Aufregung um moralisch anstößiges Anlagemodell der Deutschen Bank
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Fonds
vom 9. Februar 2012, 14:30 Uhr
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echte Geschäfte mit dem Tod, machen nur Bestatter, meinen diejenigen, welche die Welt für einen moralisch makellosen Ort halten. Denn längst wird mit dem Lebensende noch anderweitig Geld verdient - nämlich mit Finanzwetten auf das Ableben eines ausgewählten Personenkreises.
Wie ich dieser Tage im Handelsblatt" lesen musste, hat ausgerechnet der Bankenprimus Deutsche Bank einen "Todesfonds" aufgelegt. Hinter dem unscheinbaren Namen DB Kompass Life 3 Fonds verbirgt sich ein Konzept, dass laut dem deutschen Bankenverband eine Verletzung der Menschenwürde darstellt. Denn dieser Lebensversicherungsfonds geht Wetten auf den Tod von 500 "echten" Menschen ein.
Im Detail funktioniert das wie folgt: Die Deutsche Bank sucht sich für das Anlageprodukt, von dem es mittlerweile sogar die dritte Auflage gibt - 500 "Referenzpersonen" im Alter zwischen 72 und 85 Jahren aus. Diese werden in regelmäßigen Abständen durch eine engagierte "Tracking Company" kontaktiert, um den Gesundheitszustand abzufragen. Aus den Ergebnissen dieser Befragung ermittelt die Agentur die durchschnittliche Restlebensdauer der gesamten Gruppe. Die Rendite des Fonds der Deutschen Bank richtet sich entsprechend danach, wie schnell diese Menschen dann tatsächlich sterben. Sollten sie im Durchschnitt viel länger leben, als es das Modell errechnet hat, verlieren Anleger einen Teil ihres Geldes. Und je früher die Referenzpersonen sterben, umso besser für den Anleger. Denn dann gibt's am Laufzeitende mehr Geld aufs Konto. Stirb schneller 2.0 - es ist traurig, aber wahr. Mit diesen Lebensversicherungsfonds soll die Deutsche Bank mittlerweile über 700 Mio. Euro bei Kleinanlegern eingesammelt haben.
Was uns abstößt, ist anderswo angesagte Investmentalternative
Ebenfalls traurig: Der deutsche Bankenverband ist erst mit der dritten Auflage dieses "Todesfonds" endlich auf die Idee gekommen, das Produkt einer genauen Prüfung zu unterziehen. "Dies ist mit unserer Wertordnung, insbesondere der in ihrem Mittelpunkt stehenden Unantastbarkeit der menschlichen Würde, kaum in Einklang zu bringen", zitiert der "Spiegel" ein Schreiben der Ombudsstelle des Bankenverbands an einen Anleger, der sein Geld zurückfordert. Nun seien die Gerichte gefragt. Es müsse geklärt werden, ob die "Wette auf die Lebensdauer eines ausgewählten Personenkreises nicht gegen sich aus unserer Sittenordnung ergebende Verhaltensverbote verstößt".
Was uns und unseren Wertvorstellungen völlig abstrus vorkommt, ist anderswo längst traurige Normalität. Makabere Finanzprodukte sind laut Aussage eines Kollegen gern gesehene Anlagevehikel. So bieten Finanzdienstleister in den USA Fonds an, wo man auf die Wahrscheinlichkeit spekulieren kann, wann ein Arbeiter in einem Chemiekonzern an Krebs erkrankt - eine wirklich kranke Welt. Das hat mit klassischem Investment absolut nichts mehr zu tun. Und selbst im altbewährten Wettgeschäft hat solch ein Konzept nichts verloren.
Umso mehr hoffe ich, dass diese 500 Menschen lange leben.
In diesem Sinne, Ihnen allen einen erfolgreichen Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Anonym (09.02. 2012 14:57 Uhr):
Hallo, war selbst i. d. V. ein "Opfer" dieser Betrügerei, kann von dieser "Kleinanlegerabzocke" nur abraten. Also: Finger weg ! Mit Gruss an den Verfasser
Antworten - Kommentar von Peter Bonenberger (09.02. 2012 15:33 Uhr):
Wenn jemand eine Risiko-Lebensversicherung abschliesst wägt der Vericherer die Chancen ab, ob der Versicherte den Ablauf erlebt. Für mich klingt das wie eine Wette:. Ist das unmoralisch? Wenn jemand seine Versicherungspolice nicht mehr bezahlt, verliert er sein Geld, wenn er sie aber verkauft, weil er sie sich nicht mehr leisten kann, bekommt er Geld dafür. Ist das unmoralisch? Ihre Behauptung nun ist, dass derjenige der ihm/ihr das Geld gibt handelt unmoralisch? Es wäre Ihrer Meinung nach also moralisch, wenn der Versicherungskunde kein Geld zurückbekommt und alles verliert? Worauf stützt sich das Moralverständnis des Bankenverbandes? Mehr Profit ist mehr moralisch?
Antworten - Kommentar von Albert Karl (09.02. 2012 18:04 Uhr):
Vielen Dank, Frau Bach, für diesen Bericht. Hätte mich auch gewundert, wenn die amerikanischen Finanzdienstleister nicht auch ähnlich makabere Anlagevehikel im Portfolio anzubieten haben. Andererseits habe ich in einem Börsenkommentar des von mir sehr geschätzten Rainer Heißmann gelesen, dass etliche Manager von Hedgefonds nach einem Bericht in der "New York Times" eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte planen. Inhalt der Klage: "Griechenland kann seine Schulden nicht zurückzahlen. Dafür wird ein Haircut (Schuldenschnitt) immer wahrscheinlicher. Dies, so die findigen (oder windigen?) Anwälte der Hedgefonds, sei aber ein einseitiger Eingriff in das Eigentumsrecht der Hedgefonds, die die Anleihen halten. Und das Eigentumsrecht ist in der EU Menschenrecht." Die haben vielleicht Probleme: die Verletzung der Menschenrechte durch verloren gegangene Rendite! Da kann man doch nur noch sagen: Krankhaftes Verhalten! Auch erinnere ich in diesem Zusammenhang an die vergangenen Geschäfte, die einige Hedgefonds zusammen mit Goldman Sachs eingefädelt haben. Es wurden Finanzderivate emittiert, bei denen von vornherein klar war, dass deren Käufer Verluste erleiden würden. Denn der Gegenpart war ein Hedgefonds, der über Goldman Sachs dieses miese Geschäft in die Wege geleitet hatte und "dringend" Käufer von Finanzderivaten suchte, die mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit im Kurs fallen würden. So kam es dann auch. Anleger wurden betrogen. Der Hedgefonds gewann eine Milliarde Dollar, dank seiner "Bankster" bei Goldman Sachs. Gruß, Ihr A.K
Antworten - Kommentar von Detlef Dirksen (09.02. 2012 22:13 Uhr):
Guten Abend, ich kann dem Beitrag nur zustimmen, denn auch ich finde die Wetterei auf den Tod nicht unseren abendländischen Wertvorstellungen passend sondern abscheulich. Ist damit bewiesen, wohin der Weg des Herrn Ackermanns mit seinen Renditeforderungen führt??? Viele Grüße Detlef Dirksen
Antworten - Kommentar von Klemens S (09.02. 2012 23:57 Uhr):
auch wenn in letzter Zeit immer mit der anderen Seite der Medaille in den Medien Angst geschürt wird: für die "Manager" der gesetzlichen Rentenversicherung ist jeder früh ablebende Rentner ein Gewinn. Und schaut man sich die Rürup-Rente an, so wirkt sich ein frühes Ableben auch hier positiv auf die Versichertengemeinschaft aus - das noch nicht ausgezahlte Rentenvermögen verfällt nämlich.
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- Kommentar von Hansjörg Kelderer (10.02. 2012 13:06 Uhr):
Liebe Frau Bach, Ihr Artikel hat mich sehr gefreut! Sie haben absolut recht, dass Anlage- und Lebensversicherungsfonds, die auf den Tod von echten, ausgesuchten Menschen wetten, total unmoralisch sind! Die Verantwortlichen der Deutschen Bank und die Verantwortlichen in den USA oder anderswo, die solche Fonds anbieten, sollte man alle ins Gefängnis werfen! Solche Leute sind absolut pervers, skrupellos und verletzen die Menschenwürde! Ich hoffe sehr, dass die Deutschen Gerichte solche Anlage- und Lebensversicherungsfonds verbieten! Und ich hoffe wie Sie, dass die von diesen Fonds ausgewählten Menschen länger leben und die perversen, skrupellosen Anleger und Anlegerinnen, die solche Fondsanteile gekauft haben ALLES VERLIEREN ! Viele Grüsse Hansjörg Kelderer
Antworten - Kommentar von Anonym (10.02. 2012 15:03 Uhr):
Das sind also illegale Wettspiele, die noch dadurch manipuliert werden können, indem regelmäßige Gesundheitschecks durchgeführt werden, wie und durch wen dieseTracking Companys sich auch engagieren mögen, wie kriminell ist das denn!!!
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