Arbeitsmarktdaten
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 6. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
die schlechten US-Arbeitsmarktdaten vermiesten gestern der Börse etwas die Laune. Die stets volatilen wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind unerwartet um 19.000 Anträge auf 479.000 gestiegen, während Volkswirte mit einem Minus von 2.000 gerechnet hatten. Nachdem noch am Vortag der ADP-Arbeitsmarktbericht positiv ausgefallen war, haben die neuen Daten nun wieder Konjunktursorgen verursacht. Ohne Beschäftigungswachstum keine nachhaltige Konjunkturerholung.
Wobei wir positiv vermerken müssen, dass auf dem Höhepunkt der Krise über 640.000 Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe verzeichnet wurden. Zu diesem Zeitpunkt ergibt sich somit ein deutlicher Rückgang. Das Haar in der Suppe dabei ist aber, dass sich die Erstanträge seit vielen Monaten hartnäckig auf dem aktuellen Niveau stabilisieren und partout nicht weiter fallen wollen. Noch schlechter ist es um (die wichtigere) Arbeitslosenrate in den USA bestellt, die seit dem Krisenhöhepunkt lediglich marginal von ihrem 27-Jahreshoch um 10 Prozent gefallen ist.
Wenn die Konjunktur so toll läuft, müssten die Unternehmen eigentlich wie verrückt Leute einstellen. Zumal deren Gewinnsituation sehr gut zu sein scheint. Es sei denn, ein Großteil der tollen Bilanzen wird durch Kostensenkungen (sprich: Personalabbau) und den Aufbau von Lagerbeständen und nicht etwa durch organisches Umsatzwachstum erreicht. Und da scheint aktuell das Problem zu liegen.
Nächster Knackpunkt: Die US-Notenbank hat die Zinsen bekanntlich auf Null gesenkt. In den Rezessionen der vergangenen Jahrzehnte konnte sie damit immer eine Konjunkturerholung auslösen, in deren Folge die Arbeitslosigkeit rasch zurückging. Nicht so in dieser Krise. Ich bin mir nicht ganz sicher warum (vermutlich ein Mix aus Überschuldung, Überkapazitäten und Überalterung), aber diesmal ist etwas merkwürdig anders. Auch eineinhalb Jahre nach dem vorläufigen Höhepunkt der Finanzkrise ist der Effekt auf den Arbeitsmarkt faktisch gleich Null. Und dieses Problem gefährdet neben dem wieder wegbrechenden US-Immobilienmarkt den Konsum und damit die Konjunkturerholung. Sieht so aus, als wäre die Notenbank diesmal machtlos. Aber Fed-Chef Bernanke wird es trotzdem mit aller Verbissenheit weiter versuchen.
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