Auch die EZB beteiligt sich am Horror
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 5. Juni 2009, 17:00 Uhr
ENL5462
Liebe Nebenwerte Freunde,
Schon wieder haben Sie es an einem Freitag mit mir zu tun - aber keine Bange, das Wochenende lacht schon hinter der nächsten Ecke.
In einigen psychologischen Punkten war die nun fast vergangene Woche übrigens wieder sehr interessant. Während die meisten Beobachter sehr bange und wochenlang auf den Tag X gewartet haben, an dem GM Insolvenz anmelden würde, reagierten die Indizes erleichtert und schossen in die Höhe. Wieder einmal bestätigte sich eindrucksvoll, dass die Masse an der Börse selten Recht bekommt. Natürlich wurde den Bullen diese Reaktion durch die US-Administration erleichtert, die weiter bei GM stark engagiert bleibt. Einige Lästermäule haben prompt vorgeschlagen, die neue Firma solle das Kürzel GM beibehalten - aber mit der Bedeutung Government Motors.
Der Wochensaldo
Unter dem Strich wird immer deutlicher, dass die Börsianer sich auf die Nachrichten konzentrieren, die sie hören wollen, und negatives ausblenden. Nur so ist es zu verstehen, dass jede kleine Kursdelle als (Nach)Kaufgelegenheit interpretiert wird. Auch Arbeitsmarktberichte, die 525.000 neue Jobverluste melden, werden gefeiert, weil diese irrsinnige Zahl um lächerliche 4.000 Schicksale geschrumpft ist! Es bleibt vorerst dabei: Die volkswirtschaftlichen Daten bleiben vorerst fürchterlich, büßen aber an Abwärtsdynamik ein.
Ein echter Epochenwechsel war für mich in dieser Woche die Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank, die nun ihre Drohungen" wahr macht und den Banken Anleihen abkauft, um deren Bilanzqualität zu erhöhen. Laut Trichet wird die Zentralbank sowohl auf dem Primär- als auch auf dem Sekundärmarkt zukaufen, sowohl private als auch öffentliche Emittenten kämen in Frage. Voraussetzung sei, dass die Papiere die Kriterien der EZB erfüllten und mindestens ein Rating von "BBB" hätten. Das Programm werde im Juli beginnen und solle bis Juni 2010 beendet werden. Ziel ist es, den Banken bei der Refinanzierung zu helfen - und damit eine Kreditklemme in Europa abzuwenden. Derzeit halten sich die Finanzinstitute mit der Darlehensvergabe zurück, weil sie Ausfälle fürchten und daher ihr Kapital schonen wollen.
Diese trockenen Informationen lesen sich sehr leicht und locker, beinhalten aber eine ernste Warnung vor allem für Nebenwerte, die meist einen schwierigen Zugang zum Kapitalmarkt haben. Ich könnte auch schreiben, die EZB ist so stark über die real existierende Kreditklemme besorgt, dass sie nun die Schulden der Unternehmen aufkaufen muss um die Zinsen am Kapitalmarkt im Zaum zu halten. Die Rentenmärkte ließen sich nicht leimen und reagierten prompt. Der Bund Future z.B. verlor binnen Minuten ein halbes Prozent.
US Regierung plant große Gesundheitsreform
Bei uns in Deutschland wird nur über unsere strukturellen Probleme im kranken Sektor" geredet. Kaum jemand kennt die Pläne des ehrgeizigen Umbaus des amerikanischen Gesundheitssystems. Ein beträchtlicher Teil des Konjunkturprogramms der US-Regierung soll in den Gesundheitssektor fließen. Allein für eine sogenannte elektronische Patientenakte billigte der Kongress Ausgaben von fast 20 Milliarden Dollar. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren mehr als 700 Milliarden Dollar ausgegeben werden, um das marode Gesundheitswesen fit zu machen.
Bei den Ärzten kommt das Vorhaben der Regierung natürlich gut an. Sogar eine elektronische Patientenakte, die in Deutschland aus Gründen des Datenschutzes undenkbar wäre, da sie uns zu digitalen Patienten machen würde, hat es den Medizinern angetan. Dazu plant die US-Regierung für jeden Amerikaner eine Akte online anzulegen, in der alle gesundheitlich relevanten Daten des Patienten abgelegt werden.
Im Kern geht es darum, ein effizientes Gesundheitswesen zu schaffen. Da Test- und Untersuchungsergebnisse dann jederzeit abrufbar sind, erhofft man sich, Doppelbehandlungen zu vermeiden. Außerdem sollen gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten vermieden werden. Die staatliche Krankenversicherung will sich darüber hinaus einen Überblick über Krankheiten der Bürger und den Behandlungserfolg verschaffen.
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