Bär wird Bulle und Bulle wird Bär, nur Blaukraut bleibt Blaukraut
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 06. Dezember 2005 18:00 Uhr
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Während ich am Wochenende im Zug saß, auf dem Weg von London nach Paris, ratterten meine Gedanken im Takt der Räder auf den Schienen.
"Die Fische müssen schwimmen, die Vögel müssen fliegen ... und die Leute, die Imperien führen, müssen sich wie verdammte Idioten benehmen."
Am Tag zuvor hatte ich einem Herausgeber des MoneyWeek Magazins erklärt, warum die Vereinigten Staaten und Großbritannien in den ganzen Schlammassel mit dem Irakkrieg geraten konnten, und wie es den USA gelungen ist, Regierungs- und Verbraucherschulden von mehr als 50 Billionen Dollar anzusammeln ... und wie die Welt ganz allgemein funktioniert.
Es ist ja nicht so, dass irgendwer irgendetwas "Falsches" gemacht hätte, oder auch nur etwas besonders Dummes, sie tun nur, was sie entsprechend ihrer Rollen tun müssen. Meine Aufgabe ist es nicht, darüber zu urteilen, oder Ratschläge anzubieten, sondern nur, den Plot zu begreifen und zu raten, was vielleicht als nächstes passieren wird.
Es überrascht mich immer wieder, wenn die Reporter fragen – ja, die verbreiteten Medien fragen wirklich manchmal nach meiner Meinung – "was sollte Greenspan tun?" oder "Wie kann die Korrektur verhindert werden?"
"Nun", sage ich dann, "Es gibt nichts, was man tun könnte."
Bei öffentlichen Angelegenheiten sind Vorschläge oft reine Zeitverschwendung. Reine Unterhaltung. Man fängt an, seine Zeit damit zuzubringen, sich zu fragen, wie die Dinge sein sollten, und dann fängt man an, die Dinge so zu sehen, wie man sie sehen will, anstatt so, wie sie wirklich sind.
"Glauben Sie denn nicht an den freien Willen", wurde ich zuletzt gefragt. Sind wir denn nicht die Meister über unsere eigenen Seelen und die Herrscher über unser eigenes Schicksal? Nein, ... nicht wirklich. Aber wen sollten wir verantwortlich machen, wenn nicht uns selber? Im Privaten ist es vielleicht wirklich am besten, wenn man davon ausgeht, dass man die Verantwortung dafür trägt, was mit einem passiert.
Aber in der Öffentlichkeit? Ist man verantwortlich für das, was die Bushregierung tut, oder was in der weltweiten Wirtschaft gerade passiert? Könnte man denn irgendetwas dagegen tun? Könnte irgendwer irgendetwas dagegen tun? Der Mensch in der Masse ist ein Schwachkopf ... Es macht keinen Sinn zu versuchen, ihm irgendetwas zu sagen. Ebenso gut könnte man Erdhörnchen Vorträge über ihre Tischsitten halten.
Nein, der beste Rat, den ich geben kann ist, dass Sie versuchen herauszufinden, was der Mensch in der Masse und seine Anführer im Sinn haben und sich Sorgen um die eigene Bestimmung zu machen ... und nicht über die des Imperiums.
Aber was passiert gerade wirklich? Nun, ich weiß es nicht. Ich muss auch durch das düstere Fernglas blicken, genauso wie alle anderen auch. Was ich sehen kann ist ein Imperium, das an einem Wendepunkt steht.
Moment mal – ich weiß, was sie jetzt denken. Das große Imperium steht nicht erst seit gestern an einem Wendepunkt. Uns selbst wenn ich damit Recht hätte, kann man immer noch eine Menge Geld damit machen. Also lassen Sie endlich die Finger von dem großen Gesamtbild und sagen Sie uns, was wir kaufen sollen.
Ich vermute sogar, dass der Wendepunkt schon in den Siebzigern erreicht war. Damals fielen die amerikanischen Handelsbilanzen in den negativen Bereich. Damals wurde auch der Dollar endgültig vom Gold losgebunden und die Globalisierung fing an, die Welt wirklich zu verändern. Seit den frühen Siebzigern haben sich die Stundenlöhne – was die Kaufkraft betrifft – nicht mehr wirklich bewegt. Seit kurzem sinken sie sogar.
Dennoch gab es in den Achtzigern und Neunzigern einen riesigen Bullenmarkt bei den Aktien – einen Bullenmarkt der bis heute noch keine Korrektur erfahren hat. Wenn man 1980 gekauft hat und 2000 verkauft und dann das ganze Geld in Immobilien in San Diego investiert hat, dann ... ja dann, wow! Zur Hölle mit dem Wendepunkt – Ihnen ist es ganz gut ergangen.
Wie können wir also erreichen, dass wir auch noch in zwanzig Jahren ein warmes Plätzchen haben – so wir dann noch am Leben sind – trotz des Niedergangs des Imperiums? Ich bin weder schlau genug, noch dumm genug, um zu glauben das sagen zu können. Aber ich kann wie alle anderen auch raten.
Aktien, Schatzanleihen und Immobilien – in Amerika und im größten Teil der angelsächsischen Welt – lebt man von geliehenem Geld und geliehener Zeit. Fische schwimmen, Vögel fliegen ... und Bullenmärkte verwandeln sich in Bärenmärkte. Bei den Aktien kann ich Ihnen nur weitere Beweise dafür liefern, wie teuer sie heute sind und wie stark die Zahlen gefälscht werden. "das nächste Jahr könnte ... das Jahr werden, in dem sich der Bullenmarkt endgültig in einen Bärenmarkt verwandelt", schreibt Philip Coggan in der Financial Times. Die Aktienkurse stiegen wegen besserer Gewinnaussichten, sagt er. Aber die Zahlen lügen. Die Unternehmen geben die "erwarteten" Renditesätze ihrer Vermögenswerte für die Pensionsfunds als Gewinne an, erklärt er, ganz unabhängig davon, wie hoch die wirklichen Zahlen sind. Das hat zur Folge, dass die Profitzahlen auf dem S&P um zwanzig Prozent aufgeblasen sind.
Andererseits müssen sich auch die Bärenmärkte in Bullenmärkte verwandeln. Das ist der eine Grund, warum sich Gold in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat und sich jetzt um den Wert bewegt, den es hatte, als Greenspan sich auf dem bequemsten Stuhl bei der Fed niederließ. Aber der zweite Grund ist noch überzeugender, und noch wesentlich viel versprechender.
Alan Greenspan mag vielleicht sagen: "Gold ist da, wo es war, als ich angefangen habe, ich habe also meine Pflicht erfüllt. Ich habe die Finanzen des Imperiums genauso verlassen, wie ich sie vorgefunden habe." Aber so ist es nicht. In fast jeder Hinsicht ist die Nation heute in schlechterer Verfassung als 1987.
Die Amerikaner schulden deutlich mehr Menschen deutlich mehr Geld als damals. Sie haben größere Häuser, neuere Autos und mehr elektronisches Equipment. Aber sie haben auch höhere Rechnungen zu zahlen und weniger Geld, um sie zu bezahlen. Nur eine Zahl: Die amerikanische Regierung hat in den vergangenen acht Jahren mehr Geld aus dem Ausland geliehen als alle anderen Regierungen seit Washington zusammen.
Deshalb wird Gold auch weiterhin noch ein ganzes Stück steigen.