Ausnahmezustand
Axel Retz in DAX Daily
vom 04. Juli 2006 08:30 Uhr
ENL5454
Da darf man mal gespannt sein: Zum einen wegen des heutigen Fußballspiels. Wie Sie wissen, bin ich kein Sport-Zuschauer. Aber aus meiner Umgebung höre ich nun zunehmend „kritischere" Töne: Manche wünschen der deutschen Mannschaft eine Niederlage, damit es nicht mehr so laut zugeht nach den Spielen, die anderen hoffen auf ein Ausscheiden, weil sie die Spannung vor dem Fernsehgerät nicht mehr aushalten. Entgeht mir da vielleicht doch etwas?
Na ja, am Sonntag ist es vorbei, und dann können sich alle Börsianer wieder den Märkten zuwenden. Bleibt abzuwarten, was vom angeblichen Stimmungsumschwung in Deutschland dann noch übrig bleibt. Gestern telefonierte ich mit einer Bekannten. Und sie bemerkte sehr treffend, dass unsere Fußballgäste ja ein völlig falsches Bild von Deutschland mit nach Hause nehmen werden: Lauter freundliche, stets fröhliche Menschen, sonniges Wetter bei 25 – 30 Grad. Wenn ich da so an die letzte Maiwoche denke…
An den Märkten bleibt die Stimmung positiv, wie das im Umfeld des heute in den USA gefeierten „Independence Day" traditionell üblich ist. Danach kehrt dann auch dort wieder das business as usual ein. Die gestern veröffentlichten Konjunkturdaten waren widersprüchlich.
So zeigen sich am US-Immobilienmarkt nun immer deutlichere Bremsspuren, andererseits springen die Absätze der deutschen Autobauer in den Staaten weiter an. Die Konsumlust der US-Bürger scheint sich von 17 Zinserhöhungen und steigenden Energiekosten unbeeindruckt. Zum einen macht das Angst, da der Konsum zu einem Großteil auf Pump finanziert ist. Mehr Angst sollte aber der Zeitpunkt machen, an dem die Verbraucher ihren umgesunden Kaufhunger zu zügeln beginnen. Denn dann wird es kritisch an den Börsen!