Ayn Rand, Bill Bonner und das Gold
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 27. Februar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Gestern hatte ich darüber geschrieben, wie Alan Greenspan in den 1970ern zu einem verschworenen Zirkel um Ayn Rand geraten war. Als er dann zur Fed wechselte, wurde Ayn Rand von einem Journalisten gefragt: "Ist Alan Greenspan zum Feind übergelaufen?"
"Alan ist mein Schüler", war ihre Antwort, "Er ist mein Mann in Washington." Würde es "ihrem Mann" auch gelingen, Washington auf die Linie ihrer libertären wirtschaftlichen Vorstellungen einzuschwören? Das wollte irgendjemand wissen. Die rationalste Frau der Welt gestand, dass das wohl einige Zeit in Anspruch nehmen würde.
Greenspan hatte sich während seiner Vorstellungen und Anhörungen nicht selbst verleugnet. Er hatte den Prüfern seine Überzeugungen offen dargelegt. Als Libertärer war er der Auffassung, dass der Staat die Wahrnehmung seiner Aufgaben auf das Wesentliche beschränken solle. Als konservativer Ökonom glaubte er zudem, dass die Staatsverschuldung zum damaligen Zeitpunkt für den überwiegenden Anteil (80 bis 90 %) der Inflation verantwortlich zu machen war. Auch in punkto Gold vertrat Greenspan seine eigene Meinung:
Greenspan schrieb damals, dass Vertreter verschiedenster ökonomischer Couleur durch ihre gemeinsame, fast hysterische Ablehnung des Gold-Standards zusammengehalten wurden. In seiner Schrift "Die Objektivierung verschiedenster Überzeugungen", die im Rahmen einer Publikations-Reihe von Ayn Rand herausgegeben wurde, äußerte sich der später berühmteste Zentral-Banker der Welt so: "Viele nehmen an, dass Gold und ökonomische Freiheit unteilbar sind. Sie meinen, dass der Gold-Standard dabei im Rahmen des "Laissez-Faire" zu einem wesentlichen Instrument genau dieser ökonomischen Freiheit wird, oder sich Beides sogar gegenseitig bedingt."
"Gold und ökonomische Freiheit" war auch in den 1960ern immer noch Greenspans Lieblingsthema: Geld ist der gemeinsame Nenner aller Tauschgeschäfte. Rohstoffe dienen dabei als allseits anerkannte Vermittler in einer Tauschgesellschaft. Sie können deshalb als Wertmaßstab und als Wertaufbewahrungsmittel – also zum Sparen – benutzt werden. Die Existenz eines solchen Rohstoffs ist eine Voraussetzung für die Entstehung einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Hätte die Menschheit keinen Rohstoff, der als objektiver, allseits akzeptierter Wertmaßstab fungieren könnte und deshalb generell als Zahlungsmittel akzeptiert wird, dann müsste die Menschheit auf primitiven Tauschhandel oder auf rudimentäre Formen der Subsistenzwirtschaft zurückgreifen. Die unschätzbaren Vorteile der Spezialisierung würden ganz einfach entfallen. Hätten Menschen kein Wertaufbewahrungsmittel und könnten deshalb nicht sparen, dann gäbe es keine langfristigen Pläne und keinen reibungslosen Tausch.
Nach einer ausführlichen Diskussion über die Grundzüge der Geldwirtschaft zog Greenspan für die Objektivisten schließlich die Schlussfolgerungen, die sie hören wollten: Ohne gültigen Gold-Standard gäbe es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Zerstörung durch die Inflation zu schützen. Es gäbe überhaupt keinen sicheren Weg, Werte zu wahren. Gäbe es ihn, dann würden Regierungen ihn für ungesetzlich erklären, so wie das im Fall des Goldes geschehen ist. Wenn sich beispielsweise alle Menschen dafür entscheiden würden, ihre Bankeinlagen gegen Silber oder Kupfer oder ein anderes Gut einzutauschen und daraufhin beschließen würden, Schecks nicht mehr als gültiges Zahlungsmittel zu akzeptieren, dann würden Bankeinlagen ihre Kaufkraft komplett einbüßen. Gleichzeitig würden die für das Bankensystem geschaffenen Geldschöpfungsmöglichkeiten in Form von Krediten völlig wertlos werden. Die Finanzpolitik eines Wohlfahrtsstaates verlangt so von Vermögensbesitzern, dass sie sich dem System schutzlos ausliefern.
Die Tiraden der Anhänger des Wohlfahrtsstaates gegen das Gold enthüllen genau diese schäbige Wahrheit. Verschuldung ist nur ein verhüllter Ausdruck der Konfiszierung von Vermögenswerten. Gold stellt sich dieser heimtückischen Vorgehensweise in den Weg. Gold steht stellvertretend für eine Bewahrung der Eigentumsrechte. Wenn man das verstanden hat, ist es ganz einfach, die Ablehnung des Gold-Standards zu verstehen.