Ausblick 2009, Teil 2
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 5. Januar 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hier weitere meiner Gedanken zum Thema „Ausblick 2009":
Industriemetalle
Bei den Industriemetallen beginnt nun wohl wieder der klassische "Schweinezyklus". Ich habe recherchiert, dass mindestens 50% der Minen bei Zink und auch Zinn mit Verlust produzieren. Kein Wunder, dass da bereits 2008 einige Produktionskürzungen vermeldet wurden. Und in diesem Jahr werden wohl weitere Produktionskürzungen/Schließungen kommen.
Wenn sich dann vielleicht ab Ende 2009 die Nachfrage wieder fängt, wird diese auf ein sinkendes Angebot treffen. Da die Märkte Entwicklungen bekanntlich vorwegnehmen (Fachbegriff: „eskomptieren"), werde ich bei den Industriemetallen ab ca. der zweiten Jahreshälfte, eventuell auch etwas früher, wieder Long-Positionen anvisieren.
Zucker
Zucker finde ich auch super, da gibt es wohl auch 2009 schon Angebots-Defizit (Angebot unter Nachfrage). Wäre schön wenn der Preis nochmal auf 10 Cents je Pfund fällt, um auf der Long-Seite einsteigen zu können.
Bei den anderen Rohwaren habe ich noch keine klare Meinung! Die sind teilweise sehr günstig, aber es gibt zwiespältige Signale.
Öl
Für Öl bin ich auf dem derzeitigen Preisniveau „grundsätzlich bullish". Unabhängig vom Tagesgeschäft gilt (und folgende Sätze stammen aus dem Dialog mit einem Leser): Öl ist eine endliche Ressource und kann nicht wie Kupfer oder Eisen recycelt werden. Was weg ist, ist weg und taugt höchstens noch dazu, das Weltklima aus den Angeln zu heben. Es spielt auch keine Rolle, ob noch ein bis zwei ´giant fields´ entdeckt werden. 2 Milliarden Menschen fangen an, das zu tun, was 600 Millionen Menschen in Europa und Amerika etwa 80 Jahre lang getan haben - Öl verbrennen. Der Preis steigt also zwangsläufig. Dazu braucht es keine komplexen Wirtschaftstheorien.
Dies ist eine strategische Einschätzung. Strategisch ist in diesem Zusammenhang auch eine Umschreibung für „auf Sicht von mehreren Jahren". Was 2009 betrifft, da gilt wie bei allen anderen Rohstoffen auch: Was machen Angebot und Nachfrage?
Dazu studiere ich gerade den Welt Energie Bericht („World Energy Outlook") der Internationalen Energie-Agentur IEA. Ich werde morgen auf Details aus diesem Ausblick zurückkommen. (Drohung oder Versprechen?)
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel