Baltic Dry Index

BALTIC DRY INDEX auf Mehrjahrestief!

in Traders Daily zum Thema Baltic Dry Index
vom


An diejenigen, welche im "Bullen-Modus" sind, was die weltweiten Aktienmärkte betrifft...

Schauen Sie mal nicht auf die "weichen Indikatoren",...das "Sentiment" = Stimmung, Konsumentenstimmung, auch Aktienkurs-Entwicklung, psychologisch begründet...

...sondern auf einen sehr realen Indikator: Den Index der Frachtpreise (Schiffe).


Da gibt der BALTIC DRY INDEX einen schönen Überblick.

Ende Oktober 2010 stand der bei gut 2.100 Punkten. Und aktuell? Bei 648!

Das ist ja wohl aussagekräftig! Und bestätigt den "Bullen-Modus" ganz bestimmt nicht.

Noch ein paar Takte zu diesem BALTIC DRY INDEX, auf welchen ich hier im Trader´s Daily bereits einige Male verwiesen habe.

Es handelt sich dabei um einen für den Zustand der Weltwirtschaft sehr wichtigen Indikator. Dieser Index fasst nämlich die Frachtpreise für diverse Frachtgüter zusammen.

Und zwar geht es da um die großen Welthandelsrouten und um die Standard-Rohstoffe, die so verschifft werden, wie z.B. Eisenerz und Kohle.

Nun ist es so: Wenn die Weltwirtschaft brummt, dann werden auch viele Rohstoffe verschifft. Der chinesische Hunger nach Eisenerz und Kohle ist dann gewaltig, und aus Südamerika und Australien machen sich zahlreiche Massengutfrachter auf den Weg.

Übrigens: Wenn Sie denken, dass Containerschiffe die Mehrzahl aller Schiffe ausmachen (weil Sie z.B. wie ich sich gerne mal den Hamburger Hafen anschauen), dann ist dies nicht korrekt. Die Containerschiffe machen nur rund ein Achtel der Frachtschiffe aus. Mehr als die Hälfte entfällt auf besagte Massengutfrachter.

Also: Wenn die Weltwirtschaft brummt, dann ist der Bedarf an Massengutfrachtern hoch. Die entsprechenden Gesellschaften können für angenommene Frachtaufträge höhere Beträge kassieren. Ist klar: Angebot und Nachfrage.

Umgekehrt ist in einer weltwirtschaftlichen Krise die Nachfrage eher gering. In den Werkstätten der Welt (China, Vietnam, Korea, auch Deutschland mit seinem Maschinenbau) sind die Kapazitäten nicht ausgelastet. Es sind weniger Rohstoffe notwendig.

Die vorhandenen Flotten können also nicht ausgelastet werden. In den Häfen liegen ungenutzte Massengutfrachter. (Im Fachjargon übrigens „Bulkcarrier" genannt. Können Sie vielleicht bei einem Partygespräch mal gewinnbringend anwenden.)

Bevor diese Massengutfrachter/Bulkcarrier gar keine Einnahmen generieren und nur Kosten verursachen, gehen die Eigentümer mit den Frachtraten runter. Es kommt zu einem Konkurrenzkampf um die Aufträge, die Preise für die Frachtraten sinken.

Deshalb meine Einschätzung: Der BALTIC DRY INDEX ist ein für den Zustand der Weltwirtschaft sehr wichtiger Indikator.

Er basiert ja auf realwirtschaftlichen Entwicklungen, nicht irgendwelchen Derivaten oder CDS-Spekulationen. Nun, und dieser BALTIC DRY INDEX steht nun so niedrig wie seit Jahren nicht mehr.

Meiner Ansicht nach ist die Weltwirtschaft offensichtlich also keineswegs in einem so guten Zustand, wie uns das einige weismachen wollen!

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.


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Kommentar von Bernd Fischer

hallo, herr vaupel, o.k., die schlußfolgeringen sind nicht von der hand zu weisen.allerdings ist die aussagekraft des BDI seit der hemmungslosen überbauung bei container - u. trockenfrachter nicht mehr so treffend. bei den vielen negativmeldungen verpassen die anleger sonst die rally. gruss:b.fischer

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Kommentar von von Koschitzky

Hallo Herr Vaupel, der BDY scheint anscheinend seinen Tiefpunkt hinter sich gelassen zu haben. Inzwischen steht er 5% höher. Herzliche Grüße Roland von Koschitzky

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Kommentar von Fred Grünewald

Hallo Herr Vaupel, Ich denke auch, Ihr letzter fettgedruckter Satz trifft den Nagel auf den Kopf. ABER, das interessiert momentan wohl offensichtlich nicht, denn an den Börsen geht es vielleicht schon um etwas ganz anderes, als den Zustand der Wirtschaft. Ich habe gestern Abend einen Fernsehbericht über einen mittelständischen Betrieb aus Deutschland (teilw.) gesehen. Dem Unternehmen ging es richtig gut. Volle Auftragsbücher, Überstunden, usw. Dann fiel im Nebensatz folgende Bemerkung, Zitat:" auf unseren Maschinen werden auch Geldscheine gedruckt...". Das ließ mich aufhorchen! Alles klar? Liebe Grüße Ihr Fred Grünewald

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Kommentar von Günther Meister

Grundsätzlich ist der BDI ein guter Indikator. Ist es aber momentan nicht so, daß der Rückgang auch dadurch ausgelöst wurde, daß die Neubestellungen von Bulkern erheblich über dem Nachfragezuwachs liegen und hierdurch Preisdruck ausgelöst wird? Mit diesem Hintergrund hat er m. E. nur noch eingeschränkte Aussagekraft.

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Kommentar von Peter Fischer

sagt der der Indexstand wirklich etwas ueber die Lage der Weltwirtschaft aus? Muesste man da nicht eher die tatsaechlich bewegten Guetermengen heranziehen? Schliesslich koennen die Frachtraten auch sinken, weil in der zurueckliegenden Boomphase zu viele Schiffe geordert wurden, die jetzt auf den Markt kommen und dadurch das Angebot an Frachtraum aufblaehen.

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Kommentar von Detlef Dirksen

Hallo, entgegen dem hier bevorzugten Baltic dry Index steht die folgende Aussage von dem Kollegen Marcus Neugebauer:":ich muss immer schmunzeln, wenn ich derzeit kritische Marktkommentare wie "die Rally der Doofen" oder "die Bärenmarktrally ist schon bald zu Ende" lese. Denn diese Berichterstatter haben die handfesten Gründe für die Anfang des Jahres gestartete Hausse nicht erkannt und halten ungeachtet veränderter Tatsachen an ihren Untergangsszenarien fest - vermutlich vor allem deshalb, weil sie einfach den Börsenzug verpasst haben." Anhand der Börsenkurse hat Herr Neugebauer starke Argumente.Wie kann man diese unterschiedlichen Aussagen unter einen Hut bringen? Viele Grüße Detlef Dirksen

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Kommentar von Wolfgang Dauben

Mir ist bekannt,dass nach den schwindel erregenden Preisen der Frachtraten in 2006 -2007 empfindliche zusätzliche Kapazitäten geschaffen wurden,die jetzt auf die Marktpreise drücken.

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