Auch Naked Short Seller tragen Risiken
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 26. Mai 2010, 20:00 Uhr
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Dies sind zum einen Risiken, welche den Markt betreffen, aber auch solche die den Naked Short Seller selbst betreffen. (ja, tatsächlich)
Risiken für den Naked Short Seller
So wild und frei das Naked Short Selling im ersten Moment klingt - so ist der Naked Short Seller doch trotz allem gewissen Risiken unterworfen.
Und zwar gerade dann, wenn er in Lieferverzug gerät. In den meisten Fällen müssten jetzt die entsprechenden Clearing Stellen selbst tätig werden und im letzten Schritt die leeverkauften Aktien im Markt aufkaufen (damit sie an den Käufer geliefert werden können) - zu welchem Preis auch immer. Doch diesen Preis bezahlt der Naked Short Seller. Sein Risiko besteht also gerade dann, wenn er in Lieferverzug gerät, darin, dass er für die zu liefernden Aktien einen höheren Preis bezahlen muss und sein Trade im Verlust endet. Dabei ist das Verlustrisiko theoretisch unlimitiert - da eine Aktie ja theoretisch ins Unendliche steigen könnte. Noch problematischer wird das Ganze, wenn nicht mehr genügend freie Stücke im Markt vorhanden sind und der Preis der Aktie, aufgrund der hohen Nachfrage von Seiten der Short Seller, die nun gezwungen sind sich einzudecken, in astronomische Höhen schnellt (doch dieses Problem kann ebenso gut den normalen Short Seller betreffen).
Risiken für den Markt
Das höchste Risiko und mit Sicherheit das stärkste Argument gegen die Praxis des Naked Short Selling im Aktienmarkt ist, dass ein aggressives Naked Short Selling theoretisch dazu führen kann, dass mehr als 100% der ausgegebenen Anteile leerverkauft werden. Dadurch würde der Markt im Umkehrschluss von einer Masse nicht existenter Anteile überflutet werden, die den Kurs der Aktie massiv in den Keller drücken.
Doch, bei solch einem Vorgehen handelt es sich um eine reine Marktmanipulation und diese ist- so weit ich weiß - sowieso fast überall illegal.
Ich sage es einmal so: so lange derartige Marktmanipulation durch entsprechende Regularien verboten sind und der Naked Short Seller sein erhöhtes Risiko selbst zu tragen hat, sehe ich das Naked Short Selling auch im Aktienmarkt - zumindest in dieser Form - entsprechend als Sonderform des Short Selling an.
So long liebe Leser...verstehen Sie mich nicht falsch...dies soll keineswegs ein Plädoyer für bösartiges Vorgehen oder Halunkentätigkeit im Markt sein...doch wer sich sich auf die Suche nach Halunken macht, sollte wohl weniger bei den Leerverkäufern suchen....denn diese sind nun einmal ein normaler Bestandteil der Finanzmärkte, auch wenn sie bisweilen eine Richtung vorgeben mögen, die dem einen oder anderen nicht gefallen will....wenn die Politik wirklich etwas zu verbessern sucht, dann sollte sie vielleicht eher an Finanzderivaten rütteln, deren Risiken wirklich kein normaler Mensch mehr einschätzen kann, sie sollte vielleicht eher an die Türen derjenigen klopfen, die tatsächlich in betrügerischer Absicht handeln, dubiose Finanzprodukte verhökern, oder ganz aktuell, im Falle der Staaten, in ebenso dubioser Weise über ihre Verhältnisse leben...doch da dies wohl nie geschehen wird, betrachte ich das aktuelle deutsche Verbot einfach als eine weitere Episode in einer langen Geschichte von Staaten und Regierungen, die weder ihre Finanzmärkte, noch ihre Bilanzen verstehen und aus purer Verzweiflung, doch immer zu dem gleichen Mittel greifen, welches sie früher oder später sowieso wieder aufheben werden....bis morgen und liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Thomas Rodloff (27.05. 2010 07:06 Uhr):
Leerverkäufer sind wie ein Haufen Geier. Geier umkreisen ein krankes und/oder schwaches Lebewesen und fressen es NACH dem Tode. Sie jagen es nicht und töten es nicht. Niemand mag Geier. Aber sie sind nützlich und zeigen an, wo geschwächte Lebewesen herumkriechen. Eigentlich gibts doch für alles und jedes Indizes. Gibt es eigentlich auch ein Short-Selling-Index?
Antworten- Antwort von meschkat (27.05. 2010 10:00 Uhr):
gute Frage würde mich auch interessieren. Verboten ja - bisher sanktioniert wegen nein fehlender Beweisbarkeit deswegen der Ansatz
- Antwort von meschkat (27.05. 2010 10:00 Uhr):
- Kommentar von Helmut Höhenberger (27.05. 2010 09:28 Uhr):
Mich errinnert dieser (Re)Aktionismus an meine Kindheit ,ich habe ein Spielzeug oder eine Sache immer zerstört wenn ich sie nicht verstanden habe oder habe sie in eine dunkle Ecke verbannt!Problem beseitigt....schließt die Frankfurter Börse!....
Antworten - Kommentar von Karl Ernst Klier (27.05. 2010 22:22 Uhr):
Liebe Frau Kraus, Ihre Artikel finde ich meistens gut und richtig. Aber daß Sie sich für das "Naked Short Selling" verwenden, wundert mich doch sehr. Ich habe den Artikel "Wall Street's Naked Swindle" von Matt Taibbi vom 24.10.09 gelesen. Er beschreibt wie man Bear Stearns umgebracht hat. Es braucht keinen weiteren Kommentar dazu. Diese Art von Leerverkäufen wird von Kriminellen verwendet um große Profite zu machen, und wie es den Anschein hat, sind die Aufsichtsbehörden Komplizen dieser Kriminellen. Karl Ernst Klier
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