Bärenmarkt-Rally von 40 % voraus?
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 05. Februar 2003 18:00 Uhr
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Die Aktienmarkt-Investoren werden ein bisschen ruhelos und nervös. Stephen Roach von Morgan Stanley meint, dass "Bärenmärkte dazu tendieren – besonders dieser. Die Hoffnung ist, dass das Schlimmste überstanden ist. Aber wenige wollen ihre Hand dafür ins Feuer legen, dass eine signifikante Erholung der Weltwirtschaft bevorsteht." Roach sagt, dass die Investoren keine große Angst wegen weiteren drastischen Kurseinbrüchen haben, aber auch keine Hoffnung auf große Kursgewinne haben. Im Durchschnitt sind die Investoren perfekt ambivalent, wie auch die jüngsten Zahlen zu den Aktienfonds zeigen:
"Die Investoren zogen letzten Monat netto 50 Millionen Dollar aus den Aktienfonds ab", berichtet USA Today. "Der Exodus war damit relativ klein, aber alleine die Tatsache, dass er stattfand, macht Sorge – weil die Investoren normalerweise gerade im Januar ihre Bonuszahlungen und restliches Weihnachtsgeld in Aktienfonds zur Altersvorsorge einzahlen." Während der Jahre der Spekulationsblase investierten die Kleinanleger jeden Monat ungefähr 20 Milliarden Dollar in Aktienfonds. Aber nach 3 Verlustjahren für den Aktienmarkt haben die Kleinanleger wenig Geld übrig.
Die wenigen Leute, die noch einen oder zwei Dollar übrig haben, sind zurückhaltend, wenn es darum geht, bei den Technologie-Aktien einzusteigen – nachdem hier angeblich "der Boden erreicht ist" (zum mindestens 10. Mal). Sogar Kleinanleger können sehen, dass der "Boden" im Technologiesektor so groß wie der Hintern eines Sumo-Ringers ist. Die weltweiten Investitionen in die Informations-Technologie stagnieren – und könnten wahrscheinlich eine ziemlich lange Zeit weiter stagnieren. Und dennoch haben die Technologie-Aktien sehr hohe Bewertungen.
Im Dezember sind die Umsätze der Halbleiterindustrie gegenüber dem Vormonat um 2,3 % gefallen. Im Gesamtjahr 2002 stiegen die Umsätze um magere 1,3 % auf 140,7 Milliarden Dollar. Das ist keine beeindruckende Performance.
Die Malaise im Halbleiter-Sektor zeigt, dass hier die amerikanische Wirtschaft von den Exzessen der Spekulationsblasen-Ära zum "Normalen" zurückkommt. Das gilt sowohl für die Wirtschaft als auch für den Aktienmarkt.
Aber das bedeutet nicht, dass man nicht eine gelegentliche, spektakuläre Bärenmarkt-Rally genießen kann. 1992–3 Jahre, nachdem der Nikkei sein Top erreicht hatte – schoss der Index um 40 % nach oben, bevor der unausweichliche Absturz kam. Das war vor 10 Jahren; der japanische Aktienmarkt befindet sich immer noch in einem Bärenmarkt.
Michael Belkin denkt, dass auch dem US-Aktienmarkt eine solche temporäre Bärenmarkt-Rally bevorsteht. Belkin rechnet mit einem Anstieg in der Größenordnung von 40 %, bevor die Erholung vorbei ist und der Abwärtstrend weitergeht.
"Mike begründet seine Einschätzung mit der frühen Erfahrung des japanischen Aktienmarktes", schreibt Kate Welling von Welling@Weeden. "Und er war einer der ganz wenigen, der 1992 zu dem Ergebnis kam, dass die Charts und Modelle für den japanischen Aktienmarkt Alarm schlugen. Diese Festlegung auf die Bärenseite zehrte damals an seinem Ruf, aber plötzlich bemerkte er, dass der Nikkei wahrscheinlich eine zwischenzeitliche große Bärenmarkt-Rally hinlegen würde."
Michael Belkin hatte Recht – wie sich herausgestellt hat. Jetzt sieht er – oder denkt, dass er es sieht – die Voraussetzungen für eine vergleichbare Rally beim US-Markt. Welling berichtet: "Seine Favoriten finden sich in den Sektoren, die am meisten gefallen, sind, da er hier das größte Erholungspotenzial sieht: Also bei Nasdaq-Titeln, in den Sektoren Technologie, Telekom, Medien – alles alles das, was kein 'sicherer Hafen' ist."
"Aber vorsichtig: Seien Sie kein neuer Bulle", so Welling. "Mike ist unerbittlich: Das ist keine Vorhersage eines neuen Bullenmarktes, nur eine Gegenbewegung in einem langfristigen Abwärtstrend. Aber 40 % Aufwärtspotenzial ist substanziell, zuviel, das man sich entgehen lassen sollte. Und Vorsicht, wenn Sie ein Short-Seller sind oder Put-Optionsscheine haben ..."
Betrachten Sie sich als vorgewarnt.