Aus Krisen kann man lernen
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 14. Dezember 2011, 20:45 Uhr
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Heute habe ich eigentlich keine große Lust schon wieder über die Politik nachzudenken. Was gibt es auch schon groß zu sagen? Ist doch alles beim alten geblieben. Die EU-Häuptlinge (bis auf einen) haben sich zu ein paar Absichtserklärungen durchgerungen, von denen niemand weiß, ob sie überhaupt einhaltbar sind und die eigentlich längst hätten eingehalten werden müssen.
Die FED will uns auch noch kein QE3 gönnen - aber ganz unter uns, ich schätze das kommt noch. Schlussendlich wird auch den Notenbanken vollumfänglich und komplett klar werden, dass sie nach wie vor die einzigen in den USA und Europa sind, die tatsächlich handeln können (und es dann wohl auch tun werden müssen). Was im Falle der FED ein QE3 bedeutet und im Falle der EZB...nun ja, am Ende wohl ein volles Zugeständnis an Staatsanleihenkäufe. Traurig? Sicher. Wird aber leider wohl auch wahr werden, oder hofft irgend jemand noch auf irgend etwas anderes?!
Nun ja, nebenbei haben die Bundeshäuptlinge dann auch noch einen Weg gefunden um die Banken um vier Ecken herum schließlich doch noch zur Zwangsrekapitalisierung zu drängen (über einen Sonderbeauftragten der BaFin) - tja dann, hoffentlich geht der Sonderbeauftragte dabei selektiv vor.
Aber lassen wir das...ich wollte mich ja eigentlich nicht schon wieder mit den ewig gleichen nervigen Problemen der Zone (oder des Amilandes) beschäftigen.
Werfen wir doch heute lieber mal einen Blick auf ein paar andere Staaten, die selbst vor einigen Jahren noch in der Krise gesteckt haben..mittlerweile allerdings daraus gelernt haben und heute als erfolgreicher im Umgang mit Haushalt und Schulden eingestuft werden dürfen.
Emerging Markets: Haushaltsdisziplin und umsichtige Wirtschaftspolitik
Noch in den 90er-Jahren schockten die Emerging Markets mit Tequila-Krise, dem Staatsbankrott Argentiniens, dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Asienkrise. Heute, nur 10-20 Jahre später gehören viele dieser Nationen zu den stärksten Volkswirtschaften der Welt, andere sind mit starkem Wachstum zumindest dabei aufzuschließen - allen gemeinsam ist jedoch: sie haben ihre Altlasten weit hinter sich gelassen. Man könnte fast sagen, etwas besseres hätte den Emerging Markets gar nicht passieren können. Viele hatten erst in den 80er und frühen 90er Jahren damit begonnen eine freie Marktwirtschaft zu etablieren. Und die rasch eintretenden Rückschläge in den 90ern sollten sich als extrem lehrreiche und heilsame Erfahrung herausstellen.
Denn, die Emerging Markets haben rasch gelernt alte Fehler zu vermeiden - etwas, dass Europa und die USA längst vergessen haben. Abgestraft in den Krisen der 90er, mussten sich die Regierungen der Schwellenländer rasch bewusst machen, wie wichtig es ist, Schulden und Budget unter Kontrolle zu halten - und sie haben damit Erfolg.
Heute heißt das Mantra der Emerging Market Regierungen: Haushaltsdisziplin und umsichtige Wirtschaftspolitik! Diese Länder setzen weniger auf das schnelle Geld, weniger auf fiskalische Stimulierungen, dafür stärker auf ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Und heute verfügen viele Emerging Market Nationen nicht nur über eine starke Wirtschaft, sondern auch über geringe Haushaltsdefizite und Schulden, Leistungsbilanzüberschüsse und ein gutes Polster an Devisenreserven. Hinzu kommt, dass das Bankensystem wesentlich weniger anfällig, weil deutlich geringer fremdfinanziert ist. Die USA und Europa können sich nur wünschen, sie hätten eine solche Positivliste aufzuführen.
Natürlich sind die Emerging Markets kein Einheitsbrei. Schauen wir also mal im 2.Teil, wer tatsächlich wie viele Schulden mit sich herumschleppt.
Die meisten Emerging Market-Länder weisen nur eine halb so hohe Schuldenlast gemessen am BIP auf, wie die USA, oder Frankreich oder sogar Deutschland. Und niemand ist gemessen am BIP so hoch verschuldet wie Japan. Doch bis vor kurzem galten europäische und US-Anleihen als der sicherste Hafen der Welt. Erst mit der Abfolge der Krisen in den USA und Europa hat nun endlich ein Umdenken begonnen.
Pimco macht's vor
Der größte private Staatsanleihen-Investor, die Kapitalanlagegesellschaft Pimco, erklärte kürzlich künftig keinen Unterschied mehr zu machen, zwischen etablierten (Triple-A)-Staaten und Emerging Market Ländern. Stattdessen werde man sich in Zukunft nur noch auf die ökonomischen Fundamentaldaten der einzelnen Länder verlassen. Wer dabei die besseren Karten hat, muss ich ja nicht noch einmal erwähnen!
Was die finanziellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen betrifft, sind Emerging Market Länder zu einem großen Teil wesentlich besser aufgestellt, als viele etablierte OECD-Staaten. Eine geringe Verschuldung und der steigende Anteil am Weltwirtschaftswachstum, sind dabei nur zwei Faktoren, die dafür sprechen, dass die Emerging Market-Staatsanleihen durchaus auf dem besten Weg zum kommenden Sicheren Anleihen-Hafen sein könnten.
Schauen Sie mal, wie sich die Länder im weltweiten Schuldenvergleich so machen:
So long liebe Leser...damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend...liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
