Automobil-Deutsche im passiven Widerstand
Miriam Kraus in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 1. März 2011, 17:00 Uhr
ENL5454
Um es mal mit einem neuen Modewort zu sagen: der mobile "Wutbürger" ist derzeit unterwegs. Obwohl...ganz so passend ist die Bezeichnung eigentlich nicht, denn es handelt sich vielmehr um einen passiven Widerstand, welchen der deutschen Autofahrer aktuell ausübt. Andererseits...nimmt man das Modewort auseinander, dann passt's doch wieder: der mobile deutsche Bürger ist nämlich dieser Tage gar nicht "amused".
Sie wissen sicher schon wovon ich spreche...in Deutschland steigen die Benzinpreise, daran ist aber nicht nur der steigende Ölpreis schuld. Sondern der Umstand, dass wir weltweit immer mehr Ethanol in den Tank kippen oder kippen wollen. Natürlich wollen wir hier in Europa nichts in den Tank kippen, was in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht (müssen wir ja auch nicht, schließlich gibt es ja Palmöl zu Bio-Diesel-Produktion, das nur in Konkurrenz zu den Regenwäldern steht...;-)), was mit ein Grund dafür sein könnte, dass wir hier in Europa noch nicht alle mit einer 10%igen Ethanol-Beimischung fahren.
Bislang taten das nur die Franzosen und seit kurzem auch wir Deutschen!
Keiner will E10
Vielleicht gibt es an der Tankstelle ihres Vertrauens schon die neue Benzinsorte E10. Das ist Benzin mit 95 Oktan und einer Ethanol-Beimischung von 10%. Sie wissen schon: unsere gütigen Häuptlinge wollen dass wir klimaneutraler fahren, also weniger Treibhausgase emittieren, deshalb sollen wir wir langsam auf fossile Energieträger verzichten lernen.
Eigentlich finden wir das ja ganz gut. Schließlich haben wir alle ein Herz für die Umwelt. Was wir aber nicht so gut finden ist, dass der neue Treibstoff bei einigen Fahrzeugen zu Schäden an Benzinleitungen und Dichtungen führen kann, oder im schlimmsten Falle auch zum Motorschaden durch die Ethanolkorrosion. Schließlich handelt es sich auch bei Bioethanol um Alkohol und der kann sehr aggressiv werden, Kunststoffteile und Aluminium zersetzen, Löcher in Leitungen und Schläuche fressen, wodurch sich im schlimmsten Fall das Benzin sogar an heißen Motorteilen entzünden kann.
Ich möchte jetzt allerdings kein Horrorszenario an die Wand malen, denn immerhin vertragen laut offiziellen Schätzungen nur rund 10% der deutschen Kraftfahrzeuge den E10-Sprit nicht. Nichts desto trotz geht der Großteil der Deutschen offenbar lieber auf Nummer Sicher und verzichtet einfach auf E10.
Diese Verzichtsübung hat aber auch noch einen anderen Grund: bei der Nutzung von E10 entsteht ein Mehrverbrauch zwischen 3-5%, gegenüber dem bisherigen E5.
Steigende Benzinpreise
Dementsprechen ist es dem mobilen deutschen Bürger nicht zu verübeln, dass er dem E10 gegenüber skeptisch bleibt. Allerdings werden wir in Zukunft trotzdem teurer Auto fahren.
Doch gehen wir kurz zum Anfang zurück: also, weil die EU-Politik bestimmt hat, dass wir künftig mit einer 10%igen Ethanolbeimischung fahren sollen, hat die Mineralölindustrie diese Vorgabe nun brav umgesetzt. Allerdings scheinen die Konzerne offenbar schon vorher leichte Zweifel gehabt zu haben, dass der Deutsche tatsächlich viel Spaß mit dem E10 haben wird. Deshalb haben sie zur Markteinführung von E10 die Preise für das bisher genutzte Benzin mit 95 Oktan und einer Ethanolbeimischung von 5% angehoben, um dem mobilen Bürger den Wechsel schmackhaft zu machen. (In der Regel ist E10 übrigens in der Herstellung ein klein wenig teurer als das entsprechende E5 mit 95 Oktan.)
Doch der Bürger hat kein Interesse an E10 und kauft jetzt die alten E5 95 Oktan -Lager leer. Das macht der Mineralölindustrie Sorgen, denn die verkauft aktuell nur noch Restbestände von E5 mit 95 Oktan. Wenn der Kunde aber weiter auf E5 beharrt, dann werden die Konzerne den Kraftstoff demnächst wohl im Ausland einkaufen müssen, was den Preis natürlich weiter verteuert.
Doch damit hören die Sorgen der Mineralölindustrie noch nicht auf. Denn diese sitzt nun zu allem Überfluss auf randvollen E10-Lagerbeständen, die jetzt keiner haben will, auch im Ausland übrigens nicht. Das Problem: es handelt sich größtenteils um Winterware, die bis April verkauft sein müsste, da sie ansonsten die Qualitätsanforderungen nicht mehr erfüllt.
Und dann gibt es ja auch noch Benzin mit 98 Oktan
Kennen Sie als das teurere Super Plus. Dieser Kraftstoff enthält nach wie vor nur eine 5%ige Ethanolbeimischung und steigt nun in der Beliebtheit der mobilen Kunden immer stärker. Denn obwohl Benzin mit 98 Oktan und 5% Ethanol generell teurer ist, weist es doch eine höhere Energiedichte auf als E10, ist also leistungsfähiger und gleicht damit den Preisaufschlag schon fast aus.
Das Problem ist nur, E5-Benzin mit 98 Oktan wird leider nicht in so großen Mengen hergestellt, wie es der deutsche Autofahrer derzeit wohl gerne hätte. Und aus technischen Gründen kann die Produktion nicht beliebig ausgeweitet werden.
Bei steigender Nachfrage und einem limitierten Angebot müssen auch hier die Preise wohl über kurz oder lang steigen.
Bleibt noch Diesel, der aber nach Ansicht des ADAC längst schon zu teuer angeboten wird.
Tja, ignorieren können wir E10 also auf Dauer wohl leider nicht, zumal auch weil E5 mit 95 Oktan über kurz oder lang wohl verschwinden wird. Der Mineralölkonzern Shell will jedenfalls bald kein 95er E5 mehr anbieten, weil man, so die Begründung, die vorhandenen Kapazitäten an Krafstofftanks ja für E10 benötigt. Auf der anderen Seite dürfte das Angebot an E5 mit 98 Oktan begrenzt bleiben.
Für mich ergibt sich daraus ein Fazit im 2.Teil...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Stemmerling (01.03. 2011 18:50 Uhr):
Die Einführung von E 10 ist der größte Schildbüsrgerstreich den sich die EU in der letzten Zeit geleistet hat. E 10 ist unter dem Strich betrachtet nicht umweltfreundlicher als das bisherige Superbenzin. Dazu kommt noch die Zweckentfremdung von Ackerflächen und Lebensmittel was zu drastischen Preissteigerungen für Nahrungsmittel in den wirtschaftlich schwachen Ländern führt. Die einzigen die von der Einfrührung von E 10 profitieren sind wie immer die Energiekonzern die wiedereinmal durch gute Lobbyarbeit ihre Interessen durchgesetzt haben und damit wiederholt unter Beweis gestellt haben das wir nicht von Politikern sondern von der Wirtschaft regiert werden. Als kleiner Bonus für die Einführung von E 10 verdiennt die Regierung auch noch an den drastisch gestiegenen Benzinpreisen ( Mineralöl- und MWSt. ) Unsere Politier ( Volksvertreter ???) vertreten schon lange nicht mehr die Interessen des Volkes sondern nur Ihre eigenen und die der Lobbyisten ( Industrie ). Es wird langsam Zeit das wri, die leider immer noch geduldigen ( West- ) Deutschen uns ein Beispiel an den ehemaligen Ostdeutschen und den jetzt demonstierenden Arabischen Staaten nehmen und dafür sorgen das auch in Deutschland der "Selbstbehiehnungsladen der Politiker" verschwindet.
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