Arbeitsmarktdaten
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 6. Dezember 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
an den Märkten gab es auch am vergangenen Freitag das gewohnte Bild: Negative Nachrichten werden kurz und erschrocken zur Kenntnis genommen, danach wird aber sofort wieder zur Tagesordnung übergegangen. Beispiel US-Arbeitsmarktdaten: Die Arbeitslosenquote liegt im November bei 9,8%, erwartet wurden 9,6% nach 9,6% zuvor. Das passt nicht ins Bild einer Erholung am US-Arbeitsmarkt. Eine Enttäuschung lieferten auch die Zahlen zu den neugeschaffenen Stellen: Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft ist im November nur um 39.000 Stellen gestiegen nach einem revidierten Plus von 172.000 im Oktober. Erwartet worden war für November ein Stellenaufbau um 144.000.
Nach einem kleinen Absacker bei den Kursen als Reaktion auf die Zahlen fanden sich jedoch sofort wieder Käufer, die die Tagesverluste der Indizes bis Handelsschluss wieder ausgleichen konnten. Offenbar reagiert das Prinzip Hoffnung, dass neue Steuersenkungen der US-Regierung sowie weitere Anleihenkäufe der Notenbank etwas an den desolaten Zuständen am amerikanischen Arbeitsmarkt ändern werden. Oder auch der Weihnachtsmann. Man könnte allerdings auch die Frage stellen, was eine Fortsetzung derjenigen Maßnahmen bringen kann, die bisher in viel größerem Umfang nichts gebracht haben. Soviel Logik ist aber vermutlich bereits zuviel für den Markt. Börsen sind generell selten „logisch“. Hoffnung ist ja auch was Schönes. Erst Recht zu Weihnachten.
Unterdessen hat man sich auch hierzulande viel von der amerikanischen Kreativität beim Führen von Statistiken abgeschaut. Die deutschen Arbeitslosenzahlen liegen mittlerweile unterhalb der 3-Millionen-Grenze, was einer Quote von nur 7,0 Prozent entspricht. Dumm nur, dass der aufgeblähte Niedriglohnsektor, der nur mit staatlichen Transferleistungen für seinen Lebensunterhalt zu sorgen vermag, gar nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftaucht. Ist es denn zielführend, einen Ein-Euro-Jobber als Arbeitnehmer zu führen, der größtenteils nur von staatlichen Hilfen leben kann? Egal, Hauptsache man kann vor den nächsten Wahlen „Erfolge“ vorweisen. So dämlich, wie Ihr glaubt, sind die Leute allerdings nicht.
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