Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Australischer Dollar
vom
Wie ich es Ihnen am vergangenen Donnerstag versprochen hatte, möchte ich heute noch einmal auf Australien eingehen. Sie erinnern sich: ich hatte Ihnen geschrieben, dass Australien und der Aussie-Dollar zunehmend als sicherer Hafen wahr genommen werden. Dies erkennt man natürlich auch im Falle Australiens an den Zinsen, die das Land für seine Schulden bezahlen muss. Allein seit März sind die Zinsen auf 10-jährige australische Anleihen von knapp 4,3% im März auf knapp über 3% aktuell gefallen.
Australien ein sicherer Hafen? Woran liegt das?
Nun, für Australien sprechen einige Faktoren. Einer der wichtigsten ist sicher, ich drücke es einmal so aus, der Mangel an Alternativen. Das ist keineswegs böse gemeint, Australien hat viele Vorteile zu bieten...aber seit es immer weniger einstige Elite-Triple-A-Staaten gibt, rückt eben auch eine vergleichsweise kleinere Volkswirtschaft in den Vordergrund.
Um es konkret zu sagen: im vergangenen Jahr gab es schätzungsweise noch rund 17 Billionen USD an Staatsschulden auf dieser Welt, die durch ein Triple-A-Rating plus stabilem Ausblick gedeckt waren (seien wir ehrlich: seit Beginn des Fiat-Money-Systems sind Staatsschulden durch fast nichts anderes als eine auf Vertrauen basierende Einstufung des Schuldners gedeckt).
Doch mittlerweile ist die Zahl der Länder mit Triple-A-Rating UND stabilem Ausblick deutlich geschrumpft. In Zahlen ausgedrückt: heute gibt es schätzungsweise noch knapp 3 Billionen USD, die durch Triple-A und stabilen Ausblick gedeckt sind.
Australiens Schulden sind ein Teil davon - im vergangenen Jahr noch ein kleiner prozentualer Anteil, aber heute macht Australien hier schon fast 10% der Triple-A/stabiler Ausblick-Schulden aus.
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Hinzu kommt natürlich noch eine moderate Staatsverschuldung von 22,9% vom BIP (allerdings verzeichnete Australien im vergangenen Jahr ein Haushaltsdefizit von 4,1% vom BIP, nach 4,3% vom BIP in 2010 und langen Überschussjahren von 2003 bis 2008).
Tendenziell im Vergleich höhere Zinsen
Also, wir wissen, dass die rückläufige Rendite auf australische Bonds eine hohe Nachfrage nach australischen Bonds kennzeichnet (denn, Sie wissen ja, Bond-Kurse und -Renditen laufen immer entgegengesetzt...sinkende Rendite zeigen also steigende Bond-Kurse und damit eine hohe Nachfrage nach den entsprechenden Bonds). Das liegt am neuen Sicherer-Hafen-Gedanken, den Australien auslöst.
Auf der anderen Seite steht die australische Notenbank und ihre Zinspolitik. Aktuell, wo die Inflationsrate in Australien, wie in den meisten Ländern, deutlich gesunken ist und die Welt mit der Euro-Krise auf eine Abschwächung zusteuert, hat auch die australische Notenbank zuletzt die Leitzinsen gesenkt. Diese liegen aktuell bei 3,5%.
ABER...die australische Wirtschaft hat im 1.Quartal mit einem annualisierten BIP-Wachstum von 4,3% alle Prognosen vom Hocker gehauen und im Mai gab es positive Impulse vom Arbeitsmarkt. Abgesehen davon ist Australiens Wirtschaft wesentlich stärker vom Raum Asien und vor allem China abhängig und nur geringfügig von Europa oder den USA. Und da ich davon ausgehe, dass Chinas Wirtschaft eher zu einer Bodenbildung findet und keineswegs dabei ist, sich eine blutige Nase zu holen, bin ich auch für Australiens Wirtschaft lange nicht so pessimistisch, wie für Europa oder auch die USA.
Davon ausgehend wiederum ergibt sich für die australische Notenbank, im Gegensatz zu ihren Pendants in Europa und den USA, wesentlich weniger stark die Notwendigkeit noch weitere starke Zinssenkungen durchzuführen. Ich sage nicht, dass es bis Ende des Jahres nicht noch einmal eine australische Zinssenkung geben wird, aber ich denke, den Australiern wird schließlich mehr Spielraum bleiben, was tendenziell die Zinsen in Australien höher belassen wird, als in anderen Staaten.
Weiter im 2. Teil...
- Kommentar von gerhard slupinski petzholdt
Der Artikel ist sehr gut und hat meine eigenen Gedanken bestätigt und ich habe noch einige Fakten dazugelernt. Am Liebsten würde ich dorthin gleich auswandern Gruß Gerhard Slupinski Petzholdt
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