Arbeitslosenzahlen
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 07. November 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Wenn sie ein amtierender amerikanischer Politiker sind, dann waren die Wirtschaftsnachrichten Ende der letzten Woche für Sie gut. Das Hollern und Heulen der Wahlwerbung einmal außen vor gelassen, sind die Arbeitslosenzahlen im Oktober auf den geringsten Wert seit fast fünfeinhalb Jahren gefallen.
Das Arbeitsministerium zeigte, dass im Oktober 92.000 neue Stellen geschaffen wurden und dass die beiden vergangenen Monate insgesamt 139.000 mehr neue Stellen gebracht haben, als ursprünglich berichtet. Die neuen Stellen für September wurden auf insgesamt 148.000 Stellen nach oben korrigiert. Bedenkt man die Größe der Korrektur für August und September, dann kann man davon ausgehen, dass auch die Zahlen für Oktober unter den wahren Zahlen liegen.
Die Arbeitslosenzahlen für Oktober lagen bei 4,4% - die geringste Arbeitslosenquote seit Mai 2001 (4,1%). Bedenkt man das Potential, was noch in den Korrekturen für die Zahlen von Oktober steckt, dann könnten die Zahlen letzten Endes sogar noch etwas näher an den 4,1% liegen.
Und damit sind noch nicht die 20% des mexikanischen Arbeitsmarktes erfasst, der schlicht seine Probleme mit den Arbeitslosenzahlen und dem Zufluss fremder Währungen in die Staaten verlagert hat.
(Ich habe schon einmal erwähnt, dass die Europäer für Arbeitslosenzahlen dieser Art einen Namen haben – sie nennen es „Vollbeschäftigung“)
Und es haben nicht nur mehr Amerikaner gearbeitet, sie haben auch mehr verdient und mehr gearbeitet.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen um 0,4% auf 16,91 Dollar. Die durchschnittliche Arbeitswoche hatte 33,9 Stunden im Vergleich zu 33,8 Stunden zuvor. Insgesamt sind die Stundenlöhne im Jahr 2006 um 3,9% gestiegen.
Gleichzeitig ist der Index des Institute for Supply Management für nicht produzierende Unternehmen im September von 57,1 auf 52,9 gestiegen – was auf eine gesunde Expansion der Dienstleistungsindustrie hinweist (wozu auch Bauunternehmen, das Bankenwesen und der Einzelhandel zählen), die für fast 90% des amerikanischen Bruttoinlandsprodukt verantwortlich ist.
Diese Zahlen bezichtigen nicht nur die der Lüge, die gerne düstere Bilder über den Niedergang der amerikanischen Wirtschaft unter der Bush-Regierung zeichnen... sie weisen auch auf gute Aussichten für den Einzelhandel vor den Feiertagen hin... und sind ein triftiges Argument gegen unmittelbar bevorstehende Einschnitte bei den Zinssätzen.
Schließlich bedeuten höhere Löhne und ein geringeres Angebot an Arbeitern höhere Arbeitskosten – die in den meisten Bereichen schon deutlich höher sind, als die Ausgaben für Energie.