Baltic Dry Index

Baltic Dry Index: Ein Hoffnungsschimmer

Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Baltic Dry Index
vom


Liebe DaxDaily Leser,

die Performance vieler Aktienindizes über den Zeitraum der vergangenen zwölf Monate war alles andere als angenehm. Noch stärkere Nerven mussten aber seit Juli letzten Jahres die Vermarkter von Containerraten haben. Der Baltic Dry Index, das weltweite Maß für Frachtraten von Massengutfrachtern, fiel von seinem Rekordstand im Juli 2008 auf knapp 600 Punkte im Oktober zurück. Ursache für diese Bewegung war und ist tiefe Rezession in den USA sowie der Dominoeffekt der Weltwirtschaft, der dafür sorgte, dass eine nachhaltigere Erholung erst gar keinen Ansatz fand. Es schloss sich bis vor wenigen Tagen eine Seitwärtsbewegung auf sehr niedrigem Niveau an, die vor allem in neuen Hiobsbotschaften aus der Automobil-und der Stahlindustrie begründet lag.  Doch nicht nur die USA stehen vor dem Abschluss eines 780 Milliarden-US-Dollar schweren Konjunkturpakets, auch China hat mit einer 460 Milliarden-US-Dollar Konjunkturspritze der heimischen Wirtschaft massiv unter die Arme gegriffen. Anders als in den bewährten, demokratischen Abstimmungsprozessen setzen die Chinesen durch ihren stringenten, kommunistischen  Parteiapparat die beschlossenen Maßnahmen schon um. Was sich in einer freiheitlichen, funktionierenden Weltwirtschaft häufig als Nachteil herausstellt, erweist sich für den Moment als kleiner Vorteil.

 

Rohstoffnachfrage in China steigt leicht


Infolge der konjunkturellen Fördermaßnahmen benötigt China wieder mehr Erz zur Stahlproduktion. Hauptimportländer sind Brasilien und Australien, die nun wieder von mehr Reedereien angesteuert werden. Im Zuge der steilen Abwärtsbewegung in der Weltwirtschaft im vergangenen Herbst lagen rund ein Drittel der Frachter-Flotten ungenutzt in den Heimathäfen. Die langsame Wiederbelebung der Transportnachfrage hat in den Baltic Dry Index in der vergangenen Woche um knapp 30 Prozent ansteigen lassen. Schon allein aus rein technischer Sicht könnte das Marktbarometer für Frachtraten in den nächsten Wochen noch weiter bis rund 3.000 Punkte zulegen. Fraglich ist allerdings, ob der Anschub durch die Chinesen alleine ausreichen wird. Während der europäische Verband der Stahlproduzenten von einem Rückgang der Stahlnachfrage in Europa von 10 Prozent  in diesem Jahr ausgeht, hoffen die Amerikaner, die Produktion wegen ihrer  geplanten Infrastrukturprogramme stabil halten zu können. Der Neubau von Brücken und Schulen könnte nach Verabschiedung des geplanten zweiten Konjunkturprogramms sehr zeitnah beginnen. Möglicherweise wird auch der tatsächliche Rückgang der Nachfrage in Europa dank der zahlreichen Konjunkturprogramme nicht so stark ausfallen wie erwartet.

Boom im Frachtgeschäft kehrt nicht rasch zurück

Eine Rückkehr zum alten Allzeithoch bei 11.793 Punkten wird dem Baltic Dry Index aber noch eine Weile verwehrt bleiben. Auch wenn die ersten protektionistischen Versuche in den USA zunächst einmal abgewehrt wurden, konzentrieren sich viele Staaten in der nächsten Zeit auf die Förderung der heimischen Wirtschaft. Der Rohstoffbedarf wird zwar deshalb in den nächsten Monaten eine weitere Erholung durchlaufen, das Fehlen der starken Nachfrage nach Konsum- und größeren Industriegütern mangels funktionierender Kreditwirtschaft begrenzt aber das mögliche Aufwärtspotential der Frachtraten.   Die Anbieter werden sich angesichts der vorhandenen Überkapazitäten im Frachter-Geschäft tendenziell einen Preiskampf liefern, um an die nötigen Aufträge zu kommen. Die nun eingeleitete Erholungsphase dürfte deshalb schon in absehbarerer Zeit von neuem Preisdruck abgelöst werden. Die Konsolidierung der Exzesse der Jahre 2007/2008 wird wohl einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Von mindestens zwölf weiteren schwierigen Monaten muss die Branche in jedem Fall ausgehen.




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