Auch tote Katzen springen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. Januar 2009, 07:30 Uhr
ENL5462
Was für ein schöner Tag in Paris. Es schneit. Die Straßen sind weiß. Und die Straßenlaternen, die Lichter in den Geschäften und die Lichter der Autos lassen alles hell schimmern. Es wäre ein schöner Morgen gewesen, um sich in ein Cafe zu setzen und dort eine Tasse Kaffee zu trinken.
Ich habe dafür aber keine Zeit. Ich sitze schon wieder an meinem Schreibtisch... es gibt ein neues Jahr, mit dem ich mich genauer auseinandersetzen muss... und es verspricht ein Prachtexemplar von einem Jahr zu werden. Das Problem mit diesem Jahr ist bislang nur, dass ihm die Fragezeichen fehlen... was vor uns liegt, ist ziemlich offensichtlich... zu offensichtlich.
Die Aktien der Welt steigen nach Kurserholungen in den Vereinigten Staaten, Anlass zur Hoffnung", kommt eine Schlagzeile von CNN/Money.
Der Dow ist am ersten Freitag des Jahres 2009 um 258 Punkte nach oben geschossen - Aktien waren drei Handelstage in Folge gestiegen. Öl war auf 46 Dollar geklettert, Gold auf 879 Dollar gefallen.
Die erwartete Wende schien auf dem Weg zu sein. In Amerika besagt ein Sprichwort, dass auch eine tote Katze springen kann, wenn sie nur tief genug fällt. Bedenkt man die Höhe, aus der diese Katze fällt, dann ist es nicht mehr überraschend, wenn sie um 30% und mehr zurückprallt... im Laufe der nächsten drei Monate.
Die Investoren haben im Jahr 2008 sehr schwere Schläge einstecken müssen. Es war das schlechteste Jahr in der Geschichte des Aktienmarktes. Sie werden davon ausgehen, dass dieses Jahr wohl besser werden muss. Und damit einher gehen viele Gründe, zu glauben, dass es dieses Jahr wieder rosiger werden wird.
Obama, der eben gewählte Präsident, spricht von Entlastungen in einem Roosevelt'schen Ausmaß. Er will die Arbeitslosenunterstützung und Medicare noch weiter ausdehnen. Aber er weiß, dass er den Bettlern an der Straße nicht einfach einige wenige Dimes zuwerfen kann. Er braucht Anreize, die die Leute aus den Socken hauen.
Die Wirtschaftswissenschaftler aus dem gesamten politischen Spektrum stimmen überein, dass wenn wir nicht zügig und kühn zur Tat schreiten, wir erleben werden, wie die Konjunkturschwäche sich noch verschärft", sagte er kürzlich.
Ich muss irgendwo im politischen Spektrum zu finden sein. Aber man hat mich nicht gefragt. Wenn man mich gefragt hätte, dann hätte ich erklärt, dass jeder Penny, den man für die Rettung ausgibt, erst aus den Ausgaben der Leute genommen werden muss, die ihn erwirtschaftet haben. Ich würde noch hinzufügen, dass es überhaupt kein wirtschaftliches Problem gibt. Die Märkte tun genau das, was sie tun müssen... sie räumen die Fehler der Blasenepoche auf.
Es ist ein politisches Problem und kein wirtschaftliches. Die Leute bezahlen nicht gern für ihre Fehler. Also jammern sie bei den Politikern. Und dann machen die Politiker die Sache noch schlimmer .... Indem sie verhindern, dass die Korrektur ihren Lauf nimmt.
Doch meine Hotline für Regierungsvorsitzende", die ich meinem Büro eingerichtet habe, bleibt weiter still. Also muss ich davon ausgehen, dass es Barack Obama ist, der da nicht anruft - zusammen mit jedem anderen Regierungsvorsitzenden auf dem Planeten Erde.
Mr. Obama geht davon aus, dass er etwas Spektakuläres tun muss... etwas, das den Eindruck erwecken wird, dass er die Sache wirklich noch einmal herumreißen kann. Er nennt das Projekt American Recovery and Reinvestment Plan'. [dt.: Amerikanischer Erholungs- und Reinvestitionsplan.]
Ach... hier gibt es allerdings einige Fragezeichen. Was soll sich hier erholen? Ich weiß es nicht... vielleicht die glorreichen Tage der Blasenepoche. Was wird reinvestiert? Ich komme auch hier nicht dahinter. Normalerweise werden Gewinne reinvestiert. Aber man braucht Gewinne, um sie reinvestieren zu können. Soweit ich sagen kann, war das Jahr 2008 ein Jahr der Verluste. Verluste kann man nicht reinvestieren.
Trotzdem weiß ich, was ARRP ist... es ist politisches Gewäsch. Und das soll uns jetzt bis zu einer Billion Dollar kosten. Zumindest verlangen die Gouverneure der Regierung das. Die Führung des Kongresses sagt, dass sie unter dem politisch aufgeladenen" Betrag von einer Billion Dollar bleiben will. Aber sie sagen auch, dass das Gesetz bis Februar nicht für Obamas Unterschrift vorliegen wird. Die Regierung braucht Zeit, um das Geld für die Stimmungsmache locker zu machen und zu verteilen - auch diesbezüglich gibt es keine Fragen. Bis sie damit fertig sind, sind es bestimmt eine Billion Dollar, die dazu genutzt werden, das Paket zu schmieren.
Anstieg der amerikanischen Verschuldung erwartet", verkündet die Washington Post das Offenkundige.
Alle diese zusätzlichen Schulden werden der Wirtschaft nicht gut tun, aber die Investoren werden sich vermutlich so fühlen, als wären die guten alten Tage zurück. Und eine Zeitlang wird es auch so sein.
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