Astrologie und Börsenkurse
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 06. April 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Also, wo war ich stehen geblieben?
Achja ... der Weg in den Ruin ...
Was für ein angenehmer Weg das ist! Jetzt zeigen sich endlich neue Jobs – laut offiziellen Zahlen wurden in den USA im letzten Monat 308.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Aktienkurse steigen ... alles ist auf seine Art schön, selbst der Weg in den Ruin. Das ist so, als ob man von seinem Cabriolet aus die wunderschönen Berge bewundert, kurz bevor man eine Klippe hinunterfährt.
Lassen Sie uns noch nicht so weit fahren. Zuerst einmal richten wir unseren Blick gen Himmel, zu den Sternen. Wenn wir denen nicht mehr trauen können – was für Hoffnung gibt es dann noch?
Veronique, eine Freundin von mir, gibt einen Börsenbrief heraus, der auf Astrologie basiert. Sie hat mir gesagt, dass man mit ihren Empfehlungen in den letzten 19 Monaten fast 300 % Gewinn hätte machen können.
Als ich ihre letzte Ausgabe las, da fand ich heraus, dass gerade ein neuer Zyklus begonnen hat:
"Die Periode vom 4. April bis zum 4. August könnte für Aktien weniger attraktiv sein als die Periode seit März '03 ... Das Ende des Monats (April) wird volatil sein; es ist schwierig und gefährlich, zu raten, in welche Richtung die Kurse gehen werden. Im Endeffekt haben wir zwei Zyklen, sowohl positiv als auch negativ, auf mittelfristige Sicht. Einer ist so kraftvoll wie der andere."
Die Sterne geben dem Seemann den Kurs vor, aber auch der Investor muss seinen Weg finden, so gut er eben kann. Sein Himmel ist immer bewölkt. Also sollten wir versuchen, uns daran zu erinnern, wie wir überhaupt auf diese Straße in den Ruin gekommen sind. Ich erinnere mich an das Diktum von Minsky: Stabilität führt zu Instabilität. Die Amerikaner müssen sich so sicher gefühlt haben, dass sie kaum Gefahr darin sahen, Geld auszugeben – besonders angesichts der Tatsache, dass ihnen die am meisten angesehenen Ökonomen sagten, dass Geld ausgeben gut für die Wirtschaft sei. In den letzten 50 Jahren haben die Amerikaner deshalb einen so stolzen Schuldenturm gebaut, dass der wahrscheinlich jederzeit umfallen kann. Wenn das alles wäre, dann würde der amerikanische "Tag der Abrechnung" ein Picknick sein. Aber es gibt andere Dinge, die auf Amerika zukommen.
Mein Lieblings-Kolumnist, Thomas Friedman von der New York Times, lässt kaum eine Woche vergehen, in denen er nicht über die Vorzüge von Demokratie und "nation building" schwadroniert. Ich würde seine Bemerkungen normalerweise als hohle Worte eines hohlen Kopfes abtun. Aber die Tatsache, dass Friedman so hartnäckig daran festhält, verwundert mich. Vielleicht sind seine Artikel doch nicht so harmlos, wie sie zu sein scheinen – aber vielleicht sind sie auch nur Wegweiser auf dem Weg in den Ruin.
Und dann gibt es das Problem der Überalterung der Bevölkerung, besonders in Europa. Ein Nachbar erklärte mir am Wochenende: "Es ist schön und gut, von der Emanzipation der Frauen zu sprechen. Aber wenn die Frauen raus gehen, arbeiten, und aufhören, Kinder aufzuziehen, dann scheint die gesamte Gesellschaft zusammenzubrechen. Scheidungen, soziale Probleme ... wir haben alle diese Probleme in Frankreich gesehen, seit sich die Rolle der Frauen geändert hat. Und das schlimmste davon ist, dass die Geburtenrate zurückgeht. Die einzige Nation in Europa – und das ist kaum noch Europa –, die genug Kinder hat, um das Bevölkerungsniveau zu halten, ist die Ukraine. Ist es gut, die Emanzipation von Frauen zu unterstützen, wenn dadurch ein gesamtes Volk verschwindet?!"
Letzte Woche konnte ich in der Zeitung lesen, dass Wissenschaftler darüber spekulieren, dass die Welt eine Periode der Massenauslöschung – ähnlich der Eiszeit – erleben wird. Damals sollen Tausende Spezies ausgestorben sein. Ich bezweifle, dass die menschliche Rasse – oder auch "nur" die Europäer – ausgelöscht werden. Aber ich werde da nachdenklich. Mehr dazu – und zum Ölpreis! – in meinem letzten Beitrag der heutigen Investor's Daily-Ausgabe (siehe unten).
Jetzt zu Eric mit mehr News: