Bärenmarktrallye oder mehr?
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Börse
vom 24. Januar 2012, 17:00 Uhr
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weiterhin stehen die Märkte zum einen im Banne der Quartalszahlen, vor allem in den USA laufen die Veröffentlichungen aktuell auf Hochtouren. Während in den vergangenen Jahren diese Phase oft eher für Unsicherheit sorgte und öfters fallende Kurse mit sich brachte, wenn hohe Erwartungen nicht auch noch übertroffen werden konnten, ist derzeit das Glas eher halb voll als halb leer. Die Erwartungen waren in einigen Bereichen, vor allem bei den Finanzaktien, so schlecht, dass nun jede positive Nachricht mit Kurssprüngen gefeiert wird. So nimmt es auch nicht wunder, dass die großen Gewinner der jüngsten Rallye gerade die vorher so tief gestürzten Banken sind. Erste vorsichtige Käufer treffen auf einen ausgetrockneten Markt, die Eindeckungen hoher Shortpositionen treiben die Kurse weiter nach oben.
Wieso steigen die Märkte?
Andere Themen, durch welche die Märkte beeinflusst werden, liegen natürlich weiterhin im Bereich der makroökonomischen Unsicherheit. Immer wieder erreichen mich in jüngster Zeit Anfragen, wie es denn möglich sei, dass die Aktienindizes solch eine Rallye hinlegen, wo doch die Nachrichten so grottenschlecht seien. Ratingherabstufungen europäischer Kernstaaten, riesige Rettungsaktionen, Rezessionssignale, Unsicherheit über den Ausgang des Griechenlanddebakels, das durchaus noch das Potential größerer Erschütterungen besitzt - alle diese Sorgen lasten auf den Gemütern - doch plötzlich nicht mehr auf den Kursen?
Bärenmarktrallye ...
Einerseits ist dieses Phänomen nicht untypisch für eine Bärenmarktrallye, in der wir uns in vielen Indizes immer noch befinden, solange gewichtige Widerstände bzw. gleitende Durchschnitte nicht überwunden werden können. Seit Monaten gewöhnen wir uns nach und nach an alle diese Hiobsbotschaften, die zudem teilweise auch noch mit Vorankündigung kamen, so wie die Ratingabstufungen. Das führt häufig zu einem "buy the (bad) news", wenn diese Sorgen dann mit der Veröffentlichung zur Gewissheit werden. Doch zu diesem Zeitpunkt haben viele Marktteilnehmer eben auch schon längst darauf reagiert und ihre Portfolios entsprechend ausgerichtet. Die Veröffentlichung der Nachricht führt dann oft zu der Hoffnung, dass es nun ja besser werden könne.
... oder mehr?
So ist es an der Börse ganz typisch, dass zum besten Kaufzeitpunkt oft von mehreren Jahren, am Tief einer Baisse, die Stimmung ebenfalls am Tiefpunkt ankommt. Erste Anstiege vollziehen sich dann oft eher zögerlich an der berühmten "Mauer der Angst" entlang nach oben. Das ist es allerdings nicht wirklich, was wir aktuell erleben. Zögerlich steigende Kurse mit viel Angst konnten wir eher im Herbst beobachten. Derzeit wird das Sentiment relativ schnell optimistisch, was mich nun schon wieder etwas vorsichtiger werden lässt. Zwar stimmt die Marktbreite noch, was Ihnen Klaus Buhl immer wieder mit den Bullish Percent Indizes zeigt. Ein ähnliches Bild liefern ebenfalls die Verhältnisse steigender zu fallender Aktien, die jüngst ein neues Mehrjahreshoch erzielen konnten. Die Umsätze sind zwar derzeit relativ niedrig, aber zumindest die Marktbreite stimmt noch und zeigt bisher kein Ende der Rallye an.
Liquidität stützt
Wenn wir etwas weiter hinter die Kulissen sehen, sind es aber nicht nur die Quartalszahlen oder Besonderheiten des Sentiments, die Auftrieb verschaffen. Es sieht auch so aus, als ob der riesige Geldbetrag, den die EZB Ende vergangenen Jahres per Tender in die Märkte geschleust hat, Früchte trägt. Er hat die Liquidität zumindest vorerst so weit erhöht, dass sich für die Banken ein relativ risikoarmes Arbitragegeschäft mit den europäischen Staatsanleihen lohnt. So flutschten die jüngsten Auktionen bei gemäßigten Zinssätzen, während die Banken für das Geld bei der EZB nur einen geringeren Zinssatz zahlen. Und sollte all diese Liquidität nicht ausreichen, um den klammen Staaten vorerst Aufschub zu verschaffen, wird bereits im Februar ein neuer Tender aufgelegt werden, bei dem die Summe noch einmal verdoppelt werden könnte. Obwohl noch der größte Teil der Gelder geparkt sein soll, erhöhte diese Maßnahme natürlich auch die Liquidität anderer Anlagen etwa im Aktienmarkt. Und es verschafft den Banken risikoarme Gewinne, die deren Bilanzen wieder etwas mehr Boden unter den Füssen verschaffen, sodass zumindest die Pleitesorgen erst einmal verschoben werden können - kein Wunder, dass gerade die am stärksten gefährdeten Institute zuletzt die größten Gewinne verbuchen konnten.
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