Auf den Schultern der amerikanischen Verbraucher
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 13. September 2007 12:00 Uhr
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Es ist jetzt gerade ungefähr ein Jahr her, dass Zentralbanker, die Weisen der Wirtschaft und die Finanzexperten vorausgesehen haben, dass wirtschaftliches Wachstum nicht nur ordentlich in Fahrt kommen würde... sondern auch, dass es unabhängig von amerikanischem Konsum erzielt werden kann. Eine „gute Sache“ verkündeten die Martha Stewards der Weltwirtschaft: Letzten Endes hat Wachstum, welches durch die amerikanische Bereitschaft viel Geld zu verdienen und noch mehr auszugeben etwas ungebührliches an sich.
Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es den Menschen anderswo nicht gefällt, sich selbst als abhängig von den amerikanischen Konsumenten zu sehen (die sie so gut aus den Dokumentationen und Büchern von solchen Wahnsinnigen wie Michael Moore kennen).
Natürlich bleibt das Problem, dass die Binnennachfrage in Ländern wie Deutschland, China und Japan nicht das ist, was man erwarten würde: In Deutschland haben eine Fußballweltmeisterschaft und eine drohende Mehrwertsteuererhöhung im vergangenen Jahr einen besseren Stimulus zum heimischen Konsum geliefert, als all die dringend notwendigen Steuerreformen der Merkelregierung zusammen. Und weder Peking noch Tokio fühlen sich allzu sorglos, dass der eine gemeinsame Faktor, der ihre Ökonomien weiter expandieren lässt, in der Bereitschaft der amerikanischen Konsumenten zu suchen ist, Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen, und das von Geld, das sie nicht haben.
Die einfache Lösung besteht darin, Kredite für die amerikanischen Konsumenten günstig zu halten, indem man amerikanische Schulden kistenweise aufkauft.
Trotz all der Predigten über die amerikanische Schulden und Handelsungleichgewichte, ruht die Gesundheit der weltweiten Wirtschaft und der Finanzmärkte in Wirklichkeit immer noch auf den Schultern der amerikanischen Verbraucher. Wenn einige tausend Hausbesitzer mit geringem Einkommen nicht in der Lage sind, ihre Kredite zurückzuzahlen, die ihnen vor zehn Jahren kein vernünftiger Banker der alten Schule bewilligt hätte, dann werden die weltweiten Märkte um 10% und vielleicht um 15% einbrechen.
Wenn der amerikanische Arbeitsmarkt 4.000 Jobs verliert und keine Kerbe in der Gesamtarbeitslosenrate von 4,6% hervorruft, dann werden die Märkte von Tokio bis Timbuktu wie Blei fallen, wenn die ortsansässigen Chicken Littles herumlaufen und von der amerikanischen Rezession schnattern.
Es wirkt ganz so, als sei die Weltwirtschaft nicht ganz so immun gegen einen möglichen amerikanischen Konjunkturrückgang, wie die Experten einst dachten – ganz besonders nachdem sie ihre eigenen Befreiungen vom Übermaß haben, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. In Spanien sind die Bauanträge im Mai um beachtliche 21% zurückgegangen. Irische Hauspreise haben im Juli ihren ersten Rückgang im Jahresvergleich seit mindestens einem Jahrzehnt gezeigt. Britische Verbraucher schulden heute 2,7 Billionen auf Kreditkarten, Hypotheken und Verbraucherkrediten – mehr als das wirtschaftliche Output des Vereinigten Königreichs.
Haushaltsschulden liegen im Verhältnis zum verfügbaren Bruttogesamteinkommens heute bei 166%, verglichen im 127% in den Vereinigten Staaten. Britische Banken haben im vergangenen Jahr Forderungsausfälle von 18 Milliarden Dollar abgeschrieben.
Das thailändische Exportwachstum ist im Juli und August auf eine Jahresrate von ungefähr 6% gefallen, von 18,1% im Juni. Malaysische Exporte sind im Juli den zweiten Monat in Folge zurückgegangen.
Und in China dehnen sich die Schnorrerschulden im Wert von einer Billion Dollar in der gleichen Geschwindigkeit wie die Kreditexpansion um 15% im Jahr weiter aus.
Bedenkt man die unsichtbaren Geheimzimmerchen der amerikanischen Tradingpartner, dann scheint es nicht nur so, als hinge das Wohlergehen der Finanzmärkte von glücklichen amerikanischen Konsumenten ab... sondern auch, als sei das Fortdauern des aktuellen Systems des Leihens und Kaufens deutlich effektiver – und günstiger – als eine gründliche Reinigung des globalen Systems.