Ausverkauf bei den Edelmetallen
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Edelmetalle
vom 14. Juni 2006 20:45 Uhr
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Goldnachfrage saisonal schwach
Zurzeit hat es der Goldmarkt saisonal bedingt sehr schwer.
Im 1. Quartal hielten sich die Juweliere, die ja rund 70 % der Goldnachfrage ausmachen, mit Käufen stark zurück und kauften 22 % weniger Gold als im Vorjahr.
Traditionell kommt es im Juni und Juli am Goldmarkt zu einer Korrektur, bevor die Juweliere im Herbst wieder als Käufer auftreten, um sich für das Weihnachtsgeschäft zu rüsten. Den Käufern kommt dabei das aktuell gefallene Preisniveau sehr entgegen, weshalb ich von einer guten Nachfrage ab Herbst ausgehe.
Ausverkauf
Was gestern jedoch am Goldmarkt passierte kommt schon einem Crash nahe. Zwar hatte ich einen weniger dramatischen Verlauf erwartet, aber gesund dabei ist, dass jetzt viele kurzfristige Spekulanten aus dem Markt getrieben werden, was wieder neues Käuferpotenzial schafft. Der Goldpreis verlor gestern fast 50 US-Dollar je Unze auf 550 US-Dollar und markierte damit seinen grössten prozentualen Rückgang seit 15 Jahren. Noch stärker ging es beim Silber zurück. Der Silberpreis stürzte um mehr als 10 Prozent auf 10 US-Dollar je Unze ab. Palladium fiel 11 Prozent auf 272 US-Dollar je Unze und lediglich Platin hielt sich mit einem Rückgang von 4 Prozent auf 1110 US-Dollar je Unze vergleichsweise besser. Nachdem die Preise zuvor so stark angestiegen sind ist das per saldo noch nicht wahnsinnig dramatisch. Denn, Gold und Silber notieren ja immer noch rund 10 % über ihren Jahresanfangsniveaus.
George Soros manipuliert den Markt
Grund für die herben Rückschläge war übrigens ein Interview mit dem Hedgefondsmanager George Soros. Dieser erwartet, dass die Rohstoffe ausgelöst durch eine Geldverknappung von Seiten der weltweiten Notenbanken noch weiter korrigieren sollten. Das entscheidende dabei ist aber auch hier, dass Soros von Korrekturen und nicht von einem lang anhaltenden Bärenmarkt spricht.
Zinserhöhungszyklus im Juni bereits zu Ende?
Das stärkste Kaufargument für das Gold wird jedoch von der US-Notenbank kommen. Ausgehend von den aktuellen Verlusten am Aktienmarkt und den konjunkturellen Abschwächungsanzeichen sehe ich eine grosse Chance dafür, dass die US-Notenbank am 28. Juni den vorerst letzten Zinsschritt um 0,25 Prozent nach oben vornehmen wird. Da sich diese Erwartung bereits im Vorfeld in den Märkten widerspiegeln wird könnte der Ausverkauf beim Gold bald vorüber sein. Die Notenbanken reagieren meistens sehr extrem und schaffen damit für antizyklische Spekulanten sehr interessante Einstiegsniveaus. Ben Bernanke ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger Greenspan sicher ein sehr schlechter Kenner des Marktes und genau das wirkt sich jetzt sehr negativ aus. Wobei es noch verfrüht ist um zu sagen, ob die weltweite Konjunktur tatsächlich einen so grossen Schaden nimmt, wie die Märkte es zurzeit andeuten.
Spekulanten verabschieden sich = Gutes Zeichen!
Wichtig für das Gold wird der COT-Report am Freitagabend sein. Hier werden wir sehen, wie die Spekulanten in den USA aufgestellt sind. In der letzten Woche liquidierten sie etwas mehr als 5 Prozent ihrer Engagements. In dieser Woche dürfte die Zahl der Liquidationen enorm zugenommen haben. Die Spekulation verschwindet damit langsam aus dem Markt. Aus Tradersicht sind die gestiegenen Schwankungen beim Gold sicher hochinteressant. Als Investor sehe ich das ganze gelassener. Auf Sicht der nächsten Jahre gibt es keine Alternative zum sicheren Gold.