Arbeitsmarktdaten
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 13. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
die gestrigen, wöchentlichen Arbeitsmarktdaten aus den USA fielen erneut negativ aus und setzten den angeschlagenen Markt weiter unter Druck. So sind in der vergangenen Woche die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gegenüber der Vorwoche um 2.000 auf saisonbereinigt angepasst 484.000 gestiegen (Erwartung: 465.000). Damit wurde der höchste Stand seit Februar erreicht. Die vorangegangenen Zahlen wurden von ursprünglich 479.000 auf 482.000 nach oben revidiert (ich berichtete kürzlich über diese Spielchen). Der weniger volatile gleitende Vier-Wochenschnitt ist um 14.250 auf 473.500 gestiegen – ebenfalls auf den höchsten Stand seit Februar. Es zeigt sich einmal mehr in den Daten: Die USA haben ein Konjunkturproblem. Die heute Nachmittag gemeldeten Einzelhandelsdaten werden da wohl keine Ausnahme bilden.
Unterdessen mehrt sich die Kritik an der US-Notenbank, die mit ihren moderaten Stützungskäufen von Staatsanleihen zwar die vorhandene Liquidität im Markt belassen wird, aber dem Markt keine neue Liquidität zuführen will. Aber ich frage Sie: Werden mit neuer Liquidität in einem ohnehin schon total überschuldeten System Arbeitsplätze geschaffen oder wird dann mehr konsumiert? Die überschuldeten Konsumenten nehmen Kredite gar nicht mehr in Anspruch (und viele unternehmen bekommen keine von den Banken). Die Sparrate steigt nämlich und das sogar in den USA – ein Phänomen, seit vielen Jahren einzigartig und eigentlich gesund. Aber nicht in einer Gesellschaft, die Wachstum auf Teufel komm raus erzwingen will.
Die neue Liquidität, das Allheilmittel Nummer Eins bei in volkswirtschaftlichen Fragen nicht besonders bewanderten Zeitgenossen, kommt ja gar nicht erst im System an. Die Großbanken leihen sich zum Nullzins zwar Geld bei der Notenbank, reichen dies aber nicht als zinsgünstige Kredite (verbunden mit einem gewissen Ausfallrisiko) weiter. Nein, sie legen es direkt wieder bei der Notenbank in höher verzinsten Staatsanleihen an. Solange der Staat existiert (und das dürfte speziell im Fall der Vereinigten Staaten noch eine ganze Weile der Fall sein), streichen diese damit einen sicheren und risikolosen Zinsgewinn ein. Und der summiert sich bei Milliardenbeträgen ganz schön. Mit anderen Summen wird darüber hinaus an den Aktien- und Rohstoffmärkten (ebenfalls zum Nullzinskredit) spekuliert, bis die Preise irrsinnige Höhen erreicht haben (und die Blase platzt).
Niedrige Zinsen bergen stets die Gefahr der Blasenbildung in sich. Aktuell sehen wir das wieder sehr deutlich beim Ölpreis, der ohne Spekulanten mindestens zwanzig Prozent tiefer stehen dürfte, da die Lager voll sind und eher zuviel Öl produziert wird. Die Zeche bezahlen wir alle an der Zapfsäule, während sich einige Großspekulanten flankiert von den Notenbanken dumm und dämlich verdient haben. Fazit: Was die Notenbankpolitik anbelangt, vertrete ich die Meinung, dass Liquiditätszufuhr nicht die geringste Auswirkung auf die Verfassung der Konjunktur haben wird. Ich befürchte allerdings, dass der Geldhahn erneut weit aufgedreht wird, falls sich die Lage weiter eintrübt (was nach meinen Indikatoren als sicher gilt). Schlichtweg, weil den Notenbanken einfach nichts Besseres einfällt. Die Schere zwischen arm und reich wird dann noch weiter auseindergehen und der Mittelstand weiter ausbluten. Na dann Prost.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von CW (13.08. 2010 10:00 Uhr):
Genau so ist es!
Antworten - Kommentar von Matthias Wiltzsch (13.08. 2010 19:32 Uhr):
Hallo Herr Voigt, allen die wirklich etwas tiefer in die Problematik des Geldsystems eidringen möchten, um den "Nebel um das Geld" zu lichten, denen empfehle ich im Netz folgendes Video mit B. Senf unter blip.tv : "Das Ende der Dollar-Herrschaft? Tiefere Ursachen der Dollar-Krise und mögliche Lösungen"! Mit freundlichen Grüßen M.Wiltzsch
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