als populäre Konjunkturhilfe bringt das Geschäft nun wieder etwas ins Rollen. Eine nachhaltigere Erholung ist damit aber noch nicht garantiert. Ab Sommer wird es in der Containerschifffahrt wieder ruhiger zu gehen.

 




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