Armes Japan!
Investors Daily
vom 21. Februar 2005 18:00 Uhr
ENL5462
*** Armes Japan! Das Land scheint es einfach nicht zu schaffen, aus seiner langen, langsamen, weichen, Auf-und-Ab-Rezession auszubrechen. Das letzte Viertel des letzten Jahres war kein gutes für Japan. Verbraucherausgaben gingen runter, die Wirtschaft schrumpfte.
Was muss der arme Mr. Asakawa denken? Der arme Mann schläft mit seinem höllischen Währungs-Melder neben seinem Bett, sein Schlummer wird jedes Mal gestört, wenn der Dollar fällt ... aber warum? Japan hält US-Staatsanleihen im Wert von mehr als 700 Milliarden Dollar. Sicher, Japan hat im letzten Jahr mehr als 100 Milliarden Dollar verloren (im Vergleich zu Anleihen in Euro), aber der Kauf von U.S.-Schuldanleihen wurde als Garantie verstanden, dass die Amerikaner weiter kaufen würden (was sie taten) ... und sollte garantieren, dass Japans Exporte, und seine Wirtschaft, weiter wachsen würden. Aber irgendetwas ist mit dieser Formel sehr falsch. Mr. Asakawa muss denken, dass er den verdammten Währungsrechner wegwerfen ... die Anleihen abstoßen ... und mal wieder eine Nacht gut schlafen sollte.
*** "Ich habe zwei Jahre in Houston verbracht", sagte ein Franzose im Ölgeschäft. "Es war phantastisch, wir haben es geliebt. Wir sind herumgereist. Wissen Sie, Amerika ist so billig. Und es gibt so viel zu sehen. Aber erstaunlich ist die Art und Weise, auf die die Amerikaner so wenig wissbegierig sind. Wir lebten in einer dieser neuen, besser gestellten Gemeinden. Angeblich waren unsere Nachbarn gebildete Leute der oberen Mittelklasse. Aber in den ganzen zwei Jahren hat uns nicht einer eine einzige Frage über Frankreich ... oder darüber, was die Leute in Frankreich denken ... oder was wir dachten gestellt. Wir fanden das sehr seltsam. Es gibt einen Mangel an Konversation, der auffallend ist. Die Menschen scheinen sich nicht oft gegenseitig einzuladen. Zumindest schienen sie uns nicht einladen zu wollen.
Sie waren freundlich, aber einfach nicht interessiert. Es endete damit, dass wir unsere Zeit
mit Fremden verbrachten. Es war leicht, sich mit den Deutschen, anderen Franzosen natürlich, aber auch mit Leuten aus dem Mittleren Osten oder Nordafrika anzufreunden. Wir hatten ein reges Sozialleben, eben nur nicht mit Amerikanern.
Ich denke die Amerikaner haben einen tiefen Minderwertigkeitskomplex. Sie sind gegenüber den Europäern aus kulturellen Gründen verlegen. Sie wissen nicht viel über Geschichte oder Kunst oder Philosophie. Sie wissen nicht, wie man ein Tischgespräch führt. Zumindest glauben wir, dass uns das in der Umgebung von Houston aufgefallen ist.
Natürlich haben auch die Franzosen einen Minderwertigkeitskomplex. Wir beneiden die amerikanische Energie, Amerikas kommerzielle Dynamik. Auch seine Exzesse wirken auf uns befreiend.
Wissen Sie, wir Europäer sind viel vorsichtiger. Wir geben unser Geld nicht so leichtfertig aus. Wir gewöhnen uns nicht so einfach an neue Ideen oder neue Dinge. Aber dafür gibt es einen guten Grund. Wir wissen, dass es schwer ist, sich von Fehlern zu erholen. Die Dinge sind teuer in Europa ... und sie brauchen viel Zeit. Deswegen muss man vorsichtig sein. Wenn man Innovationen einführt, ... dann kann es lange dauern, bis man daraus Geld zieht. Und es kann einen ruinieren. Und wenn man einmal ruiniert ist, dann schafft man es vielleicht nie wieder, sich davon zu erholen. Daher gibt es viel zu verlieren, aber nicht viel zu gewinnen.
Wenn man aber in Amerika mit einer verrückten, neuen Idee ankommt, dann kann man schnell ein Vermögen machen. Warum also nicht die Chance ergreifen? Und davon abgesehen, wenn es ein Fehler war, dann kann man was Neues ausprobieren. Ihr habt Zeit, euch davon zu erholen. Die Leute, die die großen Erfolge haben, scheinen dieselben zu sein, die die großen Chancen ergreifen.
Diese Haltung überträgt sich scheinbar auf die Außenpolitik, denke ich. Wir Europäer sahen den Krieg im Irak als ein großes Risiko, bei dem nicht viel zu gewinnen war. Wir haben heutzutage kleine Armeen. Und wir misstrauen militärischen Kampagnen jeder Art. Wir hatten davon genug im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Aber ihr Amerikaner habt eine große Armee. Ihr könnt es euch leisten, alles Mögliche auszuprobieren – sogar Kampagnen, die wir für tollkühn halten würden. Wenn es ein Fehler war, dann könnt ihr euch davon erholen. Ihr könnt etwas Neues ausprobieren. Ein Fehler ist nicht tödlich."
*** Ein nachdenklicher Kommentar eines Lesers:
"Ihre Meldung betreffend, dass sie 10-mal so viel negative wie positive E-Mails erhalten: Fassen Sie Mut. Es wird berichtet, dass Sokrates einmal vorschlug, dass, weil es wesentlich mehr Dummköpfe als weise Menschen auf der Welt gibt, jede Mehrheitsentscheidung wertlos sein müsste. Seine Nachfolger stimmten zu und unterstützen seinen Vorschlag mit einer großen "Mehrheit"."
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Bruno Pohl (31.05. 2010 07:21 Uhr):
Ein führender japanischer Nationalökonom sagt, hinter dem System Japan stecken Konfuzius und die japanischen Hausfrauen. In Japan haben die Frauen die Hosen an, die Männer liefern ihr Geld ab und bekommen Taschengeld. Und die Frauen investieren immer noch in US-Anleihen. Dieses ist jetzt sogar lukrativ, weil die USA diese jetzt beginnen, gegen Aufgeld aufzukaufen, um Geld drucken zu können. Der Ökonom rät uns, nicht die Wirtschaft abzuwürgen (Euroland beginnt jetzt damit), sondern die Wirtschaft zu stimulieren, auf dass wir die positiven japanishe Verhältnisse bekommen. Auch der japanische Crash war ja durch eine gigantische Immobilienkrise verursacht wie in Irland, Spanien und USA! Deutschland steht ja vergleichsweise recht gut da, aber alle öffentlichen Schulden, Sonder- und Schattenhaushalte ergeben eine gigantische Summe. Wir sind nicht gut, sondern nur verglichen mit den Schlechten etwas besser. Zum Einführung des Euro sind wir belogen worden, an eine harmonisierte Witschafts- und Finanzpolitik ist auch heute noch nicht zu denken. Das müsste das Erste sein, anstatt weiter zu flicken.
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