Argentinien – Teil 2 von 2
Bill Bonner in Traders Daily
vom 4. September 2009, 12:00 Uhr
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Es fiel den Argentiniern 1990 keinen Deut leichter, der Schwemme von Krediten zu widerstehen, als es heute den Amerikaner fällt. Bis zum Ende dieser Phase hat die Fremdverschuldung Argentiniens 150 Milliarden Dollar ausgemacht. Das sind Peanuts für die Vereinigten Staaten, aber für ein Land wie Argentinien ist es eine Menge Geld. Einige wenige kluge Fondsmanager sahen die Katastrophe kommen (darunter die asiatischen Zentralbanken, nehmen Sie das zur Kenntnis) Sie verkauften die argentinischen Anleihen. Schon bald steckte das Land wieder in einer Krise, unfähig, die Schuldenzahlungen zu leisten.
Im Dezember 2001 kam es zu Aufständen und Plünderungen. Präsident De la Rua entschied, dass es besser sei, den ausländischen Kreditgeber vor den Kopf zu stoßen, als die Einwohner mit ernsten Maßnahmen zu verärgern. Noch ehe der Monat vorbei war, ging Argentinien mit der größten Kreditaufkündigung aller Zeiten in die Geschichte ein.
Es gibt viele Möglichkeiten, eine Wirtschaft in den Ruin zu treiben. Argentinien hat mit den meisten davon experimentiert. Man hat die Währung entwertet und dann neu bewertet. Man hat sie angebunden und dann die Anbindung wieder gekappt. Man hat reguliert, kontrolliert, inspiziert, besteuert und konfisziert. In der Folge der Krise von 2001 fielen die Löhne um 30% - und die Hälfte der Nation rutschte unter die offizielle Armutsgrenze. Bemerkenswert daran ist nur, dass die Argentinische Wirtschaft das alles überleben konnte.
Ich kam in den Genuss eines Leserbriefes von einem Einwohner Argentiniens, der die Finanzgeschichte des Landes für mich in die richtige Perspektive gerückt hat.
„Ich bin 72 Jahre alt und ich schreibe aus Argentinien. Es ist wirklich wert, sich anzusehen, was im Laufe der Jahre in Argentinien passiert ist. Das Land wird circa alle fünf Jahre verrückt. Man hat die schmerzhafte Erfahrung machen müssen, dass es besser ist, ein Kreditnehmer zu sein, als ein Kreditgeber, wenn die Zeit kommt. Wenn es irgendwie knapp wird, dann werden die Kreditnehmer, die in der Überzahl sind, immer irgendwie von den Politikern geschont, die ihre Stimmen brauchen. Ich kann nicht erkennen, warum das nicht auch in Amerika gelten sollte."
Ich auch nicht.
Inzwischen geht es wieder aufwärts mit dem Bruttoinlandsprodukt Argentiniens. „Die Regierung hat verdammtes Glück gehabt", sagt Luis Secco, ein Berater aus Buenos Aires.
Und da habe ich auch den großen Unterschied zwischen den Vereinigten Staaten und Argentinien gefunden. Wenn es in einem Land wie Argentinien gut läuft, dann hat es das dem Glück zu verdanken. Nördlich des Rio Grande dankt man jedoch weder den Sternen noch dem Schicksal. Stattdessen jubelt man dem Chef der Fed zu und klopft sich selber auf den Rücken.
Die argentinischen Wirtschafter haben sogar versucht, das gute Glück mit einem „Glücks-Index" messbar zu machen - er misst die Auswirkungen globaler Gegebenheiten. Der Index erreichte im vergangenen Jahr einen Höchstwert von 9,8 (auf einer Skala mit 10 Punkten). Dieses Jahr rechnet man mit einem Wert von ungefähr acht.
Gleichzeitig hat Argentinien wieder solide Devisenreserven. Die Inflation liegt bei unter 10%. Die Handelsbilanz ist positiv.
Aber was die Amerikaner im Übermaß besitzen - Zuversicht und Kredit - daran mangelt es Argentinien. Versuchen Sie nur mal ein Haus in Buenos Aires oder eine Ranch auf dem Land zu kaufen. Niemand wird Ihnen einen Kredit geben. Während Alan Greenspan die Solidität der amerikanischen Wirtschaft hervorhebt, sprechen die argentinischen Vertreter von der Zerbrechlichkeit der eigenen Wirtschaft. Während die amerikanischen Ökonomen nach Vorne blicken und nur den Fortschritt sehen, blicken die argentinischen Wirtschaftler nach Vorne und sehen nur Unentschlossenheit und Rückschläge. Sie warnen vor einer Inflation, sie warnen vor sozialen Unruhen.
Während die Amerikaner meinen das Glas sei halbvoll, sehen die Argentinier ein Glas, in dem es staubtrocken ist.
Ich weiß nicht, wie man die wirtschaftlichen Probleme Argentiniens lösen könnte. Aber es gibt Beweismaterial, das dafür spricht, dass Zuversicht sich zyklisch verhält. Nachdem man so lange so weit unten war, erwarte ich, dass die Zuversicht in den Pampas steigen wird. In Amerika wird sie wahrscheinlich mit den Preisen für Vermögenswerte die andere Richtung einschlagen.