Auf Jahreshoch ...

in Investors Daily
vom


von Martin Weiss

Auch in den vergangenen Tagen setzte der Dax seinen Aufwärtstrend fort. Am Freitag ging er auf einem neuen Jahreshoch ins Wochenende.

Sicherlich, der aktuelle positive Trend bei den deutschen Standardwerten – aber auch bei den Nebenwerten – ist nach wie vor intakt. Insofern wäre es keine große Überraschung, wenn sich diese Entwicklung in nächster Zeit fortsetzen würde. Wie schon in der vergangenen Woche betont, bleiben einige deutsche Titel gerade im Hinblick auf hohe Dividendenrenditen auch für internationale Anleger interessant. Insofern dürfte bis zum Ende der Dividendensaison ein grober Absturz eher unrealistisch sein. Es sei denn, einige unerwartete innere bzw. äußere Verwerfungen treten ein.


Wie auch immer, momentan scheinen die Anleger keinerlei Angst vor unvorhersehbaren Ereignissen mehr zu haben. Der V-DAX schickt sich an, die Tiefstände aus den Jahren 1992 bzw. 1996 zu testen. Aber es dürfte letztlich sehr fraglich sein, ob das ganze Jahr 2005 von einer solch geringen Schwankungsintensität geprägt sein wird. Insofern dürfte es richtig spannend werden, wenn die Dividendensaison beendet ist.

Inzwischen vermag sich die Lage der deutschen Binnenwirtschaft kaum zu verbessern. Täglich verliert das Land nach Expertenschätzungen ca. 1.000 Arbeitsplätze.

Die Gesellschaft vollzieht eine sich immer schneller beschleunigende Spaltung bzw. Trennung zwischen den einzelnen Schichten. Die Zahl der überschuldeten Haushalte ist seit 1999 um satte 350.000 gestiegen. Die Zahl der Armen gar um eine Million.

Ein Ende der Insolvenzwelle ist ebenfalls nicht in Sicht. Im November 2004 gab es wiederum einen deutlichen Zuwachs auch bei den Firmenpleiten, und zwar um beachtliche 9,1 Prozent im Vergleich zum ohnehin schon schlechten Vorjahr 2003. Noch gravierender war der Zuwachs der Insolvenzen bei den Verbrauchern. Deren Zahl nahm im Vergleich zum November 2003 um ganze zwei Drittel zu.

Weiter spitzt sich die Lage der Sozialkassen dramatisch zu. Insofern gibt es bereits erste Warnungen, dass der deutsche Sozialstaat (bisheriger Prägung) die nächsten zehn Jahre wohl kaum überstehen wird.

Gerade die Angst vor Altersarmut wird aber bewirken, dass die Menschen von ihrem eher tendenziell rückläufigen Realeinkommen noch mehr auf die hohe Kante legen werden. Zusammen mit weiteren Verteuerungen (vor allem bei den Energie- bzw. Gesundheitskosten) dürfte die Hoffnung auf einen wirklich nachhaltigen Turnaround bei der Binnennachfrage wohl eher weniger realistisch sein.

In den USA hingegen jubilierten die Bullen vor allem über das niedriger als erwartet ausgefallene Handelsbilanzdefizit für den Monat Dezember 2004. Oftmals übersehen wurde, dass dies hauptsächlich darauf zurückzuführen war, dass der Ölpreis ja den größten Monatsverlust der letzten 14 Jahre hinnehmen musste. Der Gesamtwert des in die USA importierten Öls ging im Monatsvergleich um über zwei Milliarden Dollar zurück. In letzter Zeit hat sich der Ölpreis aber wieder von der Tendenz her nach oben entwickelt. Insoweit dürfte in den nächsten Monaten das Handelsdefizit eher wieder zunehmen.

Wie dem auch immer sein mag, der Goldpreis schickt sich langsam aber sicher an, einen festen Boden zu bilden Die 200-Tage-Linie (beim Goldpreis in $) wurde erfolgreich getestet. Am Freitag ging das gelbe Edelmetall über der Marke von 420 US-Dollar aus dem Handel. Auch Anleger in der Eurozone konnten sich ein wenig freuen, zumal die Notierung für die Feinunze wieder in den Bereich von 330 Euro vordringt.

Apropos Altersarmut, gerade vor dem Hintergrund künftig (vor allem wegen der weltweit gigantisch hohen Schuldenberge) zu erwartender negativer Realverzinsungen der meisten Finanzanlagen (sprich, die erzielbaren Zinsen sind geringer als die wahre Jahresinflationsrate) dürfte es sehr ratsam sein, auch das gelbe Edelmetall in die enge Auswahl für die Altersvorsorge zu nehmen.

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Dr. Martin Weiss
Dr. Martin Weiss

An der Wall Street ist Dr. Martin Weiss eine Institution. Ein unbequemer Analyst, der kritische Fragen stellt, Missstände aufdeckt und Skandale beim Namen nennt.


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