Aufsteiger
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 28. Dezember 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Ich staple weiter die Vielfliegermeilen!
Als ich bei meinen Reisen für einen Flug nach Buenos Aires eingecheckt habe, blickte die Frau am Schalter auf ihren Monitor.
“Mr. Bonner, würden Sie ihr Ticket gerne upgraden lassen? Sie haben sehr viele Vielfliegermeilen.“
Für 100 Dollar und 25.000 Meilen stieg ich auf in die erste Klasse.
Es ist ein langer Flug nach Südamerika. Die 100 Dollar waren gut investiert. Ich war in der Lage meinen Schlaf zu bekommen… und habe während des größten Teils des Fluges geschlafen. Ich bin nur kurz aufgewacht, um mein Notebook herauszunehmen und an meine sehr geschätzten Leser zu schreiben.
Aber was kann man sagen? Es war ein lahmer Tag an der Wall Street? War nicht schon alles gesagt?
Ach, es gibt immer etwas zu sagen.
„Wenn Ihr Alltag Ihnen arm scheint“, schreibt Rilke, „klagen Sie ihn nicht an; klagen Sie sich an, sagen Sie sich, daß Sie nicht Dichter genug sind, seine Reichtümer zu rufen.“
Der Markt hatte sich am Tag zuvor ruhig verhalten. Gold hielt sich stabil auf über 800 Dollar. Öl hielt sich bei über 90 Dollar. Und der Dow lehnt immer noch ab nachzugeben.
Natürlich hängt das davon ab, wie man die Punktzahl notiert. Als ich im Jahr 2000 oder 2001 meinen Trade des Jahrzehnts ausgerufen habe: „Dow verkaufen, Gold kaufen“, da war das ein einfacher Ratschlag. Das Verhältnis vom Dow zum Gold hat im August 1999 tatsächlich den Höchstwert erreicht – mit ungefähr 44 Unzen Gold für den Dow. Heute hat sich der Dow, gemessen an Gold, um mehr als die Hälfte reduziert. Man kann den gesamten Dow heute für 18 Unzen Gold bekommen.
Dieses Jahrzehnt hat noch weitere drei Jahre vor sich. Ich bleibe bei meinem Trade, nur um zu sehen, was passiert. Der Dow ist gemessen an Gold schon gefallen. Ich gehe davon aus, dass er auch im Verhältnis zum Dollar fallen wird – vermutlich nominell im Verhältnis zum Dollar und sicher real (d.h. an die Inflation angepasst) zum Dollar.
Die Rohstoffe hatten gleichzeitig einen neuen Höchstwert verbucht – einen weiteren soliden Schlag durch die Faust der Inflation.
Die Inflation taumelte und landete dann einen Schlag – die Zwangsvollstreckungen sind im November um 68% gestiegen… und dann einen weiteren Schlag – die Hausbauten sind auf dem geringsten Niveau seit 16 Jahren. Als Anteil des Bruttoinlandsproduktes sind die Wohnbauten zum Mittelmaß zurückgekehrt – sie sind wieder da, wo sie waren, ehe die große Immobilienblase im Jahr 2001 begann.
David Rosenberg von Merrill verbindet Hausbauten mit Hausbesitz mit Verbraucherpreisen. In der Phase der Blase, haben die Bauunternehmer die Häuser errichtet, sie dann an Leute verkauft, die nie zuvor ein Haus besessen hatten – damit stieg der Hausbesitz von 65% auf 70% - und dann haben die neuen Hausbesitzer angefangen, Geld auszugeben.
Sie waren in der Lage, mehr als zuvor auszugeben, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Anlagewert besaßen, der im Preis gestiegen ist. Die Verbraucherausgaben sind zusammen mit dem Hausbesitz gestiegen – von 65% des Bruttoinlandsprodukts auf über 70%.
Doch jetzt geht der Anteil der Hausbesitzer wieder zurück. Er kehrt auf einen Mittelwert zurück – der bei ungefähr 65% liegt. Und die Verbraucherausgaben scheinen zu folgen, und auch auf den Mittelwert zurückzukehren.
Rosenberg geht davon aus, dass dieser Prozess der Rückkehr zum Mittelwert bei den Hausbesitzern und den Verbraucherausgaben schmerzhaft sein wird, die Zentralbank wird die Zinssätze auf bis zu 2% fallen lassen, um das zu bekämpfen.
Ich gehe davon aus, dass er Recht hat.
Doch wir wollen weiter in Bewegung bleiben… wir wollen etwas Reichtum anderswo schöpfen. Wir wollen einen Blick auf das allgemeine Bild werfen. Und da wird es doch sehr, sehr interessant.
Die Revolutionen durch Reagan und Thatcher brachten subtile Veränderungen in die englischsprachige Welt. Die Leute sagten, diese Siege seien Triumphe des Konservatismus und des Laissez-faire-Kapitalismus. Doch verstehen nicht, worum es hier wirklich geht. Die Revolutionen von Thatcher und Reagan brachten neue Ideen, die wenig mit Konservatismus oder den Prinzipien des freien Marktes zu tun haben.
Was sie wirklich brachten, war eine Form des aufgeklärten Sozialismus’… eine Möglichkeit, den Kräften des Marktes Zügel anzulegen, zum Nutzen des Staates und der Elite, die ihn kontrolliert.
Das war das Geniale an Arthur Laffers gefeierter Kurve. Man konnte die Steuersätze senken, sagte er, nicht weil man den Leuten gestatten sollte, mehr Geld auszugeben… sondern weil das in Wahrheit die Steuereinkünfte für die Regierung erhöhen würde. Genauso führte eine Einschränkung der Regulationen in manchen Bereichen zu einer Steigerung der wirtschaftlichen Aktivität, einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes, höheren Steuereinnahmen und zu mehr Geld und Macht für die Politiker.
Clever. Sehr clever. Und welchen Unterschied hätte es gemacht, wenn ihre Motive nicht genau die wahrer Konservativer gewesen wären? Sie waren auf dem Weg in die richtige Richtung; das hat ausgereicht. Aber heute ist es ein Vierteljahrhundert später. Heute fangen wir an, wirklich zu begreifen, was damals geschmiedet wurde: Das Entsetzen. Das Entsetzen, das noch vor uns liegt.
Die alten Konservativen wären glücklich über Steuersenkungen gewesen. Oder, wie wir alten Knacker sagen würden: Es hat noch nie eine Steuersenkung gegeben, die mir nicht gefallen hätte. Aber die alten Konservativen bestanden außerdem darauf, die Ausgaben zu reduzieren.
„Den Haushalt ausgleichen“ lautete ein alter Leitspruch der Konservativen. Die neuen Konservativen lassen das vollständig außer Acht. „Um die Defizite geht es nicht“, sagten sie. Doch es stellte sich heraus, dass sie eine andere Tagesordnung verfolgten. Und diese Tagesordnung verlangte nach Geld… nach viel Geld.
Und dann wurde Mr. Alan Greenspan geholt, um die Zentralbank zu leiten, und es sah nach Meinung vieler so aus, als würde die Regierung weiter in die Richtung der Laissez-Faire-Wirtschaft tendieren. Doch auch das stimmte nicht. Schon bald war das gesamte weltweite Finanzsystem so ausgerichtet, dass es auf eine verquere neue Weise funktionierte.