Aufschwung kommt nicht im Portemonnaie der Verbraucher an
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 3. November 2010, 13:00 Uhr
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die Arbeitslosigkeit sinkt, doch der Aufschwung kommt nicht im Portemonnaie der Verbraucher an.
Das bekommen auch die Einzelhändler zu spüren. Trotz des kräftigen Aufschwungs haben die deutschen Einzelhändler nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes im September preisbereinigt 2,3 % weniger eingenommen als im Vormonat. Es sei bereits der zweite Rückgang in Folge und zugleich der stärkste in diesem Jahr, teilte das Statistische Bundesamt mit.
Inflation frisst Einkommenserhöhungen auf
Dies ist auch kein Wunder. Die tariflich vereinbarten Monatsverdienste lagen im Juli nur um 1,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Laut Statistischem Bundesamt war der Zuwachs so gering wie zuletzt im Januar 2007. Bei vielen Tarifverhandlungen stand krisenbedingt die Beschäftigungssicherung und nicht die Tarifsteigerung im Vordergrund.
Gleichzeitig wurden die höheren Löhne und Gehälter fast vollständig von steigenden Lebenshaltungskosten aufgezehrt. Die Inflationsrate lag im Juli bei 1,2 Prozent. Die Reallöhne legten damit lediglich um 0,1 Prozent zu.
Und der kleine Rest, der von den Einkommenserhöhungen übrig blieb, wurde auch noch lieber für schlechte Zeiten auf die Seite gelegt, denn parallel teilte das statistische Bundesamt mit, dass die Sparquote auf 11,6% zulegte.
Hinweise auf zukünftige Inflation
Die sinkende Arbeitslosigkeit könnte nun jedoch den Ruf nach hohen Lohnsteigerungen wecken. Bei der derzeitigen Geldpolitik könnte dies in einer Lohn-Preis-Spirale enden. Da sich die Unternehmen bedingt durch die aktuelle Krise auf der Kostenseite bereits stark verschlanken mussten und weitere Kostensenkungen kaum mehr möglich sein dürften, können höhere Kosten aus Lohnsteigerungen nur durch Preiserhöhungen kompensiert werden, was wiederum bei anhaltend guter Konjunktur den Ruf nach weiteren Lohnsteigerungen füttern dürfte.
Leitzins für Deutschland zu niedrig
Gerade aus deutscher Sicht ist der Leitzins viel zu niedrig. Aber die EZB macht Geldpolitik für die ganze Euro-Zone. Und hier sind Zinserhöhungen nicht absehbar.
Wie stark die Kluft innerhalb der Euro-Zone mittlerweile ist, konnte man kürzlich in einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) nachlesen. Ablesbar war dies demnach am Wert des von der Europäischen Kommission veröffentlichten Konjunkturklimas. "Der Index misst die Stimmung der Konsumenten, Dienstleister und Industriefirmen in der EU. Während der Wert für Deutschland weiter anstieg - von 113,2 auf 113,5 Punkte - bewegt er sich in Ländern wie Griechenland oder Portugal auf weit niedrigerem Niveau. In Portugal sank er von 92,7 auf 90,7 Punkte, bei den Griechen gab es nur eine leichte Besserung auf desolate 67,3 Punkte.", war dort zu lesen. Auch was zu lange niedrige Zinsen für Deutschland bedeuten können: "Zudem gebe es das Risiko von Vermögensblasen. Kreditbooms und starke Entwicklungen bei den Vermögenspreisen - etwa Immobilien- oder Aktienmärkten - seien Phänomene, die in solchen Situationen typischerweise aufkommen."
Wo ist das versprochene "Mehr Netto vom Brutto"?
Alle bisherigen geldpolitischen Maßnahmen haben sicherlich geholfen, der Wirtschaft weltweit wieder auf die Beine zu helfen. Doch der Binnenkonsum in Deutschland hat vor dem Hintergrund der gerade genannten Daten keine Chance.
Mehr netto vom brutto - mit diesen Versprechungen war die FDP in den Wahlkampf gegangen. Trotz milliardenschwerer angeblicher Entlastungen für die Bürger gilt dieses Versprechen für mich als nicht eingehalten. Aus meiner Sicht können nur die ebenso längst versprochenen Steuererleichterungen und meiner Meinung nach zwingend erforderliche Steuersenkungen den Binnenkonsum ankurbeln.
Ganz anders das Bild in den USA
Ganz anders das Bild in den USA. Hier haben höhere Konsumausgaben, die rund 70 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung ausmachen, die US-Wirtschaft im dritten Quartal wie erwartet wachsen lassen. Der private Konsum zog im abgelaufenen Vierteljahr um 2,6 Prozent an. Laut der FTD war dies das größte Plus in einem Quartal seit den letzten drei Monaten des Jahres 2006.
Das Wirtschaftswachstum lag bei 2%. Doch um die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit der USA zu verringern wird nach Angaben der US-Notenbank Fed ein Wirtschaftswachstum von 2,5 bis 2,8 % benötigt. Vor diesem Hintergrund werden die von mir hier bereits seit langem angekündigten weiteren Maßnahmen der Fed (Quantitative Easing II) am heutigen Tage erwartet. Hiervon werden die kurzfristigen weiteren Marktbewegungen abhängen !!!
Rohstoffe könnten nochmals kurzzeitig zulegen
Je größer die neue Liquiditätsspritze ausfallen wird, desto schwächer wird der US-Dollar und desto stärker dürften die in US-Dollar gehandelten Rohstoffpreise erneut nach oben tendieren.
BoJ steht Gewehr bei Fuß
Eine weitere geldpolitische Lockerung dürfte zudem andere Notenbanken in Zugzwang bringen. So zog die Bank of Japan (BoJ) sogar ihre nächste Sitzung auf Freitag vor, so dass sie nun in dieser Woche kurz nach der heutigen Fed-Entscheidung stattfinden wird. Beschließt die US-Zentralbank weitere Wertpapier-Käufe, dürfte Japan entsprechend reagieren.
Der Begriff Währungskrieg, den ich bereits erstmalig in meinem Bericht vom 06. Oktober verwendet habe, bekäme hiermit neue Nahrung. (Inzwischen wird dieser Begriff auch in den Medien inflationär verwendet.)
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von supfi (03.11. 2010 13:10 Uhr):
Hallo, Sie haben vergessen, dass der Staat durch Abgabenerhöhungen alles auffrisst was noch übrig bleiben sollte von bescheidenen Einkommensverbesserungen. Real wird das Einlommen deutlich sinken.
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (03.11. 2010 17:27 Uhr):
Guten Tag! - - - Völlig richtig. Sicherlich ließen sich noch weitere Gründe für effektiv weniger Geld in den Taschen finden. Ich denke damit ist aber bereits jetzt klar, wo die Reise hin geht. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (03.11. 2010 17:27 Uhr):