Auch in Deutschland haben wir solche "Milliardengräber"
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 22. September 2010, 13:00 Uhr
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Auch in Deutschland haben wir solche "Milliardengräber" wie in den USA. So bekam die in Deutschland ebenfalls verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE bzw. inzwischen Deutsche Pfandbriefbank) kürzlich weitere 40 Mrd. Euro Staatshilfen. Diese neuen Bürgschaften sollen laut Angaben der Soffin "den Neustart der HRE absichern."
Damit summieren sich die Kapitalhilfen für die HRE auf insgesamt 142 Mrd. Euro.
Dieses Geld fließt zwar nicht direkt an die HRE, sondern werden eben "nur" als Bürgschaft vergeben, aber der deutsche Staat steht mit dieser riesigen Summe im Risiko.
Empörung im politischen Berlin
Erst kürzlich gab es Äußerungen von HRE-Chefin Manuela Better, wonach für die HRE in 2011 sogar ein Gewinn möglich ist. Und so kamen die neuen Hilfen völlig ohne Ankündigung, was für besonders viel Empörung im politischen Berlin sorgte. Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler nannte die HRE gar eine "Zombie-Bank". Dieser Ausdruck ist aus der japanischen Bankenkrise bekannt und benennt Finanzinstitute, die nur noch durch staatliche Hilfen am Leben erhalten werden.
Die HRE ist mit 70 Mrd. EUR extrem stark im Euro-Raum engagiert und hier auch noch überdurchschnittlich in den schwächelnden Ländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal. Durch die Kursverluste der Anleihen belasten diese Investitionen nun die Bilanz.
Vor diesem Hintergrund und mit dem Wissen um die Brisanz der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac kann man für diese Maßnahmen vielleicht noch etwas Verständnis aufbringen. Was allerdings ein echter Skandal in meinen Augen ist:
Der eigentliche Skandal
Die Bundesregierung zahlt nach langem Zögern nun auch noch ausstehende Boni für die Mitarbeiter der HRE. Laut Angaben der Financial Times Deutschland summieren sich die Ausgaben auf 25 Mio. Euro. Und diese dreisten Mitarbeiter hätten andernfalls sogar mit Klagen gedroht.
Nur zur Einordnung: Im Geschäftsjahr 2009 hat die HRE allein einen Verlust von 2,2 Mrd. Euro erzielt.
Ich wünsche Ihnen ein glückliches Händchen
Sven Weisenhaus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von FatBobger (22.09. 2010 15:29 Uhr):
Sehr geehrter Herr Weisenhaus, stellen Sie sich vor sie haben einen leckgeschlagenen Supertanker mit Defekt in der Ruderanlage, der auf ein Fels zutreibt. Würden Sie einen "Billigkapitän mit Billigmannschaft" oder einen "Vollprofi" zur Rettung des Schiffes engagieren? Der Vollprofi kostet aber 10 mal soviel wie die Gurkentruppe. Man kann argumentieren, dass es sich bei dem Schiff eh um einen Seelenverkäufer handelt, der eine gute Mannschaft gar nicht verdient. Eine andere Argumentation wäre, dass nur eine gute Truppe die Umweltkatastrophe verhindern kann. Eine Voraussetzung dafür wäre dann aber, dass man die alte Mannschaft vorher mit Schimpf und Schande vom Schiff jagen müsste. Deshalb wäre es interessant zu wissen, wer jetzt wirklich von den Boni profitiert. Grüße Robert
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (23.09. 2010 09:52 Uhr):
Hallo Robert! - - - 1.400 HRE-Mitarbeiter haben seit Juni insgesamt rund 25 Mio. Euro Bonus-Zahlungen erhalten. Damit haben mehr als nur die "Kapitäne" des Dampfers !!! Erfolgsprämien !!! erhalten. - - - Die Öffentlichkeit soll damit beruhigt werden, dass kein Banker Bonus-Zahlungen von über 500.000 Euro erhalten hat. Doch wie können bei diesen Horror-Zahlen überhaupt !!Erfolgs!!-Prämien (Bonuszahlungen) fällig werden?! Zu begründen ist das nur mit bestehenden Vertragspflichten. Die Verträge wurde offensichtlich so formuliert, dass auch in Verlustjahren Bonus-Zahlungen möglich sind. Eine unglaubliche Situation! Denn in anderen Krisen-Branchen gibt es keine Bonus-Zahlungen. Dort ist es Belohnung genug, wenn man in Krisenzeiten noch seinen Job behält und das volle Gehalt bekommt. Erfolgs-Zahlungen sind daher strikt abzulehnen, wenn sich kein Erfolg eingestellt hat. - - - Natürlich kann man gutes Personal nur mit gutem Geld locken. Dennoch sollten Erfolgsprämien das bleiben, was der Name vorgibt. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (23.09. 2010 09:52 Uhr):