Arbeitslosigkeit und Insolvenzen
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 04. Dezember 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Es war zu erwarten. Immer mehr Firmen müssen aufgrund deutlicher Umsatzeinbußen strikte Sparmaßnahmen beschließen. Relativ einfach lassen sich Kosten dadurch sparen, dass man Arbeitnehmer entlässt. Da ist es kein Wunder, dass die Arbeitslosenzahlen immer deutlicher ansteigen. Dass sich einige Firmen dabei im Prinzip ins eigene Fleisch schneiden, wird dabei nicht beachtet. Jeder denkt nur an sich, die paar Arbeitslosen mehr oder weniger ... die eigene Haut ist wichtiger. Doch wie sollen denn die Entlassenen mit weniger Geld mehr konsumieren? Die Umsätze sinken weiter.
Man braucht also kein Hellseher zu sein, um zu erraten, dass im nächsten Jahr die Arbeitslosenzahlen wohl das einzige sein werden, was kräftig zulegen kann. Zum Glück ist Deutschland nicht so konsumabhängig wie Amerika, sonst würde ich angesichts der gerade veröffentlichten Zahlen gänzlich schwarz sehen.
Im November stieg die Arbeitslosigkeit unerwartet steil an. Erwartet wurde ein Anstieg um nur 17.600 Arbeitslose, tatsächlich sind aber fast doppelt so viele Menschen erwerbslos geworden: 35.000. Das ist der stärkste Anstieg seit der Wiedervereinigung. Damit sind wieder über 4 Mio Menschen arbeitslos, genaugenommen 4.026 Mio. Die Konjunktur ist im Moment einfach zu schwach, um eine Belebung des Arbeitsmarkts zu bewerkstelligen. Experten rechnen mittlerweile damit, dass die Zahl der Arbeitslosen auf 4,5 Mio im nächsten Jahr ansteigen könnte.
Schlimm ist, dass es auch auf dem Ausbildungsmarkt mehr als düster aussieht. Bundesweit gibt es zur Zeit 43.000 Lehrstellenbewerber mehr als offene Ausbildungsplätze. Im vorigen Jahr hatte der Unterschied nur 5.500 Lehrstellen betragen. Allein die Zahl der betrieblichen Lehrstellen ist um 15 % zurückgegangen. Wie immer ist besonders der Osten von fehlenden Lehrstellen betroffen.
Aber man muss diese Zahlen des Arbeitsmarktes auch im Zusammenhang zu den Insolvenzen sehen. So hat sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im Jahr 2002 mittlerweile um 16,4 % auf 37,700 erhöht. Interessant dabei ist, dass vor allem Betriebe, die jünger als 4 und älter als 10 Jahre alt sind, von Insolvenzen bedroht sind. Unter denen sind dann wiederum die kleinen Betriebe mit einem bis fünf Angestellten am meisten bedroht.
Weniger wichtig, aber bemerkenswert ist der enorme Anstieg der privaten Insolvenzen. Diese sogenannten Konsumenteninsolvenzen sind um 69,8 % auf 22.900 Fälle gestiegen.
Die Schäden der Insolvenzen belaufen sich bei Unternehmen, Privatpersonen und Öffentlicher Hand zusammen auf 38,4 Mrd €.