Augen auf beim Aktienkauf
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 18. Juni 2010, 18:00 Uhr
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heute zum Wochenausklang habe ich Ihnen einen kurzen Vergleich zwischen Auto- und Aktienkauf mitgebracht.
Angenommen, Sie möchten sich ein Zweitauto zulegen. Ihr "altes" Auto funktioniert zwar noch ganz gut, aber Sie brauchen einfach ein weiteres - sei es für die Einkäufe Ihres Partners oder für Ihren jungen Sprößling, der gerade seinen Führerschein gemacht hat oder einfach als "Winterauto".s
Also halten Sie Ausschau nach einem günstigen Gebrauchtwagen. Sie surfen im Internet auf verschiedenen Seiten und tragen sich für Newsletter ein, von denen Sie sich die regelmäßige Zusendung günstiger, guter Angebote versprechen.
Nach kurzer Zeit erhalten Sie dann auch schon einen tollen kostenlosen Auto-Newsletter. Hier exemplarisch der leicht gekürzte Inhalt:
"Betreff: Die Wunschvorstellung jedes Autofahrers. Handeln Sie schnell, sonst ist er weg. Es geht um den Rum-Cruzer, den Renner unter den Rennern. Früher kostete der Wagen 38.000 Euro. Wir haben für Sie nach nur einmaliger vollständiger Umdrehung des fünfstelligen Kilometerstand-Anzeigers, den unglaublichen Preis von nur 9.998 Euro herausschlagen können.
Wir haben uns vom bisherigen Letzt-Eigentümer versichern lassen, dass alle Teile der Innenausstattung (also High-Tech-Aschenbecher, ausklappbares Handschuhfach etc.) einwandfrei funktionieren und auch die anderen Teile (wie Motor, Auspuff) weisen nur minimale Schönheitsfehler auf.
Das Allerbeste: Aus sicheren Quellen haben wir erfahren, dass die Benzinpreise in Zukunft einmal tiefer liegen werden als noch am Vortag, so dass der aktuelle Verbrauch von 38 Liter je 100 km Ihren Fahrspass auf keinen Fall schmälern dürfte. Schlagen Sie zu, bevor es ein anderer tut...etc.etc."
Nun, würden Sie dieses Auto kaufen? Sicherlich nicht.
Sie erhalten den nächsten Newsletter:
"Betreff: Die Auto-Granate für nur ganz kurze Zeit.
Liebe Leser, vielleicht haben Sie schon die unglaubliche Nachricht gelesen. Die Autos fahren weiter auf Deutschlands Straßen. Erst letzten Monat habe ich Ihnen ein Auto vorgestellt, dass immer noch fährt. Viele meiner Besucher auf meinen kostenpflichtigen Roadshows fragen mich, wie ich das mache.
Da gehört natürlich viel Erfahrung dazu und ich möchte, dass auch Sie von meiner Erfahrung teilhaben können. Bereits jetzt habe ich wieder ein tolles Auto im Köcher, dass heute noch für einen Spottpreis zu haben ist. Da Sie aber und noch viele andere dafür sorgen werden, dass dieser Wagen exorbitant im Preis steigen wird, sollten Sie nicht warten und einer der ersten sein.
Ich lade Sie herzlich dazu ein, nutzen Sie einfach den Anmeldelink und profitieren Sie mit all meinen anderen Autofreunden. Die geringe Teilnahmegebühr wird sich schon sehr bald mit Ihrem ersten Autokauf gelohnt haben. Ich habe auch schon eins....etc. etc."
Würden Sie diesem Autoberater vertrauen? Sicherlich auch nicht (oder etwa doch?).
Leider ist es so, dass die meisten Menschen beim Autokauf 10-mal genauer hinsehen als beim Aktienkauf. Aber eigentlich sollten sich die Anleger doch genau soviel Zeit bei der Auswahl der Investitionen nehmen wie beim Autokauf. Die Börseninteressierten werden mit unzähligen Spam-Mails bombardiert, die kostenlose "Tipps" abgeben.
Charttechnisch lassen sich diese Tipps so gut wie nie bewerten, bei "erwarteten" Fundamentaldaten sollten Sie besonders vorsichtig sein, und was bleibt ist die "Story".
Der für uns Börsianer traurige Nebeneffekt: Durch die Flut der Empfehlungen werden zum einen die Kurse einiger langfristig vielleicht aussichtsreicher Kandidaten verzerrt, zum anderen die Meinung zu den möglicherweise tatsächlich funktionierenden Geschäftsmodellen erschwert. Denn eine Aktie, die von der Spam-Maschinerie hochgepusht wird, schaue zumindest ich mir unter dem Gesichtspunkt der ernsthaften Investition gar nicht oder vielleicht "irgendwann mal wieder" an.
Was also tun, wenn Sie sich vielleicht doch einmal etwas näher über "heisse" Aktien informieren wollen. Auf keinen Fall sollten Sie einer Empfehlung bei marktengen Werten blind vertrauen. So viel Zeit muss sein, dass Sie sich Ihre eigene Meinung bilden können.
Je mehr Informationen Sie bereits in Ihrem seriösen Börsendienst erhalten, umso besser. Falls Sie sich weitergehend informieren möchten, surfen Sie im Internet, suchen Sie die Website des empfohlenen Unternehmens oder fragen Sie ganz einfach den Redakteur Ihres Börsendienstes.
Oder gucken Sie in verschiedene Börsenforen. Die Meinung in den Foren sollte Sie zwar in keine Richtung (negativ oder positiv) beeinflussen, sollten allerdings unkommentierte Sätze zu lesen sein wie "morgen geht die xy-Aktie ab" sollten Sie skeptisch werden.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
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