Auf dem Weg in unerforschte Gebiete
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 24. November 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Ja, liebe Leser, wir sind auf dem Weg in Gebiete, in denen noch nie ein Mensch war... auf dem Weg in die Wildnis.
Rund um uns ist nur unberührtes Land. Niemand ist je hier gewesen. Aber passen Sie auf, diese Unberührten sind bösartige Amazonen. In dieser wilden Region kann man vergessen, die Puppen tanzen zu lassen. Darüber, reich zu werden, sollte man noch nicht einmal nachdenken. Reichtümer? Wenn Sie welche haben, dann verstecken Sie sie.
Luxus? Wer braucht so etwas überhaupt? Das Beste was Sie erreichen können, ist zu überleben.
Und irgendwann, vielleicht erst in Jahren, können wir versuchen, unser Finanzleben wieder in Ordnung zu bringen... und weiter zu machen.
Nie zuvor habe ich gesehen, dass so viel Vermögen in so kurzer Zeit verschwunden ist. Die jüngsten Berichte von MSCI zeigen die Verluste des Planeten aus dem Ausverkauf von Wertpapieren. Diese Verluste machen mittlerweile 30 Billionen Dollar aus - oder mehr als das Doppelte des Bruttoinlandsproduktes der Vereinigten Staaten.
Und das sind nur die Aktien. Die gemeldeten Abschreibungen und Verluste aus den Kreditkarten haben schon fast eine Billion erreicht. Und die Verluste aus den Immobilienpreisen haben allein in den Vereinigten Staaten - dem einzigen Land mit verlässlichen Zahlen - fünf Billionen Dollar erreicht.
Außerdem habe ich noch nie eine so schnelle Reaktion erlebt. Innerhalb von wenigen Monaten sind die Leute von dem Glauben, dass nicht schief laufen kann zu dem Glauben gekommen, dass es nichts gibt, was nicht schief laufen wird. Wo sie einst glaubten, dass der Kapitalismus des freien Marktes sie reich machen würde... glauben sie heute, dass die Regierung sie davor retten kann, ärmer zu werden. Und wo man noch vor einem Jahr geglaubt hat, dass der Kapitalismus genau rechtzeitig" alles bringen würde, was man braucht, da glaubt man jetzt, dass man besser einige Schekel in der Hinterhand behält - nur für den Fall der Fälle.
Und sehen Sie sich nur die Anleihen an! Vor wenigen Monaten haben die Anleger noch nach den Erträgen gegriffen. Jetzt ist es die Sicherheit, auf die sie aus sind. Sie lassen die Unternehmensanleihen fallen, weil sie Angst haben, dass sie toxisch" sein könnten und greifen stattdessen mit beiden Händen nach den Anleihen des amerikanischen Finanzministeriums. Die Anleger scheinen ein unbegründetes Vertrauen in die volle Vertrauenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit des größten Schuldners der Welt zu haben. Die Erträge auf die Schatzanleihen über 91 Tage sind auf 0,11% gefallen - das ist knapp ein Zehntel eines Prozents.
Ja, liebe Leser, die "Große Abwicklung"... die "Große Krise"... die Große Entschuldung" - wie auch immer Sie es nennen wollen, so etwas haben wir noch nie zuvor erlebt.
Aus den jüngsten Nachrichten aus Amerika erfahre ich, dass Immobilien in vier von fünf Städten immer noch im Wert fallen. Die Frauen der Bauunternehmer verstecken die Schusswaffen und schütten den Whiskey aus; die Zuversicht ihrer Männer war nie geringer, heißt es in einem Bericht aus der vergangenen Woche.
Große Städte... kleine Städte... in den fortschrittlichen Städten und draußen auf dem Land, die Geschichte ist überall die gleiche. Das Wall Street Journal berichtet, dass der Einbruch der Erntepreise" dem Boom in den Provinzen ein Ende macht.
Die Preise der amerikanischen Hersteller sind im Oktober um 2,8% eingebrochen - um mehr als je zuvor. Und die großen drei Automobilhersteller sagen, dass, wenn sie nicht bald Hilfe bekommen, die Folgen katastrophal" sein würden.
Gleichzeitig löst sich an der sonnigen Küste Kaliforniens ein ganzer Staat in Flammen auf... dieser Staat ist nicht nur insolvent, er brennt auch nieder.
Ich muss jeden Morgen mein Auto abstauben", berichtet meine Tochter Maria, die kürzlich in Los Angeles angekommen ist und hofft, beim Film groß herauszukommen. Es ist gespenstisch... es ist immer etwas Rauch und Ruß in der Luft."
Nicht nur die Krise ist anders als jede zuvor... das Gleiche gilt für die weltweiten Bemühungen, sie zu beenden. Überall auf der Welt machen sich die Regierungen mit außergewöhnlichen Maßnahmen auf den Weg in die Wildnis". Sie mobilisieren die Truppen, um die Krise in den Sitzungssälen zu bekämpfen. Sie werden die Krise an den Aktienmärkten bekämpfen. Sie werden sie zuhause bekämpfen - mit einer Häuserschlacht, um Zahlungsverzüge und Zwangsvollstreckungen zu verhindern.
Sie werden im Ausland kämpfen - die amerikanische Regierung verleiht sogar Geld an ausländische Regierungen. Sie werden die Krise mit Krediten und Geschenken bekämpfen. Sie werden sie mit ihrer Steuerpolitik bekämpfen. Und sie werden sie mit ihrer Geldpolitik bekämpfen. Sie werden mit jeder Waffe kämpfen, die ihnen zur Verfügung steht - darunter auch mit der Druckerpresse.
Und sie werden verlieren.