Argumente von Lesern zu Gold - Teil 1

Sven Weisenhaus in
vom


Und eine weitere Leser-Beteiligung erinnert noch einmal an zusätzliche Argumente, die ich hier ebenfalls bereits mehrfach beschrieben hatte (siehe auch hier die von mir eingefügten Zwischenüberschriften):

"Ich denke, viele Menschen denken bei Gold an die "gute alte Kaiserzeit", die aber dann in der Realität ganz bescheiden für den Normalbürger war.

Geschöpftes Geld landet nicht zwingend im Wirtschaftskreislauf

Das zweite Problem der Goldpermabullen ist die irrige Annahme, dass die Zentralbanken keine Macht hätten und dass einmal geschöpftes Geld ewig im Geldkreislauf verharrt, was natürlich nicht stimmt, weil das meiste Geld per Kredit "geschöpft"wird.

Goldstandard zu unflexibel

Das dritte Problem ist, dass mehrere Goldstandards NACHEISLICH auf das Allerkläglischste GESCHEITERT sind. Das heißt, Rohstoffbasierte Werte sind unflexibel und können einer modernen Wirtschaft nicht angepasst werden. Sie bevorzugen womöglich einseitig rohstoffproduzierende Länder. Deutschland ist leider nicht als rohstoffproduzierend bekannt und wäre dann deutlich benachteiligt.

Aktien sind auch Sachwerte

Ich/wir im Wertpapierklub halten ca 10- 15% unseres Vermögens in Gold und Silber, aber nicht mehr. Momentan kaufen wir Zigarettenhersteller und zyklische Firmen, die sich im Aufwärtstrend befinden. Firmen produzieren Dinge, die wir brauchen und wenn das Geschäftsmodell stimmt, ist das die beste Absicherung für die Zukunft.

Mit Gold ruhiger schlafen

Vielen Goldpermabullen unterstelle ich einfach eine gewisse Form von Existenzangst, die sie mit dem Kauf von Gold bekämpfen wollen. Das kann dann krankhafte Züge annehmen. Sichtbar wird dies, wenn verschiedene Verschwörungstheorien die Runde machen.

Ganz klar ist aber auch die Signalwirkung des Goldpreises. Den Haupteigentümern von Gold (=Zentralbanken) darf man schon unterstellen, dass sie diesen Kurs beeinflussen, um nicht die falschen Signale auszusenden. Dazu braucht man aber keine Verschwörungstheorie.

Regierungen können Verbote aussprechen

P.S: Ein Goldhandelsverbot ist schnell eingeführt und dann wird es in der Krise SEHR schwer in größerem Ausmaß von seinen Goldbeständen zu profitieren, da einen jeder anzeigen kann, wenn man Gold verwendet. Wenn dann nach mehreren Jahren eine Währungskrise beseitigt wurde, darf man wieder mit Gold handeln, dann ist es zu spät.


Die meisten Bürger haben auch noch nicht verstanden, dass unsere Regierungen Rahmenbedingungen/Spielregeln schaffen, die ein Wirtschaften erst ermöglichen. Gegen die Regierungen kann keine Unternehmung/Bürger Geschäfte machen.

Demografischer Wandel schlecht für Gold?

Das Baden in Weltuntergangstheorien bringt nichts, und die guten Jahre kann uns niemand aus dem Kopf herausoperieren. Seit 1950 läuft unsere Wirtschaft hervorragend, der Generationswandel wird dann einige Probleme aufwerfen. Aber, wenn dann alle Rentner zum Lebensunterhalt ihre Goldvorräte auflösen MÜSSEN, kann man sich gut vorstellen, was mit dem Goldpreis passieren kann.

Steigende Zinsen schädlich für Gold

In 10 Jahren befürchte ich einen massiven Zinsanstieg, der äußerst schädlich für den Goldpreis ( auch Aktien) sein wird. Das hat allerdings mit Trading nichts zu tun.

Großanleger müssen in der Krise Positionen verkaufen

Und in einem weiteren Kommentar schreibt der Leser:
"Sehr geehrte Goldbullen, ich glaube eben NICHT, dass der Goldpreis wegen der Griechenlandkrise steigt, sondern er wird FALLEN, weil Banken und Großanleger Positionen liquidieren MÜSSEN um aus der Krise entstehende Verluste auszugleichen. Die Vernichtung griechischer Geldanlagen führt zu einem DEFLATIONÄREN Impuls.

Man sieht bereits HEUTE, dass das viele gedruckte Geld GAR NICHT in den Wirtschaftskreislauf gerät.

Kurzfristig pessimistisch

Herr Weisenhaus nimmt eine Tradingperspektive ein und deswegen interessiert es an dieser Stelle überhaupt nicht wo Gold in 5/10 Jahren sein könnte. Wenn man die Goldpreisentwicklung der letzten 2 Monate angesehen hat, sieht der Dümmste, dass der Goldchart wie ein Schluck Wasser in der Kurve hängt.

Also ich behaupte, dass mit Gold auf der LONGseite in den nächsten 2 Monaten NICHTS zu verdienen ist. Manche Goldbullen übersehen auch, dass die kurzfristige Prognose bei Gold auch bei Goldfananalysten nach unten zeigt und die "4000" dann irgendwo in der Zukunft liegen. Wenn man dann den richtigen Einstieg findet, sind dann sehr wohl wieder Gewinne mit Gold möglich, genauso wie mit Aktien. Für festverzinsliche Anlagen sehe ich eher schwarz.

Silber hat das größere Potential

Für Silber bin ich nach einer evt. Korrektur auf bis zu 27 bullisch, da Silber in der Industrie verbraucht wird und mit geringen Investitionssummen der Silberpreis stark bewegt werden kann, aber auch der Silberpreis kann sich der Preisentwicklung bei den Edelmetallen nicht entziehen.


Auch hier fasse ich kurz zusammen:

Das Thema Liquidität bzw. dadurch potentielle Inflation habe ich hier mehrfach angesprochen. Dazu hatte ich Ihnen bereits erläutert, dass die vielen Geldspritzen der Notenbanken nicht in den Wirtschaftskreislauf gelangt sind. Dieser Sicht schließt sich auch der Leser an.

Auch zum Thema Goldstandard hatte ich bereits einen Beitrag (25. April) verfasst.

Und das nicht nur Gold ein Sachwert ist, sondern auch Aktien, scheinen viele Goldbullen zu vergessen. Wie Sie wissen, sehe ich bei Aktien schlicht das größere Potential - Stichwort "Investitionsquote".

Einen neuen, von mir hier noch nicht betrachteten, aber sehr wichtigen Aspekt bringt der Leser neu ins Spiel: Was wäre eigentlich, wenn die Regierung schlicht den Goldhandel oder gar den Goldbesitz verbietet? Das hat es alles in der Vergangenheit bereits gegeben. In einer extremen Krise wäre dies auch zukünftig denkbar. Dann nützt einem der Besitz nichts, wenn man einfach enteignet wird. Interessanter Gedanke des Lesers.

Ein weiterer sehr guter Aspekt, den der Leser anspricht: Verschärft sich die Krise und fallen Kurse anderer Assettklassen, dann dürfte auch der Goldpreis mit in den Sog geraten, da Großanleger dann Gold liquidieren müssen. Genau dieses Phänomen sieht man derzeit an den Börsen. Gold kann von einer erneuten Verschärfung der Krise und den fallenden Aktienkursen nicht profitieren

Interessant ist auch der demografische Ansatz (Stichwort: Altersarmut). Dieser dürfte jedoch für alle Anlageklassen gleichermaßen gelten und somit nicht zwingend ein Argument nur gegen Gold sein.


Ein herzlicher Dank

Die hohe Leserbeteiligung hat mich wieder sehr gefreut. Insbesondere die vielen konstruktiven Kommentare, die viele gute Aspekte beinhalteten. So waren auch Argumente darunter, die ich hier selbst noch nicht betrachtet hatte.

Die meisten Gründe pro und contra Gold wiederholen sich jedoch inzwischen immer wieder. Und so wird uns das Thema Gold sicherlich auch in der Zukunft weiterhin interessante Diskussionen bescheren. Es bleibt spannend.


Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche
Sven Weisenhaus



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Kommentar von Rainer Seifert

Hallo Herr Weisenhaus, abseits aller Diskussionen Pro und Contra Gold habe ich mit Schmunzeln, aber auch mit deutlicher Wehmut in der hintersten Ecke meiner Garage einen Artikel aus der "Berliner Zeituung" vom 12.Dezember 1997 gefunden, den ich hier gerne auszugsweise wiedergeben möchte. Ist ja vielleicht mal ganz interessant, wie vor fast 15 Jahren die Meinung der Banker (aha, wieder mal daneben gedacht) zu Gold war. Eine Schulklasse besuchte eine Berliner Sparkassenfiliale, und der Artikel erschien mit der Überschrift: "Schlechte Zeiten für Gold". Hier ein paar Auszüge: "Fünf Gramm wiegen die kleinsten Goldbarren. Für ein Kilo Gold bezahlt man zur Zeit 17000 Mark". (au, verdammt.) "Aber als Wertanlage verliert Gold an Bedeutung. Früher haben die Leute es als Reserve für schlechte Zeiten gekauft..... heute sammelt man noch Münzen, aber Gold gibt keine Zisen und ist deshalb nicht mehr so attraktiv." Ach ja, hinterher ist man halt meistens schlauer. Übrigens möchte ich noch etwas zu den schlechten Zeiten sagen, in denen man Gold ja auch nicht essen kann. Als Kleinkind habe ich in Westberlin die schlimmen Nachkriegsjahre und die Zeit der Berliner Blockade erlebt. Mein Vater und Großvater sind mit dem Wenigen, was über den Krieg gerettet werden konnte "hamstern" gefahren. Diesen Begriff werden jüngere Menschen kaum noch in diesen Zusammenhang von damals bringen, bzw. gar nichts davon wissen. Das hieß auf gut Deutsch, mit irgendwelchen mehr oder weniger wertvollem Schmuck aus Gold, Silber, Edelsteinen wurden die Bauernhöfe in der sowjetisch besetzten Zone um Westberlin abgeklappert und das nicht essbare Edelmetall wurde gegen ein paar Kartoffeln, Kohlrüben oder Brot getauscht. Glückspilze erwischten auch mal eine Scheibe Speck. Wer dagegen Pech hatte, wurde von ostzonaler Polizei gefilzt und war das bisschen Lebenselexier wieder los. Vielleicht hab ich etwas weit ausgeholt, aber auch dieses Thema hatte ja mal mit Gold zu tun. Möge so etwas nie wieder geschehen, aber damals konnte man Gold also doch "essen", wenn auch mit einer kleinen Veränderung. Freundliche Grüße Rainer Seifert

Antworten
Antwort von Sven Weisenhaus:

Guten Tag, Herr Seifert! - - - Es ist natürlich nicht ganz legitim, einen derart alten Artikel heute noch zu betrachten. Denn der Banker, der die darin zitierte Aussage getroffen hat, könnte ja zum Beispiel bereits ein Jahr später seine Meinung hin zu steigenden Goldpreisen verändert haben. - - - Würden Sie heute einen Artikel von mir von vor einem Jahr zitieren, in dem ich steigende Goldpreise gesehen habe, könnte man mir diesen heute natürlich auch um die Ohren hauen, obwohl ich ja längst wieder zu fallenden Goldpreisen gewechselt bin. - - - Unabhängig davon ist es aber natürlich immer wieder interessant, damalige Aussagen heute zu betrachten. - - - Und der Satz, dass Gold keine Zinsen gibt und deshalb nicht mehr so attraktiv ist, scheint ja seit einem Jahr wieder mehr zu stimmen. - - - Natürlich kann man Gold immer gegen Essen eintauschen, in extrem schlechten Zeiten dürfte man jedoch für das gleiche Gold immer weniger Essen bekommen, wenn Essen zu einem begrenzten Gut wird. Das dürfte damals ähnlich gewesen sein. Es ist ja teilweise so, dass Gold gerade für derart extreme Krisen (Kriege) empfohlen wird. Doch aus meiner Sicht verliert gerade dann Gold wieder extrem an Wert, nämlich gegenüber Essen. - - - Aber wie bereits richtigerweise gesagt: Möge so etwas nie wieder geschehen. Und gegen 10% Gold im Depot spricht ja nichts. Nur kurzfristige Kursgewinne, die ich ja hier im Wave Daily erwischen will, sind derzeit mit Gold eben nicht zu erzielen. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus