Auf die Gegenbewegung achten!
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 10. April 2006 18:00 Uhr
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Nach einem blutroten Freitag krabbelte sich der Dax heute ins Plus. Eine normale Gegenbewegung. Ich hätte allerdings angesichts steigender Ölpreise und der dafür mitverantwortlichen Nachrichten, dass das weiße Haus mit Planungen massiver Bombenangriffe gegen die USA begonnen hätte, mit schwächeren Kursen gerechnet.
Aber ich glaube dem Dax montagsmorgens sowieso erst einmal überhaupt nichts. In den überwiegenden Fällen spielt er montags falsch. Aber natürlich will er die 6000er Marke von unten testen, keine Frage.
Warren Buffett bullish
Äußerst amüsant finde ich die Nachricht, dass der 75 jährige Milliardär und Börsenguru Warren Buffett nun auch indirekt auf steigende Aktienindizes setzt. Das geht aus einer Pflichtmitteilung an die US-Wertpapieraufsicht SEC hervor. Allerdings haben die Scheinchen eine Laufzeit von 15-20 Jahren und sind eine Art Wette darauf, dass vier bisher nicht genannte Indizes in dieser Zeit nicht einbrechen werden.
Was mein bearisher Kollege Bill Bonner nun macht? Schließlich war Warren Buffett ihm doch immer wieder ein willkommener Streitgefährte in seinen Argumentationen, wenn es um den Untergang der USA, respektive des Dollars, also auch der US-Börsen ging.
Ja, die Bären haben es zunehmend schwer angesichts der immer noch starken US-Wirtschaft und angesichts eines Dollars, der seit über einem Jahr trotz aller Unkenrufe einfach nicht mehr weiter einbrechen will. (Was kein Argument dafür ist, dass er das nicht noch tun wird, aber wie immer geht es hier um das "wann".)
Ob es allerdings ein gutes Zeichen ist, dass die Bären es schwerer haben, überlasse ich Ihrer ganz eigenen Interpretation.
Wie immer auf die Gegenbewegung achten
Zurück zu dem Einbruch:
Es ist wie so oft nach so einem Einbruch. Wenn die Kurse sich erholen, wächst auch wieder die Zuversicht der Anleger. Aus Panik wird schnell wieder Gier. "Es war ja alles nicht so schlimm, kommt schon, die Rallye geht weiter, sie ist bisher immer weiter gegangen!"
Wenn Sie mich schon länger lesen, wissen Sie, dass für mich grundsätzlich die Gegenbewegung nach einem solchen Einbruch wesentlich aussagekräftiger ist, als der Einbruch selbst.
Denn erst diese Gegenbewegung zeigt an, wie viele Menschen noch tatsächlich kaufen wollen und kaufen können. Erst wenn keine neuen Hochs mehr ausgebildet werden und immer tiefere Bewegungstief, dann stimmt etwas mit dem Markt nicht. Und das ist noch nicht der Fall.
Sorgenvolle Anleger
Mich haben am Wochenende einige sorgenvolle Mails, aber auch einige ebenso sorgenvolle Anrufe erreicht. Ich habe immer wieder beschwichtigend die gleichen Worte wiederholt: Noch ist nichts passiert, wir haben gerade in der letzten Woche noch ein neues Jahreshoch im Dax ausgebildet. Die Rally ist insoweit noch vollkommen intakt. Noch muss man sich keine Sorgen machen. Noch sollte man ausreichend Long positioniert bleiben. Aber die Warnzeichen müssen beachtet werden.
Warnzeichen
Ein Warnzeichen in diesem Fall ist, dass die Gefahr weiter steigender Zinsen in den USA durchaus zugenommen hat und offensichtlich von der einen US-Konjunkturzahl zur nächsten immer größer wird.
Ein weiteres Warnzeichen ist, dass die zehnjährigen US-Anleihen mittlerweile mit 4,96 % verzinst werden. Das hatten wir das letzte Mal vor vier Jahren. Die Gefahr wächst somit, dass immer mehr Kapital aus dem Aktienmarkt abfließt. Was passiert also, wenn es zu weiteren US-Zinserhöhungen kommt? Gibt es irgendwann einen Punkt, an dem die Anleger ihr Kapital zu ungunsten des Aktienmarktes neu diversifizieren? Wenn ja, wo wird dieser liegen. Das sind die eigentlichen Fragen, die über das Wohl und Wehe des US-Aktienmarktes entscheiden werden.
Dax übertreibt wieder
Aber wie ich am Freitag unter "US-Konjunkturdaten" bereits geschrieben habe: Der Dax übertreibt, warten wir ab, was die Amis daraus machen, insbesondere heute. Schließlich wartet noch die Ertragssaison. Und wirklich bullish sind die Anleger in den USA auch nicht.
Also werde ich abwarten, was heute passiert, wie sich die Amis heute halten, besonders in der letzten Handelsstunde. Auch das wird weitere Hinweise darüber liefern, wie es um den Markt bestellt ist.
Die Ertragssaison soll, wie gesagt, besser ausfallen, als bisher gedacht, das kann die Kurse noch ein Weile stützen. Allerdings habe ich beim Ölpreis das Gefühl, dass Kurse von 72 bis 74 Dollar (sweet light crude) durchaus noch möglich sind (Übrigens, es war, wie hier ausführlich dargestellt, tatsächlich ein Doppeltop und das obwohl nur ein einzelnes Kriterium nicht ganz gestimmt hat.)