Auf nach Osten, Amerika! – Teil 2
Dan Denning in Traders Daily
vom 15. Juli 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Nein. Ich behaupte nicht, dass es "dieses Mal anders ist". Die grundlegende wirtschaftliche Betrachtung hinter diesem Konjunktur- (und/oder Kredit)- Zyklus bleibt weiterhin gültig. Frühzeitige Anlagegeschäfte, die auf einer realen Nachfrage basieren, bringen gute Zeiten. Gute Zeiten bringen einfache Kredite. Einfache Kredite bringen größere Investitionen, unter denen sich dann auch einige schlechte befinden.
Während Geld und Kredit zunehmen, steigen die Kurse. Steigende Kurse bringen neue Investitionen der Rohstoffproduzenten nach sich. Letztendlich übersteigt das Angebot die Nachfrage, Kredite ziehen an und die Periode des Wachstums endet in einer Inflation, eine Kraft, die die Nachfrage abbaut.
Dort befinden wir uns also nun?
Irgendwie schon.
Ich bin übrigens 2005 nach Australien gezogen, da ich beim Rohstoffboom einen Platz in der ersten Reihe haben wollte. Es gibt hier eine weit verbreitete Theorie, die besagt, dass Chinas Wirtschaft nach den Olympischen Spielen abschwächen wird. Das ist auch nach den olympischen Sommerspielen in Sydney so geschehen.
Diese Theorie passt sehr schön zu einer anderen Theorie von anderen Analysten, die besagt, dass der industrielle Boom Chinas beinahe ganz an den amerikanischen Konsum angelehnt ist. Wenn in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 aufgrund der Kreditkrise die amerikanische Verbraucherwirtschaft nachgeben wird, wird China nichts nach Amerika verkaufen können. Und wenn chinesische Anbieter keine Endprodukte an amerikanische Verbraucher verkaufen können, dann werden sie auch keine australischen Rohstoffe mehr brauchen!
Puff, das war's mit dem Rohstoffboom!
Das einzige Problem an der Theorie ist wohl, dass sie kompletter Unfug ist.
Amerikaner, die glauben, dass der Boom in China abhängig vom nicht länger tragbaren amerikanischen Konsum ist, sind bedauerlicherweise falsch informiert, oder aber sie verschließen sich ganz bewusst gegenüber der sich verändernden Struktur der globalen Wirtschaft.
Die Fakten sprechen für sich. Aber was sind das für Fakten? Die Verstädterung und die Industrialisierung in den Entwicklungsländern verbrauchen intensiv Ressourcen. Die Bevölkerungen (in China, Indien, Brasilien und dem Nahen Osten, Vietnam und Malaysia) bauen keine Ökonomien auf, um den Launen der amerikanischen Konsumenten gerecht zu werden.
Sie bauen Abwassersysteme, Brücken, Fabriken, Autos, Straßen, Eisenbahnverbindungen, Flughäfen, Kraftwerke, Supermärkte, Kinos und vielleicht auch Läden der Kette Wal-Märt. Die Studien hier in Australien - sowohl die der Rohstoffunternehmen als auch die der Analysten - haben gezeigt, dass sogar australische Rohstofffirmen selbst die Intensität der Nachfrage nach australischen Ressourcen weit unterschätzt hatten.
Ein großer Teil der Nachfrage betrifft Stahl für die Infrastruktur, Wohnungs- und Gewerbeimmobilien. Australien hat einige der reichsten Eisenerzvorkommen der Welt, von sehr hochwertigem Eisen aus der Pilbara Region über Steinkohle aus dem Bowenbecken im Bundesstaat Queensland, hin zu Olympic Dam im Bundesstaat South Australia, und Lagerstätte von 17% der bekannten Uranreserven weltweit.