Bärenmarktrally ist drin
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 11. März 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Trotz der diversen Alarmmeldungen von Bill Bonner ("malvenfarbiger Alarm") glaube ich, dass der Dow Jones eine kleine Rally bis auf 8.100 Punkte einlegen wird, bevor er seinen Abwärtstrend fortsetzen wird. (Auch wenn es diese Rally nicht geben wird, bin ich mir ziemlich sicher, dass die Kurse fallen werden).
Es gibt natürlich absolut keinen Grund, warum die Aktien jetzt eine solche Rally hinlegen sollten – außer dem Grund, dass jeder mit einem weiteren Kursverfall rechnet. Das ist der Standpunkt eines antizyklischen Investors.
Dafür, dass es nach einer solchen Rally weiter abwärts geht, spricht viel. Alan Abelson schrieb im gestrigen Barron's Magazin: "Die letzte Woche brachte frische Beweise dafür, dass die Wirtschaftslage im Keller ist ... Die Arbeitslosenzahlen waren – mild ausgedrückt – ein Desaster: Im Februar gingen 308.000 Arbeitsplätze verloren."
Der Markt ist schon oft in harten Zeiten gefallen, keine Frage. In den späten 1990er erreichte der Aktienmarkt den Status eines Rockstars. Er besaß ein gut aussehendes Profil, und er warf mit Geld wie mit Konfetti um sich. Wer würde einen solchen Kerl nicht mögen? Aber dann fiel sein Stern. Nur drei Jahre, nachdem er DAS Gesprächsthema gewesen war, war er total am Boden. Seine früheren Fans und Groupies verleugneten ihn, hatten ihn angeblich niemals gekannt. Und auch die Analysten, die ihn früher so sehr gemocht hatten, sagen jetzt, dass sie ihn nie wirklich gemocht haben.
Wir sind alle traurig, dass der Aktienmarkt so tief gefallen ist. Leider ist Einsicht der erste Weg zur Besserung. Und es gibt wenig Anzeichen dafür, dass sich die Investoren von ihren früheren Sünden abgewendet haben.
Die meisten Investoren hören nicht damit auf, immer noch die Bewertungen eines Bullenmarktes für Aktien zu bezahlen – in einem Bärenmarkt. Sie betrachten ein KGV von 30 immer noch als "vernünftig", anstatt es als überteuert zu bezeichnen.
Mit anderen Worten: Die Investoren müssen ihre früheren Fehler erkennen, um den Weg für einen neuen Bullenmarkt freizumachen. Noch mehr Weinen und zusammengebissene Zähne – Sack und Asche erwähne ich gar nicht erst – könnten notwendig sein, bevor die Besserung an der Wall Street eintreten wird.