Bärenmarkt- warum er nicht lange bleiben wird
Dr. Markus Schoor in Investoren Wissen
vom 29. Juli 2008, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
Ein Bärenmarkt an den Börsen kann dauern. Dieser Bärenmarkt wird es nicht.
In dem tollen Artikel (siehe unten) erwähnt Alexander Green, der Chef der Investment-Universität in Amerika, einen Bärenmarkt der von 1969 bis 1982 angedauert hat. Es gibt sogar ein paar wenige Ähnlichkeiten: Auch damals gab es eine Ölkrise, haussierte phasenweise das Gold, aber......
Wenn wir an diese Phase zurückdenken, denke ich an Ravioli, Blaubeerpfannekuchen und Sahnesaucen... ich war einfach noch zu jung. Immerhin zogen wir 1971 um ins Rhein-Main-Gebiet und meine Eltern kauften ein Haus, das sie in den kommenden 23 Jahren heftig abstotterten. Besonders Ende der 70er Jahre war es knapp mit den Bankraten, denn die Zinsen waren hoch, und so blieb vom Gehalt weniger, als man sich gewünscht hatte. Meine Eltern empfanden es jedoch nicht so schlimm, denn sie hatten in der Nachkriegszeit noch mit einem Wochenlohn von 1,70 DM angefangen und wußten genau, wie man improvisiert.
Was ich mich heute noch frage: Warum sind eigentlich damals nicht massenweise Solarfirmen, alternative Energietechniken, Wärmetauscher auf den Markt gekommen und warum haben sie sich nicht durchgesetzt. Nach 13 Jahren Ölkrise sollte man doch meinen, dass die Welt etwas dazu lernt?
Nun, wir vergessen so schnell. Tatsächlich hat in den 70er und 80er Jahren der Ost-West-Konflikt das Feld weitestgehend beherrscht. Den Weltmarkt gab es, aber er bestand aus einem sehr kleinen Teil der Welt. Der größte Teil der Menschheit und ein großer Teil der Staaten waren von einem freien Markt ausgeschlossen: die einen waren zu arm, die anderen sozialistisch oder kommunistisch regiert.
Es war die Zeit der großen Ostverträge von Willy Brand, der Nato-Nachrüstung von Helmut Schmidt. Dazwischen Säbelrasseln und Grenzen, Mauerschüsse und Zonengrenzen.... bei all dem verfolgten die westlichen Notenbanken eine restriktive Geldpolitik und sprachen viel vom Goldstandard - erst in den 80er und 90er Jahren wurde dann erforscht, wie schädlich dieser die Wirtschaft beeinflusst hatte und seine Teilverantwortung für die schwere Rezession der 30er Jahre in Amerika wurde nachgewiesen...
Dazu Links auf alte Artikel von mir: Kostolany zum Goldstandard
Und ebenfalls wichtig: Paul Krugmann zur großen Rezession
Während also die Notenbanken auf Gold saßen und das Geld knapp hielten, (es gab 10% Zinsen Anfang der 80er Jahre), waren die Märkte "gefesselt" vom Ost-West Konflikt. Die Guillaume-Affäre zum Beispiel.
Wen wundert es dann, dass der gewürgte und eingeengte Markt "versagte"? Wer hätte ein Solarunternehmen auf einem Kreditzins von 12% finanzieren und zum Erfolg führen können? ..zumal er in einem solchermaßen eingeengten "kleinen" Weltmarkt nicht ausweichen konnte, um den Monopolenergieverteilern, die zumeist staatlich organisiert waren, zu entgehen und diese von außen auszuhebeln?
Der Weltmarkt heute dagegen ist groß und expansiv: hunderte von Staaten in der ganzen Welt warten nur auf den Erfinder und Unternehmer, der in 5 oder 10 Jahren die französische EDF aus ihrer Monopolstellung zwingt, der europäische Banken nach Fehlern aufkauft, der die Technik liefert, die das Tanken unserer Autos obsolet macht... usw. Innovation lässt sich nicht mehr unterdrücken und weil das so ist, haben Erfinder heute problemlos Zugang zu billigem Geld und zahlen bestimmt keine 12% mehr, sonderen eher 2-5%.
13 Jahre Bärenmarkt waren möglich. Sie sind es nicht mehr:
Der Weltmarkt heute ist effektiv, unausweichlich: das Geld ist billig, die Grenzen kaum noch vorhanden und er wächst stündlich: mehr Menschen, mehr Ideen, mehr Transport.....
Ist er moralisch?
Ist er gerecht?
Die Geschwindigkeit, mit der der Wind der Veränderung weht, kann einen wahrlich außer Atem bringen. Viele Entwicklungen und auch viele Fehlentwicklungen prägen das Bild. Ich habe aber noch kein anderes System gefunden, bei dem es den Menschen besser ging, jedenfalls wenn es von der Theorie zur Praxis kam.
Unmoralisch leben wir jeden Tag. Straßen führen zu überfahrenen Tieren, eine Fliegenklatsche setzen wir ohne Nervenflattern zum Töten ein....
Jesus würde sagen: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.
Das bedeutet nicht, dass es egal ist, was wir aus unserer Welt machen und wie wir uns in ihr verhalten.
Ganz im Gegenteil: Nur in einem System mit einem offenen Markt können wir unsere Werte einbringen und verbreiten. Wenn Leute Abfalltabak, der ihnen lästig war, zu einer Tabakindustrie ausbauen konnten, die Millionen Menschen süchtig macht, sollten man nicht moralisieren, sondern sich überlegen, wie man Millarden Menschen von einer Massentierhaltung wegbringt und dabei von Vegi-burgern abhängig macht. Das müsste doch leicht sein, schließlich schmecken die Dinger sogar besser als Fleisch, jedenfalls wenn meine Lebensfreude (die beste Lächelfrau von allen) sie macht.
Stecken wir nicht den Kopf in den Sand..... und kehren zum Investieren zurück:
Kein Krieg, kein Obama, keine Bankenkrise (selbst wenn das das Währungssystem für einige Wochen lahmlegt) kann den Weltmarkt auf Dauer stoppen. Probleme sind für Märkte nichts als Herausforderungen, wenn genügend bezahlbares Geld und keine Grenzen dazwischen liegen. Das genau ist es, was ich am Marktsystem liebe, und was kein alternatives "gerechtes System" (gemeint ist: dass es da eine Gruppe von Leuten gibt, die zum Beispiel Schmidt, Lafontaine und Ichauchmal heissen, die wissen, was für uns alle richtig ist - na Danke!) jemals bieten wird.
Zur Zeit arbeite ich daran, wie ich Sie von meinen Urlaubsfotos abhängig mache. Das Suchtelement habe ich ja bereits frühzeitig eingeführt....
Bestes Schmunzeln, Doc
P.S. Serie zum Auffinden der Gewinner wird am Donnerstag fortgesetzt.....
