Argentinien oder Japan?
unserem Korrespondenen Addison Wiggin in Paris in Investors Daily
vom 19. Juni 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Wie genau werden die Investoren zerstört werden? "Argentinien, nicht Japan", so die Prognose von Marschall Auerback.
"Ein Land mit einer so untragbar hohen externen Schuldenlast, einer überbewerteten Währung, die zu riesigen Außenhandelsbilanzdefiziten geführt hat, großen Haushaltsdefiziten: Argentinien im Jahr 2001 oder die USA im Jahr 2003?" fragt Auerback auf der Homepage von Prudent Bear.
"All das Gerede in den USA, dass man eine Deflation à là Japan vermeiden sollte ... ich denke, dass es mehr bringt, sich die Lage in Argentinien unmittelbar vor der Beendigung der Bindung des Peso an den US-Dollar anzusehen, Ende 2001."
"Wie im Argentinien des Jahres 2001 kontrolliert Amerika heute auch nicht mehr das eigene wirtschaftliche Schicksal. In den USA ist das Damoklesschwert nicht der Internationale Währungsfonds, sondern China. Der Todesstoß für die US-Wirtschaft könnte es werden, wenn die Chinesen ihre Währung (die derzeit an den Dollar gekoppelt ist) frei floaten lassen. Denn zu diesem Zeitpunkt werden viele andere asiatische Zentralbanken (mit der möglichen Ausnahme von Japan) eine verlockende Alternative zum Dollar finden, und den Dollar deshalb in den freien Fall schicken, was dem amerikanischen Kreditsystem unheimlichen Schaden zufügen wird."
"Die amerikanischen Entscheidungsträger – die dauernd danach schreien, dass die chinesische Währung doch endlich frei floaten sollte –, sollten vorsichtig sein, was sie sich wünschen. Das könnte auch der Abschluss einer außergewöhnlichen Periode der Finanzgeschichte werden."
Währenddessen verhalten die Kleinanleger sich derzeit so, als ob sie auf das "Grün" von Regierung und Fed warten. Ohne klare Anweisung von oben geht es derzeit nicht mehr so richtig bergauf ... an der Wall Street ist die Aufwärtsbewegung derzeit etwas festgelaufen. Andrew Kashdan von Apogee Research schreibt dazu: "Die Politik des starken Dollar, die von der Bush-Administration offiziell noch verfolgt wird, ist kaum noch eine ausgeführte makroökonomische Strategie, sondern ein meisterhaftes Theater – eine Tragikomödie."
George Bush hat vor kurzem sein geheimes Wissen der internationalen Währungsmärkte offenbart, als er versuchte, die Nuancen des Dollar-Kursverlustes zu erklären ... und die kurzfristige Entwicklung gegenüber dem Euro prognostizieren wollte:
"Der Zinsunterschied hat die Leute dazu veranlasst, Dollar zu verkaufen und Euros zu kaufen, um eine höhere Rendite auf ihr Investment erzielen zu können"; so Bush. "And das ist der Grund, warum Sie den Druck auf den Dollar sehen ... sie werden ein anderes Verhalten sehen, wenn sich die Zinsdifferenz zwischen Europa und den USA verringern wird." Kashdan will wissen: "Wie passt diese Theorie des Protagonisten zu den Fakten? – Antwort: Nicht sehr gut, leider."
"Der Zinsunterschied bei den kurzfristigen Zinsen hat im letzten Jahr sein Top erreicht, seitdem hat er sich immer weiter verringert – während der Euro weiter deutlich gestiegen ist. Obwohl sich der Renditeunterschied zwischen den 10jährigen europäischen und amerikanischen Anleihen zuletzt um ein paar Basispunkte vergrößert hat, ist die vorige Vergrößerung dieses Abstands auch Hand in Hand mit dem Euro-Anstieg gegangen. Die langfristigen Zinssätze sind in Europa in den letzten Monaten um mehr als einen halben Prozentpunkt gefallen – sogar bevor die Europäische Zentralbank die Leitzinsen gesenkt hatte.
"Das tragische Fazit ist, dass der Dollar wegen so vieler anderer Widrigkeiten fällt, und es gibt jede Menge guter Gründe, ihn zu verkaufen. Mr. Bush und Mr. Greenspan sind ohne Zweifel dankbar dafür, dass die Aktienmärkte die Dollarprobleme bis jetzt so ignoriert haben. Aber man kann der Tatsache nicht entkommen, dass die Ausländer (und auch US-Investoren) zunehmend Vermögensanlagen meiden werden, mit denen sie über den Wechselkurs einen Verlust erleiden werden – wenn sonst alles andere gleich bleibt." Kashdan: "Rechnen Sie mit einer weiteren Dollarschwäche, bevor der Vorhang fallen wird."